Der dreiste Haus-Klau von Friedrichshain. Am Dienstag – sechs Monate nach Prozessbeginn – sagten die beiden angeklagten Clan-Brüder Rabih (36) und Mohamad Abou-Chaker (35) vor dem Landgericht aus.

Sie haben, so die Anklage, einem älteren Hamburger Ehepaar mit gefälschten Papieren ein Mietshaus an der Friedrichshainer Voigtstraße weggenommen – um es für Millionen weiterzuverkaufen.

Rabih: „Ich akzeptiere den Vorwurf und übernehme Verantwortung.“ Und: Ja, er habe an der Sache „maßgeblich mitgewirkt“. Und dann erzählte Rabih Abou-Chaker vor Gericht die Geschichte, dass beide nicht nur Täter, sondern auch Opfer seien.

Angefangen habe alles mit der virtuellen Währung Bitcoins. Sein Bekannter, Steffen F. (ein „Immobilien-Experte“) habe Schulden gehabt. „Ich habe mich für ihn verbürgt.“ Schließlich habe der vermögend gewirkt: Fuhr Luxusautos, mietete Clubs fürs Feiern. „Ich hatte keine Zweifel, dass er Geld hat.“

Er habe ihm Bitcoins gegeben. „Die Bitcoins wurden mehr und mehr. Ich wollte sie irgendwann zurück.“ Doch F. habe ihn vertröstet. „Er erfand immer neue Geschichten.“

Das Hamburger Ehepaar Hiltrud (80) und Johann-Conrad S. (80) zeigte den dreisten Betrug an (Foto: Olaf Wagner)
Das Hamburger Ehepaar Hiltrud (80) und Johann-Conrad S. (80) zeigte den dreisten Betrug an (Foto: Olaf Wagner)

2019 habe er ihm und seinem Bruder ein Geschäft vorgeschlagen: Ein Freund habe in einem ziemlich verwahrlosten Haus einen Laden. Die Eigentümer seien alt und unter Betreuung. Mithilfe des Betreuers könne man es erwerben.

„Mir war klar, dass das alles nicht sauber war. Aber wir wollten endlich unser Geld.“ Der Mitangeklagte Rainer G. (55), der den Wert auf sechs Millionen Euro schätzte, habe das Haus haben wollen.

Mohamad: „Wir zwei und Steffen F. sollten drei Millionen bekommen, sobald er im Grundbuch steht.“

Der Altbau an der Voigtstraße (Friedrichshain) gehört einem Hamburger Ehepaar (Foto: Jörg Bergmann)
Dieses Mietshaus an der Voigtstraße ließen die Brüder illegal überschreiben (Foto: Jörg Bergmann)

Und so nahm der ungeheuerliche Betrug seinen Lauf: Die Immobilie wechselte am 12. Juli 2019 den Besitzer für angeblich 250.000 Euro. Mit schlecht gefälschten Ausweispapieren des Hamburger Ehepaars, die das Grundbuchamt akzeptierte. Doch das erhoffte Geld sahen die Brüder wieder nicht. Im Nachhinein sei ihnen klar gewesen, dass alles ein Schwindel war.

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Der platzte, als Ärztin Hiltrud M. (80) und Jurist Johann-Conrad (80) im Januar 2020 hinter ihre „Zwangsenteignung“ kamen: „Die Versicherung rief an, und sagte, wir hätten das Haus verkauft.“ Rainer G. hatte die Wohngebäudeversicherung gekündigt.

Auch Steffen F. sollte als Zeuge aussagen. Doch er entschuldigte sich per Fax. Er sei „dauerhaft verhandlungs- und vernehmungsunfähig“.

Fortsetzung: Donnerstag.