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Die tapferen Schneiderlein aus Ostwestfalen

Im Logistikzentrum von Gerry Weber werden Blusen zur Lagerung transportiertJewgeni Roppel

In dem Raum, in dem aus Stoffteilen Sakkos werden, hört man nur ein leises Rattern. In langen Reihen stehen Tische mit Nähmaschinen, dahinter sitzen viele Frauen und nur ein Mann. Alle paar Sekunden nimmt jemand ein Stück Stoff und schiebt es unter seiner Nähmaschine hindurch.

Der Nähsaal könnte in China, Vietnam oder der Türkei stehen – oder in einem anderen Niedriglohnland, wo deutsche Modefirmen längst ihre Kleidung produzieren lassen. Doch tatsächlich arbeiten die Näherinnen in Herford, einer Kreisstadt im nordöstlichen Zipfel Nordrhein-Westfalens. Hier an ihrem Firmensitz lässt die Bugatti Holding Brinkmann, ein Familienunternehmen mit Marken wie Bugatti, Wilvorst und Eduard Dressler, noch einen kleinen Teil ihres Sortiments fertigen: Reitersakkos und Reiterhosen der Marke Pikeur. 35 Sakkos und 100 Hosen produzieren die Mitarbeiter in Herford jeden Tag – vom Zuschnitt der Stoffe bis zum letzten Knopf.

„Solch einen vollstufigen Betrieb gibt es in Deutschland kaum noch“, sagt Wolfgang Brinkmann, einer der geschäftsführenden Gesellschafter der Bugatti-Gruppe. „Aber solange es geht, werden wir uns diesen Luxus leisten.“ Wenn auch nur bei einem Nischenprodukt wie der Reitbekleidung.

Zusammen mit seinem Bruder Klaus führt Brinkmann die Firma seit 1986 in zweiter Generation. Der Name Bugatti, den ein Mitarbeiter einst aus dem mailändischen Telefonbuch abgeschaut hat, klingt italienisch. Aber das Unternehmen ist typisch für die ostwestfälische Bekleidungsbranche: ein Mittelständler mit führender Rolle der Gründerfamilie, mit starken Marken, einem dreistelligen Millionenumsatz und einem hohen Exportanteil.

Wolfgang (r.) und Klaus Brinkmann führen
die Bugatti-Familienholding seit 1986

Fast jeder in Deutschland hat schon Mode aus diesem Cluster zwischen Teutoburger Wald und Weserbergland gekauft: Mäntel und Anzüge von Bugatti, Hemden von Seidensticker aus Bielefeld, Kostüme und Handtaschen von Gerry Weber aus Halle in Westfalen, Hosen von Brax oder aus der Herforder Ahlers-Gruppe, zu der Marken wie Pierre Cardin, Baldessarini und Otto Kern gehören.

„Fashion Valley“ hat ein Marketing-Mann die Region einmal getauft. „Ostwestfalen ist mittlerweile die stärkste Bekleidungsregion in Deutschland“, sagt Bugatti-Chef Wolfgang Brinkmann – auch weil sich die Firmen hier besser halten als in anderen Textilregionen, wo schon viele Traditionsmarken vor den veränderten Kaufgewohnheiten, Rabattschlachten und der Billigkonkurrenz durch globale Bekleidungsriesen wie Zara, H&M und Primark kapituliert haben. Der Umsatz der deutschen Modehersteller stagniert seit Jahren – oder schrumpft sogar, 2016 um 3,4 Prozent. Derzeit schwappt eine Pleitewelle durch die Branche: Strenesse, Steilmann, Laurel, René Lezard, Basler, die Handelsketten Wöhrl und Sinn Leffers. Zuletzt erwischte es Anfang Oktober den Hosenhersteller Gardeur aus Mönchengladbach.

Aber auch die ostwestfälischen Mittelständler, die in vielen Kaufhäusern das mittlere Preissegment dominieren, müssen kämpfen. Nach Jahren stürmischen Wachstums steckt der börsennotierte Damenmodehersteller Gerry Weber in einem harten Sanierungsprogramm. Der Hemdenspezialist Seidensticker muss im Frühjahr eine 30-Millionen-Mittelstandsanleihe zurückzahlen. Und auch Bugatti, Ahlers und Brax, die in Herford ein paar Autominuten voneinander entfernt sitzen, müssen sich dem immer schärferen Wettbewerbsdruck anpassen – auch innerhalb des Clusters selbst.

us!