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Germany

Ein manisch-freundlicher Geist

„Niemand will dich küssen, wenn du tot bist“, singt Daniel Johnston mit verspukter Kinderstimme auf seiner Kassette „Hi How Are You“. Von diesen, mit Hilfe eines 60-Dollar-Rekorders aufgenommenen Tonbändern verteilte Johnston in den 1980er Jahren Hunderte an Kunden der McDonald’s-Filiale in Austin, Texas, wo er die Tische wischte. Seine Lieder sind voll simpler Botschaften und kurioser Obsessionen, ob mit Casper dem freundlichen Geist oder seinem Schulschwarm Laurie Allen, die einen Bestatter geheiratet hatte. Ihre Melodien scheinen von einem leicht angeknacksten Paul McCartney zu stammen. Weshalb Johnstons Songs oft von oben herab als „kindlich“ beschrieben werden. Der Vergleich greift nur insofern, als auch Kinder das Talent haben, mit wenigen Worten das Alltägliche ins Unheimliche kippen zu lassen.

Als Kurt Cobain mit einem T-Shirt fotografiert wurde, dass den stieläugigen Frosch zeigte, den Johnston mit Filzstift auf das Cover von „Hi How Are You“ gezeichnet hatte, lieferten sich große Plattenfirmen einen Bieterwettbewerb um den Exzentriker. Dabei war Johnston völlig ungeeignet für den Popruhm, er litt an Schizophrenie und musste längere Perioden in geschlossenen Anstalten verbringen.

Der Durchschlagskraft seiner geisterhaft-klaren Songs tat das keinen Abbruch. Ob Tom Waits, Beck oder die Flaming Lips: Jeder coverte sie mit Kusshand. Am Mittwoch starb Daniel Johnston im Alter von 58 Jahren an einem Herzinfarkt. (cbo)

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