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Germany

Einmal Rocker, immer Rocker

73 und kein bisschen müde: Jochen Laschinsky rockt immer noch, inzwischen bei den Rascals.

73 und kein bisschen müde: Jochen Laschinsky rockt immer noch, inzwischen bei den Rascals. (Heinz-Werner Vesting)

Dass er immer noch, auch mit 73, ein Rock’n’Roller ist, kann Jochen Laschinsky nicht verbergen. Will er auch gar nicht. Warum auch? Schließlich hat er schon zu einer Zeit die Haare lang getragen, als das eigentlich nur Frauen und Mädchen taten. Und er hat Lederjacke und Jeans oder Nietenhosen, wie sie damals hießen, angezogen, als Mann in Deutschland zum Tanz am Wochenende noch den frisch gebügelten Sonntagsanzug aus dem Schrank holte.

Heute hat Jochen Laschinsky die langen Haare zum Zopf gebunden. Zum Termin mit dem WESER-KURIER trägt er eine schwarze Lederjacke, schwarze Jeans und Stiefel. Auffallend schlank ist er, und sein Alter sieht man ihm auf Anhieb nicht an. Keine Frage: Der Mann hat sich gut gehalten. Aber dass er aussieht wie Mick Jagger? Das kann man nicht unbedingt behaupten.

Die Mick-Jagger-Sache muss kurz zur Sprache kommen. Schließlich galt Laschinsky in den 60er-Jahren als der „Mick Jagger von Bremen“. So hatte ihn der legendäre Moderator Gerd Augustin in der damals noch legendäreren Fernsehsendung Beat Club angekündigt. Laschinsky war zu der Zeit Sänger der lokalen Rockgröße Mushroams, und der Auftritt im Beat Club, den damals gesehen haben musste, wer am nächsten Tag mitreden wollte, war ein Höhepunkt der Bandgeschichte.

„Ach“, sagt Laschinsky heute zum Jagger-Vergleich, „es nervt ein bisschen.“ Er wollte nämlich gar nicht Jagger II sein. „Ich habe immer gesagt: Wenn, dann bin ich eher ein Mick Jagger für Arme.“ Mit zunehmendem Alter sei er aber toleranter geworden, soll man ihn doch nennen, wie man will. Er will sich darüber nicht mehr aufregen. Zur Wahrheit gehört schließlich auch, dass er hier heute vermutlich nicht säße, wenn die Mushroams vor über 50 Jahren den Beat Club nicht in Stones-Manier gerockt hätten. Denn Laschinsky ist immer noch im Geschäft. Nur jetzt nicht mehr mit der alten Band, sondern seit November 2018 als Mitglied der Rascals, einer anderen Bremer Legende aus den 60er-Jahren.

Die Rascals sind mit ihrer Rock’n’Roll-Show unterwegs, spielen am 24. November im Großen Saal der Glocke. Drei Gitarren, drei Sänger, drei Bläser, dazu zwei Sängerinnen im Chor, Bass, Keyboard und Schlagzeug – die Rascals fahren für ihre Auftritte das große Besteck auf, um das Publikum zurück in eine Zeit zu führen, in der Schüler als halbstark galten, wenn sie sich Pomade ins Haar schmierten. Musiker wie Chuck Berry und Bill Haley machten den Rock’n’Roll dazu, und die Beatles und die Stones standen für einen Sound, den man Beatmusik taufte.

In der Beatszene schätzte man sich

Laschinsky bei den Rascals – das wäre in den 60er-Jahren eine mittelgroße Sensation gewesen. Es gab einige angesagte Bands in Bremen, die über die Stadtgrenzen hinaus bekannt waren, neben den Mushroams und den Rascals noch die Yankees, auch die Germans oder die Pipelines zählen dazu. Kulturell war in Bremen viel in Bewegung damals, Zadek, Hübner und Stein am Theater, die Beatbands in den Sälen und Diskotheken. Und im TV lief der Beat Club, englischsprachige Musik im deutschen Fernsehen! „Shake, rattle and roll“, unerhört. „Sympathy for the devil“, teuflisch.

In der Bremer Beatszene kannte und schätzte man sich. Aber am Ende machte jeder sein Ding. Laschinsky sagt, er werde nie vergessen, wie er und seine Bandkollegen 1964 darüber nachgedacht hätten, an einem Beatles-Wettbewerb teilzunehmen. Man entschied sich letztlich dagegen und besuchte stattdessen den Club 99 privat, wo das Konzert stattfand. „Ich ging die Treppe hoch“, sagt Laschinsky, „und denke: Ich höre nicht richtig. Da singt doch Jerry Lee Lewis.“ Tatsächlich stand Rascals-Sänger Günter Rolfs am Mikro. „Verdammt“, sagt Laschinsky, „sie waren so gut. Wenn wir damals mit den Mushroams teilgenommen hätten, wären wir mit Pauken und Trompeten durchgefallen.“ Jetzt spielen Rolfs und Laschinsky in derselben Band.

Die Stunde der Mushroams ließ aber auch nicht lange auf sich warten. Laschinsky und Mitstreiter spielten bis zur Auflösung 1968 an die 140 Shows im Jahr, in der Stadthalle mal vor 8000 Leuten. Sie eröffneten für die Größten der Branche, die Rattles, die Lords, die Kinks, Gary and the Pacemakers.

Laschinsky, der nach den Mushroams mit der Band Happy Times noch eine Zeit lang an der Schwelle zum Profitum rockte und schließlich als Unternehmer erfolgreich war, kann Geschichten erzählen aus einer Zeit, in der die Beatmusik und der Rock’n’Roll die Welt gehörig durchschüttelten. Er hat die Garderobe geteilt mit Jimmy Hendrix, den Cream und den Hollies. Beim späteren Trio-Sänger Stefan Remmler hat er für kurze Zeit mal Bass gespielt, „dann musste ich irgendwann plötzlich nicht mehr zum Proben kommen.“ Er lacht. Erinnerungen an aufregende Zeiten.

Das soll auch das Publikum nach dem Besuch der Rock’n’Roll-Show der Rascals denken. Die zwölfköpfige Band legt Wert darauf, nicht wie eine bessere Jukebox zu sein, also Songs zu covern, die eins zu eins wie das Original klingen. ZZ Top, die Stones, Buddy Holly, alles wird neu arrangiert. „Wir machen unser eigenes Ding“, sagt Laschinsky. Das passt zu ihm. So hat er es immer gehalten.

Weitere Informationen

Die Rascals-Rock’n’Roll-Show gastiert am Sonntag, 24. November, um 20 Uhr im Großen Saal der Glocke. Tickets für den Abend gibt es beim Weser-Kurier oder im Internet unter www.nordwest-ticket.de.

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