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Ein Sakrileg wie bei der Hagia Sophia

„Drei Verwandlungen nenne ich euch der Location: wie das Bauland zum Heizkraftwerk wird, und zum Club das Heizkraftwerk, und zum Museum zuletzt der Club.“ Also sprach Zarathustra, der damals weilte in der Stadt, welche genannt wird: Corona-Berlin.

Das Berghain, der abgefahrene Feier-Orkus am Berliner Ostbahnhof, wird auf unbestimmte Zeit zum Museum. Die Boros Foundation des Wuppertaler Kunstmäzens Christian Boros organisiert eine Ausstellung mit neuen Werken von Berliner Künstler*innen aus der beginnenden Corona-Zeit. Zwischennutzung.

Zwischennutzung, das war die Zauberformel, nach der in den Neunzigern leer stehende Gebäude in Techno-Clubs verwandelt wurden. Eine neue Epoche eignete sich die Ruinen der Vergangenheit an, weil sie ihre angestammte Funktion verloren hatten. Und so könnte die Konvertierung des Techno-Bunkers in eine Kunsthalle symbolbehafteter kaum sein: Das Berghain war Berlins Tempel der Unvernunft, auf dessen Altar Wochenende für Wochenende Moral, Gehirnzellen und Gewissheiten geopfert wurden. Ein Besuch dort stellte schon immer ein Gesundheitsrisiko dar.

Die Umwidmung des Berghain in einen Kunsttempel versinnbildlicht den Kulturumbruch unter Corona: Der Exzess ist zu gefährlich, keine Zeit für Unvernunft – die Party ist vorbei. Kein Schweiß, kein Sex, keine harten Drogen. Dafür gerahmte Bilder, Tuscheln, Hüsteln, Nippen am Champagnerglas. Lasst uns mal alle lieber gediegen ins Museum gehen.

Stoffmaske statt Fetisch: So sieht die Zukunft des Berghain aus

Stoffmaske statt Fetisch: So sieht die Zukunft des Berghain aus

Klar, werden jetzt viele sagen, der Laden kämpft ums Überleben. Und die Kunstszene freut sich über den Coup von Boros, der im ehemaligen Reichsbahnbunker Friedrichstraße wohnt, auf fünf Stockwerken zeitgenössischer Kunst und der Leiche des Hardcore-Techno-Clubs Bunker. Kunst, sagen sie, sei schließlich Kunst, egal ob Deephouse oder abstrakte Installation.

Feiern ist gefährlich und brutal

Dabei befinden sich Techno und die bildenden Künste an komplett entgegengesetzten Extremen des Vehemenzspektrums. Das Betrachten von Gemälden erfordert Abstand und Einordnung. Man kann es auch allein tun. Feiern dagegen ist gefährlich, brutal und ein bisschen asozial, ein kreativer Prozess durch die Aufhebung aller zwischenmenschlichen Barrieren, Gemeinschaft in ihrer extremsten Konsequenz. Man muss sich dafür schmutzig machen. Die Magie der Techno-Party entsteht im Augenblick, in dieser Nacht, zwischen den Bassboxen, unter den Scheinwerfern und, vor allem: in der Intimität des Clubs.

Ein grimmiger Mann mit viel Tinte und Metall im Gesicht steht deshalb seit je vor dem Eingang des Berghain und bestimmt, wer seiner würdig ist. Er bewahrt die Eingeweihten vor dem urteilenden Blick der Außenwelt. Wie weit der Hype um den Laden auch fortgeschritten gewesen sein mag: Im Berghain wurde ein Geheimnis bewahrt.

Nun darf zum ersten Mal jeder dieses Heiligtum betreten: die Tanzfläche, die Unisex-Klos, die Panorama-Bar – Orte also, die kein enthaltsamer Mensch zuvor betreten, kein nüchternes Auge je geschaut. Ein hundert Nanometer großes Virus hat die härteste Tür Berlins gebrochen. Ein Heiligtum, bislang den Ungläubigen nicht zugänglich, wird als Museum geöffnet wie einst die Hagia Sophia.

Ob der Ort des Schaffens dadurch profaniert wird? Gegenfrage: Was würde, nur mal hypothetisch gedacht, ein Damien Hirst sagen, zöge umgekehrt eine Horde feiernder Freaks durch sein Atelier?

Etwas geht verloren

Die Umwidmung des Berghain in ein Museum ist auch ein Abschied vom Dunklen, Gefährlichen, Orgiastischen, das lange mitschwang, wenn irgendwo auf der Welt die Rede von Berlin war. Die Überreste dieses Geists haben sich ins Gebüsch der Hasenheide verkrochen. Etwas geht verloren.

Es gab im Berghain schon immer Kollaborationen mit dem arrivierten Kunstbetrieb – Aufführungen des Staatsballetts, Wolfgang Tillmanns „Muschi“ oben in der Panorama-Bar. Aus dem Flirt mit der Hochkultur wird nun eine feste Beziehung. Die Neue ist bis auf Weiteres eingezogen und wälzt sich in den frisch gewaschenen Laken.

Und klar tut das weh.

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