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„Eine Riesen-Erleichterung“: Kathrin Baier war bei Suche nach achtjähriger Julia in Tschechien dabei

Ganz Deutschland befand sich in Aufruhr, als die achtjährige Julia zu Beginn dieser Woche am Berg Cerchov vermisst wurde. Hunderte deutsche und tschechische Einsatzkräfte hatten nach dem Mädchen gesucht, das erst nach zwei Tagen von einem tschechischen Förster gefunden wurde. An der Suchaktion beteiligt war auch die Peitingerin Kathrin Baier mit Hündin Maya von der Rettungshundestaffel des BRK Kreisverbands Weilheim-Schongau.

War das Ihr erster Einsatz bei der Rettungshundestaffel, für den Sie so weit anreisen mussten?

Ich bin jetzt seit sechs Jahren bei der Rettungshundestaffel und hatte mittlerweile 25 Einsätze. Weiter weg war ich aber erst einmal: Vor ein paar Jahren in Pfaffenhofen an der Ilm. Der typische Anfahrtsweg ist bei uns etwa eine Stunde.

Als Sie mit Ihrem Suchhund angefordert wurden, musste bestimmt alles sehr schnell gehen. Wie ist das abgelaufen?

Kontaktiert hat mich am Montagnachmittag die Leitstelle des BRK Oberland über das Handy. Da war ich noch in der Arbeit. Mit zwei Kolleginnen aus der Staffel bin ich gegen 17 Uhr in Peiting losgefahren, wir waren dann um ca. 20 Uhr vor Ort. Zwei andere aus unserer Gruppe waren schon dort. Ich bin meinem Arbeitgeber sehr dankbar, dass ich so schnell für mein Ehrenamt gehen konnte, das ist nicht selbstverständlich. Vor allem, weil wir ein kleines Team sind. Da merkt man ja sofort, wenn eine Kraft fehlt.

Wo arbeiten Sie denn hauptberuflich?

Ich bin medizinische Fachangestellte bei der Praxis von Dr. Kusche und Dr. Griener in Peiting.

Sie haben sich also sofort auf den Weg gemacht. Wie war dann der Ablauf im Einsatzgebiet?

Wir haben uns mit der Einsatzleitung direkt an der Grenze getroffen. Da musste man sich erst einmal registrieren, damit klar ist, wer alles vor Ort ist und für wie lange. Anschließend ging es zur „Einsatzleitung Hund“, die in Absprache mit den anderen Rettungskräften wie der Polizei stand und alles koordinierte. Und dann ging es auch schon eigenständig ins Suchgebiet. Aus unserem Team waren drei Hundeführer und zwei Helfer dabei.

Wie hat Ihre Hündin Maya auf die anderen Suchhunde reagiert? Haben sie sich selbst erst einmal „beschnüffeln“ müssen?

Insgesamt waren ca. 115 Hunde im Einsatz. Die hatten untereinander aber gar keinen Kontakt. Die Hunde bleiben die ganze Zeit über im Auto – außer zum Bieseln natürlich, nach der langen Anfahrt. Sie werden aber erst im Suchgebiet richtig rausgelassen und da kommen sie mit den anderen Hunden so gut wie nicht in Berührung.

Glauben Sie, für Maya war der Einsatz genauso aufregend wie für Sie?

Auf jeden Fall. Meine Hündin war sofort in ihrem Element. Die Hunde freuen sich richtig, wenn sie arbeiten dürfen, auch, wenn es für sie natürlich sehr anstrengend ist. Maya hat eineinhalb Stunden lang gesucht, das ist eine große körperliche Anstrengung. Vor allem für die Nase.

Welche Rolle haben die Suchhunde bei dem Auffinden der kleinen Julia gespielt?

Eine große: Die Hunde haben die richtige Suchrichtung angegeben. Es waren ja Personenspürhunde und Flächenspürhunde im Einsatz. Die Personenspürhunde suchen an der Leine gezielt nach einer Duftspur, wenn man ihnen zum Beispiel einen Schal der vermissten Person zum Riechen gegeben hat. Maya ist eine Flächenspurhündin, die sucht ohne Leine. Bei einem so weitläufigen Einsatzgebiet wie diesmal waren die Flächenspürhunde wichtig, weil sie den Suchradius eingrenzen können.

Wie lange waren Sie insgesamt unterwegs?

Vor Ort waren wir bis ca. 1.30 Uhr, daheim war ich dann so um 5 Uhr morgens. Und um 9 Uhr stand ich wieder in meinem Hauptjob. Klar hätte ich gerne noch weiter bei der Suche geholfen, es ging wegen der Arbeit aber nicht. Und man braucht ja auch einmal eine Pause. Zum Glück waren noch genug andere Hunde vor Ort, das gibt einem ein besseres Gefühl.

Eine ganz schön aufregende Nacht. Wie haben Sie reagiert, als das Mädchen wieder gefunden wurde?

Dienstagmittag hat mir eine Freundin von der Rettungshundestaffel Bad Tölz-Wolfratshausen die gute Nachricht gesagt. Und wenig später war es auch schon in den Medien. Ich war so erleichtert! Immerhin war es da so stockdunkel und nasskalt. Ein achtjähriges Mädchen ganz alleine unter diesen Bedingungen – schrecklich! Man will sich ja gar nicht vorstellen, wie sich das Kind und ihre Familie da gefühlt haben müssen. Als ich vom Fund erfahren habe, ist ein großer emotionaler Druck weggefallen. Es war eine Riesen-Erleichterung.