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Elektromobilität: Wie gelingt die Elektrowende?

Bevor das Coronavirus Deutschland erreichte, hatte es schon die Verabredung zu diesem Gespräch gegeben: Die Spitzen aus Baden- Württembergs Politik und der Auto- und Energieindustrie sollten darüber sprechen, wie die Energie- und Mobilitätswende gelingen kann. Das Treffen im Staatsministerium in Stuttgart fand noch persönlich statt, auch wenn die Beteiligten sich schon nicht mehr die Hand gaben wegen des Virus. Inzwischen hat Daimler seine Autowerke vorübergehend geschlossen.

Für den ZEIT-Fotografen setzten sie sich vor zwei Wochen noch zusammen. Inzwischen wäre wohl auch dieses Gespräch nur mehr über Videokonferenz möglich.
Für den ZEIT-Fotografen setzten sie sich vor zwei Wochen noch zusammen. Inzwischen wäre wohl auch dieses Gespräch nur mehr über Videokonferenz möglich. © Thomas Pirot für DIE ZEIT

DIE ZEIT: Herr Källenius, was halten Sie als Daimler-Chef von der Idee, ab 2030 nur noch Elektroautos zuzulassen?

Ola Källenius: Wir stehen glasklar zur CO₂-neutralen Mobilität. Ohne Wenn und Aber. Unser Ziel mit unserer Strategie "Ambition 2039" ist es, in drei Pkw-Fahrzeuggenerationen komplett CO₂-neutral zu sein – also im Jahr 2039. Wir haben auch einen ambitionierten Zwischenmeilenstein gesetzt: Bis 2030 wollen wir mehr als 50 Prozent unserer Flotte rein batterieelektrisch betreiben oder mit Plug-in-Hybriden für lange Reichweiten. Das ist ein gigantisches technologisches und industrielles Vorhaben. Wenn man sagen würde, 100 Prozent in 2030, dann würde ich sagen, dies ist nicht realistisch, mit dem Bewegungsmuster, das die Welt hat – auch mit dem Gefälle zwischen Stadt und Land. Die Reichweite ist so wichtig, weil ja zwei Drittel der Menschen in Deutschland nicht in der großen Stadt, sondern auf dem Land leben.

ZEIT: Ein Verbot des Verbrennungsmotors bis 2030 geht also nicht?

Källenius: Nein, das halte ich nicht für sinnvoll. Ich sage Ihnen auch, warum: Wir haben uns daran gewöhnt, dass die selbstbestimmte, individuelle Mobilität, also sprich: Freiheit, irgendwie selbstverständlich ist. Diese persönliche Mobilität, aber auch der Transport von Waren korreliert direkt mit dem Wirtschaftswachstum. Das ist ein extrem hohes Gut, und dieses hohe Gut müssen wir jetzt nachhaltig gestalten.

ZEIT: Herr Kretschmann, keine Verbrennungsmotoren bis 2030, das ist ein Vorschlag aus der Führung Ihrer Partei.

Winfried Kretschmann: So stimmt es nicht. Genau genommen lautet der Vorschlag, ab 2030 keine Kraftfahrzeuge mit fossiler Verbrennung mehr zuzulassen. Aber auch da hilft uns eine Jahreszahl nicht weiter. Warum dann nicht 2028 oder 2035? Das kann man zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestimmen. Hart müssen wir bei etwas anderem sein: dem Zwei-Grad-Ziel. Die globale Erwärmung darf nicht darüberliegen, sonst gibt es eine Katastrophe. Nun ist die Frage: Wie erreichen wir das Ziel mit den geringsten Kollateralschäden? Wenn die Industrie zusammenbricht oder auswandert, haben wir nichts gewonnen. Dann rückt das Ziel in den Hintergrund, weil die Leute das Vertrauen in unsere Politik verlieren. Das merken wir ja schon heute. Die Zahl der Klimaleugner hat weltweit enorm zugenommen.

ZEIT: Sind denn die Stromnetze überhaupt bereit für Elektroautos, sodass viele Menschen gleichzeitig in ihrer Straße einen Tesla, Daimler oder BMW an der Steckdose laden können?

Frank Mastiaux: Die Strommenge ist nicht das Problem. Eine Million Elektrofahrzeuge würden gerade mal ein halbes Prozent mehr Strombedarf in Deutschland erzeugen. Die Herausforderung beginnt dann, wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig laden. In einer Wohnstraße zum Beispiel kann derzeit tatsächlich noch nicht jeder Anwohner gleichzeitig ein E-Auto laden. Da müssen zusätzliche Netzverstärkungen gebaut werden.

ZEIT: Haben Sie mal ausgerechnet, wie viele Autos maximal in Deutschland elektrisch betrieben werden könnten, ohne dass das Stromnetz kollabiert?

Mastiaux: Auch zehn Millionen oder mehr Fahrzeuge würden kein Problem sein.

ZEIT: Heute fahren Elektroautos mit einem nicht unerheblichen Anteil von Kohlestrom. War der Atomausstieg in dieser Hinsicht ein Fehler?

Mastiaux: Wenn es nur um die Einsparung von CO₂ geht, könnte man tatsächlich diese Frage stellen. Aber wir wissen, dass da andere Faktoren eine Rolle gespielt haben. Die Ladesäulen, die wir betreiben, werden heute schon zu hundert Prozent mit erneuerbarer Energie versorgt. Inzwischen ist der Kohleausstieg bis 2038 beschlossen, der Strom aus der Steckdose wird also insgesamt von Jahr zu Jahr grüner.

ZEIT: Tatsächlich stockt der Ausbau von regenerativer Energie gewaltig. Das spricht nicht für den Trend ...

Mastiaux: In der Tat, zwischen Idee und Inbetriebnahme eines Windparks lagen 2018 gut drei Jahre, heute sind es fast sechs.

ZEIT: Warum ist das so?

Mastiaux: Es gibt zunehmend lokale Widerstände, zum Beispiel von Bürgerinitiativen und auch von Verbänden. Wir versuchen intensiv, diese Gruppen einzubinden. Aber wenn wir es als Gesellschaft zulassen, dass – wie zuletzt – nur für 1000 Megawatt im Jahr neue Windkraftanlagen gebaut werden, haben wir ein Problem. Wir brauchen 3000 bis 4000 Megawatt pro Jahr bis 2030, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Deshalb müssen wir auch über kürzere Planungs- und Genehmigungsverfahren reden. Am Beispiel der Corona-Krise sehen wir ja gerade, dass die Menschen zu massiven Einschränkungen in ihrem Alltag bereit sind, wenn es einem gesellschaftlich höheren Zweck dient. Die Politik auf der Bundesebene sollte Mut aus ihrem entschlossenen Handeln schöpfen und ebenso konsequente Entscheidungen treffen, damit die Klimaschutzziele erreicht werden.

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