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Die Fehler der Kosmopoliten: Abschied von der Weltgesellschaft

Die Philosophin Martha Nussbaum entwickelt eine solidarische Sicht auf die Gemeinschaft der Nationen. Das Ideal des Kosmopolitismus sieht sie als fehlerhaft wahr.

Die Titelbotschaft ist die Revision des Kosmopolitismus. Das deutet auf eine nationalistische Position hin. Gemeint ist hier aber die kosmopolitische „Tradition“, ein „nobles“, aber „fehlerbehaftetes“ Ideal. Martha Nussbaum ist eine der einflussreichsten US-amerikanischen Philosophinnen. Ihr Lebenslauf, geprägt vom Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen, zeigt die Vielfalt ihrer wissenschaftlicher Arbeit, beginnend in der Altphilologie, und ihre internationalen Erfahrungen. Sie kennt Indien, auch als Lebenspartnerin des indischen Ökonomie-Nobelpreisträgers Amartya Sen. Mit Sen entwickelte sie die menschenrechtliche Version des Fähigkeitsansatzes, den sie am Ende des Buches darstellt.

Dieser Ansatz betont den „Vorrang individueller Ansprüche, wobei jeder Einzelne ein Zweck an sich ist und kein bloßes Mittel zu den Zwecken anderer, der standhaften Verteidigung der moralischen Bedeutung der Nation und dem Bestehen darauf, dass der internationale Bereich ein zutiefst moralischer ist.“ Zehn zentrale menschlichen Fähigkeiten konkretisieren die Menschenrechte, es sind Leben, körperliche Gesundheit und Integrität, Sinn-Fantasie-Denken, Emotionen, praktische Vernunft, Zugehörigkeit, Sorge für Tiere und Pflanzen, Spielen, Kontrolle über die eigene Umwelt durch poltische Partizipation, Eigentumsrechte, faire Arbeitsbedingungen.

Im Bezug zur Welt ist es ein „materialistischer globaler politischer Liberalismus“, der in allen Nationen möglich ist. Das führt zur Fehlerhaftigkeit des Kosmopolitismus: Eine internationale Politik, die wahrhaft kosmopolitisch ist, muss auf dem Wert und der Würde empfindungsfähiger Körper basieren, nicht allein auf der Vernunft. Diese Fehlerhaftigkeit hat die Altphilologin geistesgeschichtlich herausgearbeitet. Erster Kosmopolit war Diogenes, bekannt als „Diogenes in der Tonne“. Er repräsentiert die kosmopolitische Tradition der stoischen Philosophie, die allen Menschen die gleiche Würde zusprach, die zu achten die Pflicht eines jeden ist. Bedeutungslos hingegen sind materielle Güter und auch der gesellschaftliche Rang. Diogenes beweist das, indem er Alexander den Großen bittet, ihm aus der Sonne zu gehen. Die Fehlerhaftigkeit des Ideals bei den Stoikern liegt darin, keine Pflichten zur materiellen Unterstützung der Menschenwürde zu fordern. Daraus folgt eine Zweiteilung der Pflichten, die bedeutend geblieben ist bis heute mit einer unterschiedlichen Beachtung von Menschenrechten der ersten Generation – Meinungs- und Versammlungsfreiheit – und der zweiten Generation – den sozialen und wirtschaftlichen Rechten.

Stoische Philosophen von Cicero bis Adam Smith haben sich an der Fehlerhaftigkeit des Kosmopolitismus abgearbeitet. Cicero erkannte die Pflicht zur materiellen Unterstützung, allerdings zunächst gegenüber Nahestehenden. Mit Bezug zur Familie ist das eher selbstverständlich, politisch relevant ist es mit Bezug zu besonderen Pflichten gegeben durch das Band der Sprache und der Nation.

Nussbaum leitet die moralische Bedeutung der Nation von Cicero ab. Ihre philosophiegeschichtlichen Einsichten und ihre moralischen Positionen wendet Nussbaum für die Beurteilung vielfältiger poltischer Probleme der Gegenwart an. Sie hat Zweifel an der Entwicklungshilfe, sieht die Schwächen internationaler Gesundheitspolitik, hält die Vereinten Nationen für „der Gleichstellung der Frauen feindlich gesonnen“. Ein anspruchsvolles Buch – wissenschaftliche Einsichten sind vielfältig und niemals vollkommen.

Martha Nussbaum: Kosmopolitismus. Revision eines Ideals, 2020, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 252 S., 30 Euro

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