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„Entschuldigung, ganz kurz nochmal ...“ : Virologe erzählt von desaströsen Schul-Vorbereitungen - Lanz reagiert fassungslos

In der ZDF-Sendung von Markus Lanz ging es am Donnerstag um Corona. SPD-Politiker Karl Lauterbach warnte vor dem russischen Impfstoff und stellte eine Schulrevolution in den Raum.

Hamburg - Der „Start der zweiten Welle ist eindeutig““, twitterte Karl Lauterbach erst kürzlich über das Coronavirus*. Am Donnerstag war der SPD*-Politiker zu Gast in der ZDF-Sendung von Markus Lanz und der Moderator wollte von Lauterbach direkt zu Beginn wissen, in welcher Phase man sich aktuell überhaupt befinde. „Wir sind aus meiner Sicht klar am Beginn der zweiten Welle“, so Lauterbach. Die Zahlen würden steigen, der R-Wert* liege wieder bei eins. Und, was auch typisch sei bei zweiten Wellen, die es laut dem Politiker bei nahezu jeder Pandemie gebe: Die Fälle sind auf ganz Deutschland verteilt und in allen Altersgruppen.

Corona-Talk bei Markus Lanz (ZDF): Virologe will nicht von zweiter Welle sprechen

Die steigenden Zahlen bedeuten aber nicht, dass man jetzt zum Lockdown zurück müsse, so Lauterbach, „sondern wir müssen aus meiner Sicht die Teststrategie und die Arbeit der Gesundheitsämter komplett überarbeiten.“ Virologe Jonas Schmidt-Chanasit wollte noch nicht von einer zweiten Welle sprechen, dies lasse sich eher in der Rückschau eindeutig sagen. Außerdem löse eine häufige Verwendung des Begriffs Unsicherheit aus. Schmidt-Chanasit würde deshalb vorsichtiger mit der Verwendung umgehen. „Wann würde ich davon sprechen? Wenn ich eine massive Überforderung der Gesundheitsämter sehe, quasi ein großes Problem auf Präventions- und Reaktionsseite“, erläuterte er.

„Wenn wir jetzt 5000 oder 10.000 Infektionen pro Tag hätten, ist das eine ganz andere Situation. Darum bin ich eben sehr vorsichtig, was den Begriff der zweiten Welle angeht“, so der Virologe weiter. „An dem Punkt sind wir einfach noch nicht.“ Am wichtigsten sei im Moment die AHA-Regel: Abstand, Hygiene und Alltagsmasken. Lanz ergänzt, dass sowohl Lauterbach als auch Schmidt-Chanasit über die gleichen Zahlen sprechen, aber unterschiedliche Begrifflichkeiten verwendeten. „Ich will die Dinge beim Namen nennen“, so Lauterbach über die „zweite Welle“. Man müsse jetzt handeln, denn „sonst verspielen wir, was wir in Monaten aufgebaut haben und das möchte ich einfach nicht“, sagt der SPD-Politiker weiter. „Reicht das, was wir jetzt machen?“, stellte Lauterbach dann als Frage in den Raum und gab selbst die Antwort: „Da ist meine Meinung: nein.“

Corona in Deutschland: PCR-Test ist sehr genau - Ergebnis aber erst Tage später

„In Deutschland sind wir was Teststragien angeht noch nicht so weit, wie wir sein könnten“, so Lauterbach. „Wir verlassen uns in Deutschland sehr stark auf den klassischen Test“, gemeint ist der PCR-Test, dieser sei sehr teuer. Der Test* sei auch sehr genau, die Ergebnisse habe man allerdings oft erst Tage später.

Lauterbach im Corona-Talk bei Markus Lanz (ZDF): „Wir laufen derzeit der Pandemie hinterher“

„Wir laufen derzeit der Pandemie* hinterher“, so der SPD-Politiker mit Bezug auf den Virologen Christian Drosten weiter. „Die Strategie der Gesundheitsämter ist nicht wirklich ...“, beginnt er, bevor er sie für ihre Arbeit lobt, aber: „Es ist eine Sisyphusarbeit und auch extrem ineffizient“. Wenn jemand heute krank werde, sei er bereits am ersten oder zweiten Tag seiner Symptome und war auch zuvor bereits sehr ansteckend, dann werde er getestet und erhalte das Ergebnis einige Tage später: „Dann ist er schon fast nicht mehr ansteckend“.

Wenn das Gesundheitsamt dann die Meldung bekomme, „laufen sie den Kontakten nach“. Bis man diese dann infiziert habe, seien sie selbst vielleicht schon nicht mehr ansteckend, hätten aber bereits weitere Personen infiziert. Man laufe aktuell mit einem zu präzisen Test der Pandemie hinterher, das sei, als ob man mit einem Panzer hinter Kaninchen herfahre „und immer wenn ich gerade das Kaninchen im Visier habe, ist das Kaninchen schon weg", so Lauterbach.

