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Die Unterschätzte: Valérie Pécresse tritt gegen Macron an

Ist Frankreich reif für eine Präsidentin? Valérie Pécresse, die Überraschungssiegerin der Vorwahlen von Les Républicains (LR), der Schwesterpartei von CDU/CSU, will es glauben. „Ich kann Emmanuel Macron schlagen“, sagte sie am Sonntag dem „Journal de dimanche“. Am Samstag ist die 54 Jahre alte Präsidentin der Hauptstadtregion Ile-de-France unter dem Jubel der Anhänger nominiert worden. Sie setzte sich in der Mitgliederabstimmung mit 60,95 Prozent der Stimmen gegen den Abgeordneten Eric Ciotti (39,05 Prozent) vom Rechtsaußen-Flügel der Partei durch.

Die Partei von Republikgründer Charles de Gaulle hat seit 1958 unzählige Male ihren Namen gewechselt, aber noch nie eine Frau ins Rennen um den Élysée-Palast geschickt. „Gemeinsam können wir es schaffen“, sagte Pécresse. „Die bürgerliche Rechte ist wieder da!“. Ihr gelang, was François Fillon nach seinem Vorwahlsieg 2016 nicht geglückt war: Alle unterlegenen Präsidentenanwärter versammelten sich zum Gruppenfoto um sie. In der lange von personellen Machtkämpfen zerrissenen Partei kam diese Geschlossenheit einem kleinen Wunder gleich.

Gegen revisionistische Thesen Zemmours

Aber wird die Einheit von Dauer sein? Pécresse hat entschieden, dass ihre erste Reise als Präsidentschaftskandidatin an diesem Montag in den Wahlkreis Ciottis im Süden Frankreichs führt. Das ist ein geschickter taktischer Zug, denn Marine Le Pen und Eric Zemmour haben gleich am Sonntag begonnen, die „enttäuschten Wähler Ciottis“ zu umwerben. Ciotti hatte versprochen, die Armee in sozialen Brennpunktvierteln im Kampf gegen Rauschgifthandel und Kriminalität einzusetzen und ein französisches Guantanamo für Terroristen zu begründen. Er sagte, Frankreich stehe in einem Zivilisationskrieg gegen den Islamismus und verteidigte die These, dass Frankreich einen Bevölkerungsaustausch erlebe.

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Pécresse steht vor der Herausforderung, diesen Teil der Mitglieder nicht zu Le Pen und Zemmour abwandern zu lassen. Sie machte sofort deutlich, dass sie Zemmours revisionistische Thesen ablehnt, dass der Nazi-Verbündete Philippe Pétain seinerzeit die Juden geschützt habe. Das Dorf Saint-Martin-Vésubie, das sie mit Ciotti besucht, verkörpere „das mutige Frankreich, das seinen Werten treu bleibt“. Saint-Martin-Vésubie ist als „Ort der Gerechten unter den Völkern“ ausgezeichnet worden, weil Bewohner dort im Zweiten Weltkrieg Juden versteckten und retteten.

„Es ist nicht nötig, extremistisch zu sein, um in die Offensive zu gehen. Es ist nicht nötig, beleidigend zu werden, um zu überzeugen“, sagte Pécresse nach ihrem Vorwahlsieg. Das war eine klare Anspielung auf Zemmour, der einer Frau in Marseille einen Stinkefinger gezeigt hatte. „Angsteinflößer waren noch nie wirksam in ihren Taten“, sagte sie. Die für nächstes Wochenende geplante Großkundgebung ließ sie aufgrund der zunehmenden Corona-Fälle absagen: „Wir sind die Partei der Verantwortung“, sagte sie.

Sehnsucht nach sachlicher Amtsführung

Zugleich teilte Pécresse gegen den „Zick-Zack-Präsidenten Macron“ aus, der „gefallen will statt zu handeln“. Sie ging mit der „unverantwortlichen Schuldenpolitik“ der Ära Macron zu Gericht. Macron habe „die Reserven verbrannt“. Er werde den künftigen Generationen die Probleme Frankreichs überlassen, kritisierte sie. Als „Erbschaft“ zählte sie Schulden, Außenhandelsdefizit, Steuerlast, einen ausgelaugten Staatsdienst und eine chronische Autoritätskrise auf. Sie wolle Frankreich wieder „reparieren“.