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„Eine Katastrophe“ – jetzt läuft der Handel Sturm gegen 2G

Ungeimpfte kommen in immer mehr Bundesländern nicht mehr in den Einzelhandel. Nach Sachsen, Brandenburg und Berlin setzt nun auch Hamburg auf eine 2G-Regel für alle Geschäfte abseits der Läden für den täglichen Grundbedarf, also abseits von beispielsweise Supermärkten und Discountern oder Drogerien und Apotheken. Kunden müssen ab Samstag nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind. Ein negatives Testergebnis reicht nicht mehr aus.

Kritik an dieser Maßnahme übt der Handelsverband Deutschland (HDE). „Mit Unverständnis und großer Sorge beobachten wir die Einführung von 2G-Regelungen für den Einzelhandel durch die Bundesländer. Diese Maßnahme verfehlt das Ziel, denn der Handel ist kein Pandemietreiber. Und doch muss er aktuell den Preis für die undifferenzierten Maßnahmen zahlen“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth gegenüber WELT. Denn die Einlasskontrollen seien mit einem erheblichen Aufwand verbunden, sowohl finanziell als auch personell. „Wenn das eigene Team die Kundschaft auf Impfstatus und Nachweis prüft, fehlt das Personal an anderer Stelle im Laden. Werden externe Arbeitskräfte beauftragt, entstehen zusätzliche Kosten. Diesen Personal- und Kostenaufwand alleine zu stemmen, ist für viele pandemiebedingt angeschlagene Handelsbetriebe aber kaum leistbar“, sagt Genth weiter.

Darüber hinaus rechnet der HDE in den betroffenen Regionen mit einem ganz erheblichen Frequenzverlust, die Rede ist von 30 bis 40 Prozent weniger Kunden auf den Einkaufsstraßen. Gleichzeitig aber blieben die Kosten unverändert. „Das könnte das Weihnachtsgeschäft kippen lassen“, fürchtet Genth. Dabei sei das eigentlich der große Hoffnungsträger nach dem monatelangen Lockdown zu Beginn des Jahres. „Nun droht das Weihnachtsgeschäft in unverhältnismäßigen Maßnahmen unterzugehen.“ Dabei sei allen auch in der Politik klar, dass der Einkauf kein Infektionsherd ist und Hygienekonzepte, Lüftungsanlagen sowie die Maskenpflicht für ausreichend Sicherheit sorgen. „Deshalb müssen diese Zutrittsbeschränkungen wieder entfallen“, fordert Genth, demzufolge der Einzelhandel äußerst unzufrieden ist mit dem ersten Adventswochenende – auch wegen 2G- und 3G-Beschränkungen.

„Wartezeiten fördern nicht die Shoppinglaune“

Groß ist der Ärger über 2G auch beim Handelsverband Nord, der die Belange der Einzelhändler in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vertritt. „Mitten im Weihnachtsgeschäft ist das für den Handel ist eine Katastrophe“, sagt Geschäftsführerin Mareike Petersen.

Das sei immerhin die mit Abstand wichtigste Zeit für die Branche, die nun schon im zweiten Jahr in Folge ganz wesentlich beeinträchtigt werde. Denn 2G sei eine Art Teilschließung. Aber auch Geimpfte und Genesene würden abgeschreckt. „Wartezeiten vor der Tür aufgrund der Kontrollen fördern nicht unbedingt die Shoppinglaune“, fürchtet Petersen.

Viele Kunden würden daher wohl ins Netz abwandern. Zwar seien mittlerweile auch viele Stationärhändler online aktiv. „Das gleicht die Verluste im Stationärgeschäft aber nicht aus. Zumal diese Händler dort auch erst mal auffallen und gefunden werden müssen.“

Ob die Appelle in Richtung Politik fruchten, scheint fraglich. Am Donnerstag beraten Bund und Länder erneut über verschärfte Maßnahmen gegen die Pandemie. Und dann sollen anders als beim ersten Treffen am Dienstag konkrete Beschlüsse gefasst werden, die möglichst einheitlich gelten sollen in Deutschland. Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat in dem Zusammenhang auch eine 2G-Pflicht für den Einzelhandel im gesamten Bundesgebiet ins Spiel gebracht.

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