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Germany

Ein Feuerwerk der Freiheits-Freude beim Mauerfall-Gedenken im Werratal

Im Schein der Fackeln: Einige hundert Menschen dürften es gewesen sein, die sich am Samstagabend in Obersuhl auf der nach Untersuhl führenden Eisenacher Straße in Bewegung setzten.

Wildecker aus allen Ortsteilen der ehemaligen Grenzgemeinde waren am Samstagabend unterwegs, um zusammen mit Einwohnern aus Heringen, Werra-Suhl-Tal und Gerstungen der Grenzöffnung zu gedenken.

Wer kurz vor halb sechs von Obersuhl aus in Richtung Thüringen fahren will, stellt schnell fest: Nichts geht mehr, in Höhe des Schwarzen Weges steht die Eisenacher Straße, auf der die Welt von Osten aus bis in den November 1989 hinein verbarrikadiert war, voller Menschen. Mit Fahnen und Fackeln in der Hand warten alle – noch immer voller Dankbarkeit und Freude über das bis zu diesem Zeitpunkt nicht für möglich Gehaltene – darauf, dass die Obersuhler Blasmusik zum Abmarsch bläst.

Nach Untersuhl soll es gehen. Dahin, wo sich die aus Berka, Gerstungen, Richelsdorf und Obersuhl kommenden Landesstraßen kreuzen – dahin, wo sich die wiedervereinigten Nachbarn treffen und feiern wollen. Vorne stehen Fahnenträger, es folgen Landrat Dr. Michael Koch, Ortsvorsteher Michael Kaufmann, junge und vor allem viele ältere Menschen, die vor 30 Jahren Weltgeschichte erlebt haben.

Punkt halb sechs geht es los. Vorbei an der Stelle, an der die „Staatsgrenze West der DDR“ ganz nah an Obersuhl heranreichte, vorbei am letzten Haus, über die Grenze hinweg, nur ein wenig vom Mond beschienen vorbei an den auf der linken Seite aus dem Boden gestampften Betriebsgebäuden von Alsecco. Das auf der rechten Seite errichtete neue BIM-Stammhaus liegt schon in hellerem Licht, und rund um die Landesstraßenkreuzung erblickt man das in Untersuhl wartende Empfangskomitee – Trauben von Menschen, die mitgehen und auf dem provisorischen Festplatz mitfeiern wollen.

Obwohl Neele Kaufmann (Bild unten, vorne links) und Luisa Wenk den 9. November 1989 nicht miterlebt haben, trugen sie mit großer Anteilnahme – mit Andrea Kaufmann (vorne rechts) und Thorsten Gräf (hinten), dem musikalischen Leiter der Obersuhler Blasmusik – zum Gelingen der Feier im Thüringer Zipfel bei.

Die Fahnenträger schwenken ihre schwarz-rot-goldenen Flaggen, die Blasmusiker geben alles, spielen den „Gruß an Kiel“ als heißen Gruß an die Einheit, als sie in Richtung Autobahnauffahrt abbiegen. Von dort kommen die unter der Weihetalbrücke gestarteten Richelsdorfer mit der Kapelle Linß. Am Rand des Zuges laufen Maja Reschke und Ida Feiler mit, zwei achtjährige Mädchen aus Obersuhl, die sich an der Hand gefasst haben – an diesem Abend erscheint es geradezu symbolisch.

Auf dem Festplatz ruft Heinrich Meier Thüringern und Hessen einen Gruß zu. Die Gerstunger Bürgermeisterin Sylvia Hartung erinnert an den für viele bedeutendsten Tag ihres Lebens, an dem die Öffnung der menschenfeindlichen Ost-West-Grenze bewirkt und der „Sprung in die Freiheit“ ermöglicht wurde. Reinhard Krebs, der Landrat des Wartburgkreises, spricht vom 1989er „Wutstau“, vom Scorpions-Hit „Wind of Change“, vom Wieder-Zusammenrücken der Menschen, vom engagierten Aufbau, für den er allen dankt. Aber er mahnt auch: „Manchmal habe ich den Eindruck, dass der Ungeist der Zeit unsere Erinnerung übertrumpft. Das darf nicht sein! Und es darf auch keine neuen Grenzen und Mauern in den Köpfen geben. Wir müssen die Mitte finden.“ Sein Amtskollege Dr. Michael Koch erzählt von seinem hessisch-thüringischen Leben, von dem inzwischen ganz normalen Alltag, um dann zu unterstreichen, dass das „Geschenk der Freiheit den Bürgern der ehemaligen DDR zu verdanken“ ist. Er schließt mit dem Wunsch, dass ein jeder auch heute Verantwortung für Staat und Gesellschaft übernehmen möge.

Kurz nach halb sieben intonieren alle anwesenden Kapellen die Nationalhymne. Viele aus der einige Tausend Menschen großen „Einheitsgemeinde“ singen mit – viele sind bewegt – viele denken daran, wie sich ihr ganz persönliches Leben verändert hat. Was für die meisten ein Grund zum Feiern ist – mit Bratwurst, Bier, Glühwein – und einem großen Feuerwerk.

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