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Einen Tag nach der Verkündung: Super League vor dem Aus – ManCity zieht zurück

Einen Tag nach der Verkündung : Super League vor dem Aus – ManCity zieht zurück

Nur einen Tag nach der Präsentation der neuen Super League könnte das Konstrukt schon wieder zerbröseln. Manchester City hat bereits offiziell seinen Rückzug angekündigt, weitere Klubs werden offenbar folgen.

Rohrkrepierer statt Revolution: Die neue Hyper-Kommerzveranstaltung Super League scheint nach nur zwei Tagen höchst spektakulär zusammenzukrachen. Champions-League-Halbfinalist Manchester City gab am Dienstagabend seinen Rückzug aus dem Multimilliarden-Projekt bekannt, der FC Chelsea und Atletico Madrid sollen im Proteststurm ebenfalls eingeknickt sein. Auch der FC Barcelona wackelt, beim FC Liverpool proben die Spieler den Aufstand.

Bayern München, Borussia Dortmund und Paris St. Germain erteilten zudem ebenso eindeutige wie schmerzhafte Absagen. Noch am späten Abend (23.30 Uhr) sollte eine Krisensitzung der verbliebenen Vereine beginnen. "Das ist die absolut richtige Entscheidung", hatte der britische Premierminister Boris Johnson schon vor Citys Bestätigung bei Twitter jubiliert: "Ich hoffe, dass andere Klubs folgen."

Das Projekt der "Big 12", zwölf Weltklubs der Superreichen, angetrieben von JPMorgan, könnte eine weltweit verspottete Fehlzündung werden - mit den klaren Siegern Fifa, Uefa und frisch reformierter Champions League, deren ebenfalls kommerzgetriebenen Änderungen die Fans dann mit Freude schlucken werden. Die große Revolution: Sie fällt wohl doch aus. An der Stamford Bridge jubelten rund 1000 Chelsea-Fans, die eigentlich protestieren wollten.

Manchester City "kann bestätigen, dass sich der Verein aus der Gruppe zurückzieht, die Pläne für eine Super League entwickelt", teilte der Premier-League-Tabellenführer in einem Einzeiler wenig später mit. Laut BBC und The Athletic bereitet auch Chelsea die Übergabe von Rückzugspapieren vor. Manchester Uniteds Geschäftsführer Ed Woodward, eine treibende Kraft hinter der Liga, verkündete seinen Abschied zum Jahresende.

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin kommentierte das Zerbröseln der Phalanx mit Genuss. "Ich freue mich sehr, City wieder in der europäischen Fußballfamilie begrüßen zu dürfen. Sie haben große Klugheit gezeigt", lobte der Slowene. Bis zur Wende hatte es ausgesehen, als wollten Real Madrid, Liverpool und Konsorten ihr Ding gegen alle Widerstände durchziehen - dafür wurden sie als "dreckiges Dutzend" angesehen.

Die Fans der deutschen Granden müssen sich nicht sorgen. Rekordmeister FC Bayern und nach SID-Informationen auch Borussia Dortmund schließen eine Teilnahme definitiv aus. "Ich darf im Namen des Vorstandes ausdrücklich feststellen, dass der FC Bayern nicht an der Super League teilnimmt", sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge und betonte: "Der FC Bayern steht solidarisch zur Bundesliga. Für den FC Bayern ist die Champions League der weltweit beste Klubwettbewerb."

Auch der BVB wird auf keinen Fall im neuen Konstrukt mitspielen. Intern ist SID-Informationen zufolge "in Stein gemeißelt", dass sich der Klub den Plänen keinesfalls anschließen wird. Ohnehin liegt dem Verein von der Liga bisher weder eine Anfrage noch ein konkretes Angebot noch eine Friststellung vor. Aufgrund börsenrechtlicher Pflichten gestaltet sich eine glasklare Kommunikation jedoch schwierig.

Die großen Fußball-Verbände und ihre drei neu gewählten deutschen Topfunktionäre hatten sich auf den gemeinsamen Kampf gegen die Abtrünnigen eingeschworen. Rechtlich wurden die Chancen der Rebellen gut eingeschätzt: "Rein juristisch betrachtet hat die Uefa keine Chance, ihre Drohungen durchzusetzen", sagte die renommierte Sportrecht-Fachanwältin Anne Jakob dem SID: "Die Tendenz ist tatsächlich, die Märkte zu öffnen und Konkurrenzligen zuzulassen. Das Recht in Europa sieht das so vor."

Trotzdem suchten der Weltverband Fifa (mit dem neuen Council-Mitglied Peter Peters), die Europäische Fußball-Union (Uefa) mit dem wiedergewählten Rainer Koch und Karl-Heinz Rummenigge in der Exekutive sowie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Konfrontation. Die 55 Mitglieder der Uefa verabschiedeten zum Abschluss ihres Kongresses einstimmig eine Resolution gegen die Super League.

Das war im DFB-Sinne. "Die Vereine und ihre Nachwuchsmannschaften sollten von allen Wettbewerben ausgeschlossen werden, bis sie wieder an ihre vielen Anhänger denken, die sie erst zu den größten Klubs der Welt gemacht haben - und nicht nur an ihre Geldbeutel", sagte Präsident Fritz Keller.

Auch Weltverbandsboss Gianni Infantino stellte klar, dass es "keinen Zweifel an der Ablehnung der Fifa" gebe. "Wenn einige sich entscheiden, ihren eigenen Weg zu gehen, dann müssen sie mit den Konsequenzen leben", sagte der Schweizer: "Entweder bist du drin, oder du bist draußen."

Die Abtrünnigen sind bzw. waren Liverpool, ManUnited, ManCity, Tottenham Hotspur, der FC Arsenal, Chelsea, Real Madrid, Barcelona, Atletico, Juventus Turin, der AC Mailand und Inter Mailand.

Real-Präsident Florentino Perez wollte sich keineswegs drohen lassen. "Madrid wird nicht aus der Champions League geschmissen, definitiv nicht", sagte der als ESL-Chef vorgesehene Spanier: "Auch nicht sonst wer. Das ist unmöglich. Auch die Spieler können ruhig bleiben."

Star-Trainer Pep Guardiola aber stellte sich gegen die Besitzer seines Klubs ManCity. Alle Spieler Liverpools veröffentlichten zudem ein gemeinsames Statement: Nein zur Super League!

14 Premier-League-Klubs hatten die sechs englischen Klubs zuvor schärfstens verurteilt und zum Rückzug aufgefordert. Dann fiel der erste Dominostein: ManCity.

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