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Ein Projekt in London will Minderheiten beim Friseur über Organspende aufklären

Friseursalons sind ein Faszinosum: Obwohl es eigentlich deprimierend ist, sich mit Lockenwicklern oder Strähnchenfolie auf dem Kopf öffentlich zu zeigen, führen vor allem Frauen im Salon ihres Vertrauens intensive Gespräche. Und das mit einer Person, die meist nicht zum Freundeskreis zählt. Nach dem Motto: Wer mir den Kopf waschen darf, dem lege ich die Gedanken offen, die sich darin verbergen.

Diese distanzierte Intimität macht sich im Großraum London ein Projekt zu eigen, in dem Friseurinnen wie Ireena Mwanza darin geschult werden, mit Kunden über Organspende zu sprechen. Mwanza, die ein Geschäft in Romford in der Grafschaft Sussex führt, war sofort dabei – sie hat miterlebt, wie der Vater eines Freunds zu lange auf ein benötigtes Organ warten musste und starb. „Bei manchen Schwarzen herrscht Unsicherheit, was sie von der Organspende halten sollen“, sagt Mwanza. Sie entgegne dann: „Wenn dein Leben in Gefahr wäre, würdest du dir nicht wünschen, dass dich jemand rettet?“

Ethnische Minderheiten warten länger auf passende Organspende

Die Idee zu „Hair2Debate“ hatte Abiola Okubanjo. 2017 gründete die ehemalige Investmentbankerin die gemeinnützige Organisation Action On Blood. Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen, die nicht der weißen Mehrheitsgesellschaft angehören, Blut, Stammzellen und auch Organe spenden. Denn Schwarze, Asiaten – besonders aus der indischen Community – sowie Angehörige anderer Minderheiten, die mehr als 20 Prozent der britischen Bevölkerung ausmachen, spenden seltener als die weiße Bevölkerung. Das hat negative Auswirkungen. Denn das Spenden beruht auf der Solidarität mit allen Mitmenschen. Zudem verringern sich innerhalb der Ethnien die Chancen, einen passenden Spender zu finden. Patienten aus ethnischen Minderheiten, die eine Organspende benötigen, warten länger als weiße Patienten und haben daher eine höhere Sterblichkeitsrate.

Die Ergebnisse einer Transplantation sind bei Niere, Bauchspeicheldrüse und Herz im Langzeitverlauf umso besser, je höher die Übereinstimmung bestimmter Merkmale bei Spender und Empfänger ist. Deren Häufigkeit variiert genetisch. Je enger verwandt Ethnien sind, desto ähnlicher ist die Häufigkeitsverteilung dieser Merkmale.

Die wichtigste Ursache für die verbreitete Voreingenommenheit sieht Gurch Randhawa, Professor für Public Health an der Universität in Bedfordshire und selbst indischstämmig, im mangelnden Vertrauen vieler Einwandererfamilien in das britische Gesundheitssystem. Teilweise gehe man auch fälschlicherweise davon aus, dass die Religion gegen eine Organspende spreche. Um diese Bevölkerungsgruppen für eine Spende zu gewinnen, sei eine staatliche Förderung von Initiativen, die aus den Gemeinschaften stammen, sinnvoll. Diese Erkenntnis sollte auch beim Werben für die Impfung gegen Covid-19 berücksichtigt werden.

Ireena Mwanza konnte wie die anderen Teilnehmer von „Hair2Debate“ wegen der pandemiebedingten Salonschließungen im vergangenen Jahr weniger Aufklärungsgespräche über Organspende führen als erwartet. Trotzdem ist sie sicher, bereits jetzt zu einer Veränderung des Meinungsbilds beigetragen zu haben. „Allein schon, dass ich die Poster aufgehängt und meinen Kunden gesagt habe, dass ich an den Sinn von Organspende glaube, hat ein paar von ihnen überzeugt.“ Auch die Initiatorin Abiola Okubanjo zieht ein positives Fazit: „Ziel des Projekts war, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem Menschen über das sprechen können, was sie rund um das Thema Organspende bewegt. Das haben wir erreicht.“

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