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Ein großes Stück Starnberger Geschichte - für 15,5 Millionen zu haben

Die Villa Almeida, eines der berühmtesten Gebäude Starnbergs steht wieder zum Verkauf. Bei Interesse sollte man allerdings das nötige Kleingeld bereithalten.

Starnberg – Es wirkt auf den ersten Blick so, als ob die Hausherrin nur kurz im Garten spazieren wäre. Der Bücherschrank ist voll bestückt, das königliche Porzellan in den Vitrinen säuberlich sortiert, die Familienbilder hängen an den Wänden, der Sekretär ist aufgeklappt – und nach einem Staubkorn muss man beinahe suchen. Willkommen in der Villa Almeida, 1832 von Prinz Karl, dem Bruder König Ludwigs I., in Auftrag gegeben, thront sie in einem Park über dem See.

Schon die nackten Fakten sind beeindruckend. Knapp 27.000 Quadratmeter Grund, rund 950 Quadratmeter Wohnfläche in Palais und Gesindehaus, 33 Zimmer, Kaufpreis 15,5 Millionen Euro. Und doch werden diese Zahlen dem Gebäude und dessen Bedeutung nicht ansatzweise gerecht. „Es war die erste große Villa in Starnberg, es ist eines der bedeutendsten Gebäude der Stadt“, sagt Ludwig Wöhrl, der sich bei den Immobilienspezialisten Duken & von Wangenheim um die Villa kümmert.

Villa Almeida in Starnberg steht zum Verkauf - Stolzer Millionenpreis

Bis zu ihrem Tod im März 2013 lebte Ruth Gräfin Almeida in dem Anwesen, die zusammen mit ihrem Mann Hieronymus zu den großen Wohltätern Starnbergs gehörte. So überließ Graf Hieronymus beispielsweise der FT Starnberg Anfang der 1970er Jahre ein Grundstück an der Ottostraße zu äußerst günstigen Konditionen – und machte damit den Umzug des Vereins und in der Folge den Neubau des Landratsamtes an seiner jetzigen Stelle möglich. Bis heute unterstützt die St.-Johannis-Almeida-Sozialstiftung bedürftige Bürger in Starnberg.

Vier Enkel hatten die Almeidas, denen das Anwesen seit dem Tod der Gräfin zu gleichen Teilen als Erbengemeinschaft gehört – drei Geschwister und ein Cousin, alle zwischen 40 und 45 Jahren alt. Das hatte Hieronymus Graf Almeida zu Lebzeiten entschieden. Bloß: Keiner von ihnen lebt in Starnberg. Sie sind mit ihren Familien in Bonn, in Salzburg und in Wien zu Hause, wie Raimund Carl erklärt, der sich seit einigen Jahren um die wirtschaftlichen Belange der Familie kümmert und den Besitz verwaltet. „Nach dem Tod der Großmutter und einer emotionalen Pause ist Mitte 2018 die Entscheidung gefallen, das Anwesen in den Verkauf zu geben“, sagt Carl.

Villa Almeida soll verkauft werden: Erbengemeinschaft will Starnberger Anwesen abgeben

Gespräche mit der Stadt seien geführt worden, ebenso mit dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds, Ergebnisse habe es aber keine gegeben, sagt Carl ohne Anflug von Enttäuschung. „Unsere Hoffnung ist, dass sich jemand findet, der die Seele des Hauses und den Glanz schätzt. Und wir sind der festen Überzeugung, dass wir denjenigen auch finden werden.“

Wie die künftige Nutzung einmal aussieht, lässt Carl dabei bewusst offen. „Es muss kein Einfamilienhaus bleiben“, sagt er. Er und auch die Familie könnten sich vieles vorstellen. Hatte einer der Erben selbst Interesse, die Villa zu übernehmen? „Emotional ja“, sagt Carl. „Sie haben ja auch oft die Sommerferien bei ihrer Großmutter verbracht.“ Mit der Realität und den Lebensplänen sei ein dauerhafter Umzug nach Starnberg aber nicht kompatibel. Und: „Am Ende des Tages ist das auch eine ökonomische Sache. Einer müsste die anderen drei ja auszahlen.“

Villa Almeida in Starnberg für 15,5 Millionen zum Kauf angeboten - letzte Gräfin starb 2013

Seitdem suchen die Experten von Duken & von Wangenheim also nach dem geeigneten Käufer, der nicht nur über das nötige Geld für Erwerb, Sanierung und Umbau, sondern auch über ausreichend Empathie für das denkmalgeschützte Gebäude, für Park und Geschichte verfügt. „Man braucht etwa zwei bis vier Jahre, um den passenden Käufer für eine solche Immobilie zu finden“, sagt André Schnitzke, Geschäftsführer des Büro Münchner Süden des Immobilienmaklers. Besichtigungstermine habe es schon gegeben. „Eine Dame mit Architekt“ habe sich beispielsweise sieben Stunden am Stück auf dem Grundstück alles genau angeschaut und sogar schon teilweise vermessen. Mehr verraten Schnitzke und Wöhrl nicht – Diskretion wird großgeschrieben.

Verkauf der Villa Almeida - Gräfliches Anwesen in Starnberg wird verkauft

Nachdem sie ein halbes Jahr Pause eingelegt hätten, würden sie das Objekt nun wieder offensiver anbieten, sagt Schnitzke. Erste Ansprechpartner seien dabei Kunden aus dem eigenen Bestand, die „Qualität, Größe und Lage“ der Villa und des ganzen Drumherum zu schätzen wüssten. Dabei kämen auch bereits ganz konkrete Fragen, etwa ob ein Aufzug oder eine Tiefgarage eingebaut werden dürften, aber auch, wie das riesige Anwesen gesichert werden könne.

„Wir möchten den Richtigen für dieses einmalige Anwesen finden“, sagt Schnitzke. Derjenige dürfte beim Erwerb der Immobilie zwei Einrichtungsgegenstände vermutlich behalten. Eine Büste des Bauherren Prinz Karl – und ein Ölgemälde von Johann Jakob Dorner um 1840, das die Villa hoch über dem Starnberger See thronend zeigt. Und wenn der Richtige gefunden ist, dann wäre die Villa auch wirklich wieder mit Leben erfüllt.

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