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Elke Heidenreichs Buchtipp der Woche: Was wäre denn nun ein glückliches Leben?

Köln -

Vieles ist in diesen Zeiten anders als sonst im Frühsommer. Wir können nicht selbstverständlich ins Konzert oder ins Kino gehen, der Besuch der Oper oder des Theaters bleiben uns für lange Zeit verwehrt. Zum Glück sind die Museen wieder geöffnet, doch von Normalität sind wir weit entfernt. Wir sind häufiger zu Hause, gehen seltener raus.

Was jedoch auch während der Corona-Pandemie uneingeschränkt möglich ist, ist Lesen. Und das ist doch ein großer Trost. Im Kulturteil und in unserem monatlichen Büchermagazin stellen wir Ihnen regelmäßig Neuerscheinungen vor. Doch Lesetipps kann man ja nie genug bekommen, und deshalb freuen wir uns sehr, dass wir eine prominente Vielleserin gewinnen konnten, Ihnen künftig jeden Samstag einen Buchtipp zu geben: Elke Heidenreich.

Die 77-Jährige hat in ihren Funk- und Fernseharbeiten immer schon versucht, Menschen die Freude am Lesen zu vermitteln, vor allem in ihrer Büchersendung „Lesen!“ im ZDF von 2003 bis 2008. Sie gehört zum Kritikerteam im Schweizer Literaturclub, diese Sendungen werden auf 3 Sat wiederholt. Und nun liest sie auch für den „Kölner Stadt-Anzeiger“.

„Es sollen Buchtipps zu neuen, vielleicht auch mal älteren Büchern sein, die uns in diesen seltsamen Zeiten durch den Hausarrest tragen! Und vielleicht entdecken manche so das Lesen wieder für sich“, sagt sie. Ein Buch müsse sie alles um sie herum vergessen lassen, sogar Corona. „Es muss zwei Kriterien erfüllen: Die Geschichte muss gut sein und sie muss packend und sprachlich interessant erzählt sein. Hat einer nichts zu sagen, nützt die schönste Sprache nichts. Hat einer eine tolle Geschichte und ist unfähig, sie zu erzählen – auch sinnlos. Wenn beides stimmt, ist es Leseglück!“

Hier geht es zu den ersten neun Buchtipps von Elke Heidenreich.

Jami Attenberg: „Nicht mein Ding“

Andrea Bern ist 39 Jahre alt, lebt in New York und will weder einen Ehemann noch Kinder. Aber für so eine Entscheidung muss man sich pausenlos rechtfertigen, wenn alle um einen herum heiraten und Kinder kriegen. Andrea fühlt einfach, dass das „Nicht mein Ding“ wäre, und so heißt ja auch der Roman der amerikanischen Autorin Jami Attenberg, die vor etwa zehn Jahren mit „Die Middlesteins“ bewiesen hat, was für großartige Familiengeschichten sie schreiben kann.

Der Untergrund ist oft traurig, und doch muss man beim Lesen dauernd lachen, so auch hier. Denn natürlich hat auch Andrea eine Familie– sie hat eine Mutter und einen Bruder und fatale Erinnerungen an ihren Musiker-Vater. Der Bruder heiratet die bildschöne, gescheite Greta, alles ist perfekt, und dann kommt ein schwer krankes, lebensunfähiges Kind zur Welt. Das verändert alles. Andrea nimmt zwar Anteil, ist aber doch immer wieder froh, dass das nicht ihr Leben ist.

Aber was genau ist denn ihr Leben? Das Kunststudium hat sie abgebrochen, malen wollte sie mal, eigentlich. Einen festen Freund gibt es nicht, nur zahllose Affären. Und was wäre denn nun ein richtiges, ein glückliches Leben? Sie sieht um sich herum keines, das ihr erstrebenswert scheint, aber sie selbst ist auch weit davon entfernt.

Wenn dieses trotz allem auch komische Buch eine Botschaft hat, dann diese: wenn man sich für eine Art Leben, wie auch immer, entscheidet: dann muss man da durch ohne Jammern. Man muss eine eigene Haltung finden. Und dann? „Du beißt in deine Pizza und trinkst einen Schluck Wein und stellst dir die Frage, für die du endlich bereit bist: Und jetzt?“

Jami Attenberg: „Nicht mein Ding“,deutsch von Barbara Christ, Schöffling Verlag, 223 Seiten, 22 Euro

  1. Was wäre denn nun ein glückliches Leben?
  2. Guillaume Musso: „Ein Wort, um dich zu retten“ 
  3. Hanns Zischler: „Der zerrissene Brief“
  4. Lothar Schirmer: „Über meine Künstler”
  5. Liz Moore: „Long Bright River”
  6. Mariam Kühsel-Hussaini: „Tschudi“
  7. Michael Kumpfmüller: „Ach Virginia”
  8. Charlotte Wood: „Ein Wochenende”

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