Germany

Die Karten werden neu gemischt

Der CDU-Parteitag wird verschoben. Diese Entscheidung war zwingend, kommentiert Politik-Ressortleiter Christian Deutschländer. Die Bevölkerung hätte eine Riesen-Veranstaltung mit 1001 Delegierten nicht akzeptiert, während für einfache Sozialkontakte strengste Regeln angelegt werden.

So ist das im Leben: Manchmal dämmert’s dem Hauptbetroffenen einer unausweichlichen Entscheidung als Letztem. Das ganze Land weiß seit Wochen, dass der CDU-Parteitag im Dezember auf keinen Fall so stattfinden wird – am Montag hat das dann auch die CDU-Führung gemerkt.

Ein Wahl-Parteitag mit 1001 Delegierten und bis zu 1000 Gästen (Journalisten, Sicherheitsleute, Mitarbeiter, Gastronomie) ließe sich unter Corona-Bedingungen vielleicht mit Sondererlaubnis, Riesen-Aufwand und erheblichen Hygiene-Risiken realisieren. Von ihm ginge aber keine richtige Aufbruchstimmung aus – sondern nur das verheerende Signal, dass sich die Politik fette Ausnahmen gönnt, während die Menschen maximal vier Leute treffen dürfen. Die Bevölkerung hinterfragt nach Monaten des Verzichts schon sehr genau, für wen welche Sonderregeln gelten, man denke an den Großaufwand für Tests im Fußball-Betrieb oder an die sorgsam aufgebauten Schutz-Räume, die sich Abgeordnete in den Parlamenten schaffen. In diese Falle sollte eine Volkspartei nicht tappen.

Kommt Jens Spahn nun aus der Deckung?

Mancher Kandidat mag nun beleidigt Verschwörungen „des Establishments“ wittern. Das ist Unfug, getrieben von der Angst um ein Absinken eigener Wahlchancen. Der CDU insgesamt hilft es, wenn sie erst im Frühjahr 2021 einen neuen Chef wählt. Bisher überzeugt das Bewerberfeld Laschet/Merz/Röttgen bestenfalls Teile der Basis, aber nicht die Wähler. Kann sich doch noch ein Bewerber mehr Vertrauen erarbeiten und einen größeren Vorsprung als ein paar Promillepünkterl? Entwindet sich Jens Spahn der mutlosen Tandem-Umklammerung mit Laschet? Traut sich auch eine Frau das Führungsamt zu? Die CDU gewinnt – nach organisatorischer Trödelei und analoger Einfallslosigkeit – Zeit und die Chance, sich aus der Apathie des dicht an dicht liegenden Kandidatentrios zu lösen. Das ist, weil es ja auch um die Kanzlerkandidaten-Frage geht, gut fürs ganze Land.

Christian Deutschländer

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