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Germany

Diese Botschaft wollen Thunberg und Neubauer in Madrid senden

Zum Auftakt der zweiten und entscheidenden Woche der UN-Klimakonferenz haben die Klimaaktivistinnen Greta Thunberg und Luisa Neubauer den Verhandlern mit Mitstreitern aus aller Welt ins Gewissen geredet. Der Klimawandel „trifft heute schon zahllose Menschen“, sagte Thunberg am Montag in Madrid.

Dies betreffe insbesondere die Menschen im globalen Süden und indigene Gemeinschaften. Neubauer und sie selbst seien privilegiert, ihre Geschichten seien aber schon oft erzählt worden, sagte die 16-jährige Thunberg.

„Wir haben bemerkt, dass wir einige Medienaufmerksamkeit bekommen, deshalb ist es unsere moralische Pflicht, unsere Stimmen denen zu leihen, die ihre Geschichte erzählen müssen“, erklärte Thunberg vor hunderten Journalisten aus aller Welt.

Die 16-jährige Schwedin und ihre prominente Mitstreiterin aus Deutschland ließen daher sechs junge Klimaaktivisten aus verschiedenen Weltregionen zu Wort kommen. Neubauer rief dazu auf, sich mit diesen „echten Geschichten“ von Opfern des Klimawandels auseinander zu setzen. Junge Aktivisten, unter anderem von den Marshallinseln, den Philippinen, aus Russland und Chile berichteten eindringlich von dramatischen Überschwemmungen, Dürren, Überfischung und Krankheiten in ihrer Heimat.

Bedeutende Stimmen: Luisa Neubauer (l.) und Greta Thunberg gehören zu den prominentesten Vertreterinnen von Fridays For Future

Bedeutende Stimmen: Luisa Neubauer (l.) und Greta Thunberg gehören zu den prominentesten Vertreterinnen von Fridays For Future

Quelle: AFP/CRISTINA QUICLER

Nakabuye Hilda Flavia aus Uganda kritisierte, trotz der immer deutlicheren Auswirkungen der Erderwärmung sei bei den reichen Industrieländern „kein oder sehr wenig Handeln“ zu erkennen. Damit ließen sie Afrika und andere arme Weltregionen im Stich. Ihr Kontinent verursache fast keine Treibhausgasemissionen, „aber wir leiden am meisten“, hob die afrikanische Aktivistin hervor. Auch Kisha Erah Muaña vom Inselstaat Philippinen betonte, dass sie in einer der „am verletzlichsten Regionen der Welt“ lebe. Angesichts der Bedrohung riesiger Küstengebiete durch steigende Meeresspiegel sei in der Klimapolitik „jede Sekunde Zeit zu handeln“.

„Eine Verbindung zu Mutter Erde herstellen“

Die US-Ureinwohnerin Rose Whipple berichtete von ihrem Kampf gegen eine Öl-Pipeline am Mississippi und rief zu einem grundsätzlichen Umdenken auf: „Es ist an der Zeit, dass wir wieder eine Verbindung zu Mutter Erde herstellen.“ 

Der russische Aktivist Arschak Makitschjan berichtete, dass er wegen seiner Klimaproteste in seiner Heimat schon einmal mehrere Tage lang inhaftiert worden sei. Das halte ihn aber nicht davon ab, auf die Erderwärmung aufmerksam zu machen. „Ich habe keine Angst, festgenommen zu werden. Ich habe Angst, nicht genug zu tun.“

Greta Thunberg hat mit ihrem freitäglichen„Schulstreik für das Klima“ eine weltweite Protestbewegung in Gang gesetzt. „Fridays for Future“ mobilisierte Millionen Menschen in aller Welt, für ein entschlossenes Vorgehen gegen die Erderwärmung zu kämpfen. Neubauer gehört zu den bekanntesten Gesichtern der „Fridays for Future“-Bewegung in Deutschland.

Die 25. UN-Klimakonferenz hatte vor einer Woche in Madrid begonnen. Knackpunkte der Verhandlungen, die bis Freitag zum Abschluss gebracht werden sollen, sind unter anderem die Berücksichtigung des internationalen Emissionshandels bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens sowie Hilfen für Entwicklungsländer bei der Bewältigung der Erderwärmung.

„Ein Scheitern wäre ein Desaster“

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hob hervor, die „Klimafrage“ entscheide sich „in den Entwicklungs- und Schwellenländern“. Für kommendes Jahr stelle sein Ministerium (BMZ) diesen daher im Rahmen mehrerer Klima-Initiativen 500 Millionen Euro zusätzlich bereit.

Müllers Ministerium stellte in Madrid gemeinsam mit den Versicherungsunternehmen Global Parametrics und HannoverRe den Natural Disaster Fund (NDF) Deutschland vor. Dieser soll Hilfsorganisationen und andere Institutionen in Entwicklungsländern absichern, damit diese nach einer Naturkatastrophe schnell Hilfe leisten können.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im BMZ, Maria Flachsbarth, kündigte in Madrid einen Beitrag von 25 Millionen Euro für den NDF an. HannoverRe bringe 50 Millionen Euro Risikoversicherungskapazität ein. Mit diesen Zusagen sollen rund 100 Millionen Menschen abgesichert werden.

Müllers Ministerium kündigte zudem eine neue Ausschreibung für Meeres- und Küstenschutzprojekte im Westindischen Ozean an. Um Küstenbewohner bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, investieren der internationale Grüne Klimafonds (GCF) und das Bundesentwicklungsministerium gemeinsam 55 Millionen Euro.

Zu den weiteren Initiativen, die das BMZ in Madrid vorstellte, gehören die Förderung von Grünen Anleihen sowie eine Partnerschaft mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Unterstützung von Finanzministerien und Zentralbanken in Entwicklungsländern bei der Berücksichtigung von Klimarisiken.

„Schwer nachvollziehen, dass Deutschland und die EU sich verweigern“

Die Klima-Referentin von Brot für die Welt, Sabine Minninger, erklärte, die Finanzzusage des Bundesentwicklungsministeriums sei „ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“ Es sei „allerdings schwer nachzuvollziehen, warum Deutschland und die EU sich nach wie vor verweigern, einem Fonds für Klimaschäden zuzustimmen, in den alle Industrieländer einzahlen“.

Die Industrieländer haben sich zwar bereit erklärt, die Entwicklungsländer bei Maßnahmen für den Klimaschutz und die Anpassung an die Erderwärmung zu unterstützen. Um einen Mechanismus für bereits eintretende Klimaschäden wird aber weiter gerungen. „Ein Scheitern der Konferenz bei diesem Thema wäre ein Desaster“, warnte der klimapolitische Koordinator der Hilfsorganisation Care, Sven Harmeling, in Madrid.

Ein weiteres zentrales Verhandlungsthema ist die Ausgestaltung von Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens, der eine Einbeziehung von Marktmechanismen vorsieht. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sagte in Madrid, nach der Vertagung dieses Punktes im vergangenen Jahr wolle die Bundesregierung nun eine Einigung – allerdings „nicht um jeden Preis“.

Wenn die Regeln zu Artikel 6 Doppelzählungen von Klimaschutzmaßnahmen in Form von Emissionszertifikaten zuließen und eine riesige Menge alter Verschmutzungsrechte unter dem Kyoto-Protokoll weiter gelten lassen würden, drohe das Pariser Abkommen unterlaufen zu werden, warnte Flasbarth. „Gerade dieses Thema muss absolut sorgfältig und wasserdicht gestaltet sein.“

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