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Digitale Kontaktnachverfolgung: Ist die Software wirklich im Einsatz?

Die Sehnsucht nach einer digitalen Lösung für die Bekämpfung der Pandemie ist groß. Nachdem der Musiker Smudo am Sonntagabend in der Talkshow „Anne Will“ die Kontaktnachverfolgungs-App „Luca“ vorgestellt hatte, war die Zahl der Zugriffe so groß, dass das System des Start-Ups zeitweise zusammenbrach. Die Idee der App ist einfach: Statt sich im Restaurant oder beim Friseur in eine Liste einzutragen, um spätere Infektionen nachzuvollziehen, registriert die App die Aufenthalte. Das hat den Vorteil, dass sich die Daten verbinden und so Infektionsketten im Nachhinein erkannt werden können. Bisher konnten sich Infizierte häufig nicht erinnern, wo sie sich angesteckt haben könnten, oder die Dokumentation bei Gastronomen war lückenhaft.

Die Corona-Warn-App, die mit viel Hoffnung im vergangenen Jahr vorgestellt worden war, sollte dazu dienen, all jene zu informieren, die sich womöglich bei einem Infizierten angesteckt haben. Nur den Nutzern selbst wird mitgeteilt, ob bei ihnen ein Ansteckungsrisiko vorliegt, nicht den Gesundheitsämtern. Der Datenschutz stand im Weg. Der Luca-App, die nicht von der Regierung, sondern von einem Privatunternehmen angeboten wird, stellen die Bürger ihre Daten freiwillig zur Verfügung. Bei „Anne Will“ versprach Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) seine Unterstützung. Binnen vier Wochen, hieß es später vom Unternehmen, wolle man die Schnittstellen zu den Gesundheitsämtern hergestellt haben.

Viele Erwartungen: Luca-App

Viele Erwartungen: Luca-App : Bild: dpa

Aus den Ländern kommen zwar grundsätzlich positive Signale. Man solle aber nicht mit einem Befreiungsschlag rechnen, heißt es. Die Luca-App sei vielmehr ein „Mosaikstein in der Pandemiebekämpfung“. Bislang ist sie nur in wenigen, eher dünn besiedelten Gegenden und während des Lockdowns im Einsatz. Ob sie also wirklich als Hilfsmittel bei Öffnungen dienen kann, wird eher skeptisch beobachtet. Erst müssen viele die App nutzen, bevor sie einen Effekt haben kann. Und: Die Schnittstellen zu den Gesundheitsbehörden müssen bestehen, damit die Datenübertragung klappt.

Es hakt beim Datenaustausch mit dem RKI

Doch ebenjene Digitalisierung der Gesundheitsämter bereitet auch ein Jahr nach Beginn der Pandemie große Probleme. Erst im November einigten sich die Länder auf ein einheitliches Programm, die Software Sormas (Surveillance, Outbreak Response Management and Analysis System). Warum die Entscheidung so spät fiel, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Vieles deutet darauf hin, dass man die zweite Corona-Welle im Herbst und Winter für weniger schwer einschätzte. Als jedoch die Entscheidung für Sormas kam, hatte sich die große Mehrheit der Kommunen längst eigene Lösungen besorgt, außerdem waren die Gesundheitsämter im Herbst bereits mit massiv steigenden Fallzahlen konfrontiert.

Weder gab es Anlass, zu wechseln, noch die Zeit dafür, heißt es. Dadurch, dass es aber so viele unterschiedliche Programme gibt, ist der Datenaustausch zwischen Gesundheitsämtern und Robert-Koch-Institut nur eingeschränkt möglich. Weil die Kontaktnachverfolgung als entscheidend gilt, einigten sich die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin im Januar darauf, dass Sormas bis Ende Februar in allen Gesundheitsämtern verpflichtend installiert sein soll. Doch der Widerstand war groß.

Das Programm, einst zur Bekämpfung von Ebola in Afrika entwickelt, fragt bei der Erfassung der Fälle unter anderem danach, in welcher Art von Haus Infizierte leben – gedacht ist dies für Länder, in denen es kein Straßensystem gibt. Wenn jedoch den Mitarbeitern, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen stammen, immer gesagt werden müsse, welche Felder sie überspringen könnten und welche nicht, wachse der Schulungsbedarf und die Gefahr von Fehlern, heißt es aus zwei Behörden.

Schwierigkeiten selbst in Modellregionen

Inzwischen haben einzelne Landesregierungen wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen Druck aufgebaut, berichten Kommunen und Verbände wie der Deutsche Landkreistag der F.A.Z. In Nordrhein-Westfalen ist die Software nun in 43 der 53 Gesundheitsämter einsatzbereit. Laut F.A.Z.-Anfrage beim Bundesgesundheitsministerium haben 285 der rund 400 Gesundheitsämter im Land Sormas installiert, also mehr als 70 Prozent. Das Ministerium unterscheidet aber nicht, ob die Software nur „einsatzbereit“ oder „in Betrieb“ ist.

Der Anteil der Kommunen, die Sormas tatsächlich nutzen, dürfte weit geringer sein. Auch in Regionen wie Nordfriesland, die als Modellregionen für Sormas gelten, gibt es laut einer internen Präsentation noch immer Schwierigkeiten bei der vollständigen Einführung. In vielen Kommunen, wo es bereits andere Kontaktnachverfolgungsprogramme gab, lautet der Kompromiss, dass Sormas zumindest „betriebsbereit“ ist und künftig für den Datenaustausch genutzt wird, aber die Erfassung der Kontakte mit anderen Programmen erfolgt.

Der Deutsche Landkreistag, der 290 kommunale Gesundheitsämter vertritt, bemängelte laut einem Brief, welcher der F.A.Z. vorliegt, dass noch immer ebenjene Schnittstellen von Sormas zu anderen Programm fehlten. „Auf keinen Fall darf es dazu kommen, dass Daten händisch übertragen werden müssen“, schreibt der Verband an Gesundheitsminister Jens Spahn (CSU) und Kanzleramtsminister Braun.

Die Gesundheitsämter der Landkreise fordern vor den Beratungen der Länder an diesem Mittwoch, erst auf Sormas umzustellen, wenn Schnittstellen vorlägen und die Zahl von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in dem jeweiligen Landkreis erreicht sei. Angesichts stagnierender Infektionszahlen scheint dieses Ziel jedoch flächendeckend eher in einiger Ferne zu liegen.

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