Markus Lanz (ZDF): Desaströse Vorbereitung auf den Schulstart - Lauterbach mit Vorschlag

Claudia Pick, die Vorsitzende des Landeselternbeirats der Gymnasien in Schleswig-Holstein ist ebenfalls Gast der Sendung und berichtet, dass viele Eltern den Schulstart kritisch sehen würden. Man müsse darauf vorbereitet sein, dass Unterricht teilweise auch wieder zu Hause stattfinden müsse, aber so richtig vorbereitet sei man darauf nicht. „Wir sind einfach im Moment nicht so weit, das abzufangen. Wir haben einfach nicht die digitalen Möglichkeiten. Die Ausstattung in den Schulen und zuhause ist noch nicht so gegeben.“ Das Land habe sicher viel auf den Weg gebracht und Mittel zur Verfügung gestellt, „aber wir sind halt irgendwo auf dem Weg“, so Pick, richtig vorbereitet sei man aber nicht.

Virologe Schmidt-Chanasit schlug mobile Geräte zur Entlüftung vor, damit die Aerosol-Konzentration in der Luft niedrig ist. Diese seien bereits in Krankenhäusern im Einsatz. „Da kostet einer vielleicht 500 Euro, gut, dann ist das mal eine Investition von mehreren Millionen, aber man hat eine deutliche Verbesserung der Raumluft.“, erklärte er. „Entschuldigung, ganz kurz nochmal“, unterbrach ihn Lanz daraufhin fast fassungslos. „500 Euro pro Klassenraum oder Restaurant, und dann könnten wir...?“ „Das ist ja am Ende eine überschaubare Summe (...). Warum wird das denn dann nicht gemacht?“, wollte Lanz wissen. Das Prinzip Hoffnung stand wohl im Vordergrund, so Lauterbach. Die Bundesländer hätten gehofft, den Schulstart durchführen zu können und sollte etwas passieren, würden die Kinder phasenweise zu Hause unterrichtet.

Lüften sei für den Schulalltag besonders wichtig. „Die Luft in deutschen Schulen ist eher schlecht“, führte Lauterbach weiter aus, dies könne man messen. Lüften sei besonders wichtig, Lauterbach plädierte deshalb dafür, Fenster so umzubauen, dass man sie auch wirklich richtig öffnen könne „Wenn ich alle halbe Stunde für zehn Minuten lüfte, dann dauert halt die Unterrichtseinheit keine dreiviertel Stunde, sondern eine halbe Stunde (...) dann ist die Aerosol-Konzentration in der Luft so niedrig, dass die Kinder zumindest während der Unterricht läuft, nicht die Maske tragen müssen“, erläutert der SPD-Politiker weiter. Im Übrigen: Laut den Experten in der Runde helfen die Alltagsmasken ohnehin nicht gegen die Aerosol-Moleküle. „Die Maske bringt tatsächlich für die Aerosol-Abwehr sehr wenig“, so Lauterbach. Nur FFP-2-Masken würden auch beim Aerosol etwas herausfiltern.

Markus Lanz (ZDF): Lauterbach mit Warnung vor Russlands Corona-Impfstoff

In Russland wurde ein Impfstoff* zugelassen. Auch das ist nun Thema. Schmidt-Chanasit könne dazu gar nichts sagen, weil es so wenig Informationen gebe. Die Nebenwirkungen müssten aber klar kommuniziert werden. In schweren Fällen kann es zu sehr schweren, sehr seltenen Nebenwirkungen kommen, beispielsweise Entzündungen des Gehirns oder der Leber.

„Es wär denkbar, dass mit der Impfung, die Erkrankung - wenn ich sie denn bekomme - noch schwerer verläuft“, ergänzt Lauterbach. Das sei selten, aber in diesem Fall nicht ganz auszuschließen. „Das ist ein Ritt über den Bodensee“, so Lauterbach. Wenn das schiefgehen würde und bekannt wird, könnten die Menschen das Vertrauen in den Impfstoff verlieren, so der Politiker.

Die Corona-Pandemie bestimmt weiterhin den Alltag in Deutschland und der Welt. SPD-Experte Karl Lauterbach fordert einen Strategiewechsel im Kampf gegen das Virus. In Bayern hat es eine beispiellose Panne bei der Auswertung der Corona-Tests von Reiserückkehrern gegeben. Ministerpräsident Markus Söder steht nun in der Kritik. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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