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Ermittler zerschlagen deutsches Kinderporno-Forum

Hannover. Die Polizei und Staatsanwaltschaft Hannover haben einen weltweit agierendes Kinderporno-Forum im sogenannten Darknet zerschlagen. Die umfangreichen Ermittlungen begannen bereits im Frühjahr 2017, inzwischen konnten zwei Administratoren der Webseite aus Deutschland festgenommen werden. Die Männer aus Hessen und Baden-Württemberg befinden sich in Untersuchungshaft. Auf der weltweit abrufbaren Plattform waren laut Staatsanwaltschaft Zehntausende Nutzer registriert.

Die Seite soll auch für Treffen für den Missbrauch von Kindern genutzt worden sein. Das brachte die Ermittler auch auf die Spur des Forums. Ein Tippgeber hatte die hiesige Polizei Anfang 2017 über einen im Chat angekündigten Kindesmissbrauch in der Region Hannover informiert. Dies bestätigte sich zwar nicht, doch die Beamten untersuchten die Darknet-Seite genauer.

Dieser Teil des Internets zeichnet sich durch seine besondere Anonymität der Nutzer aus und kann nur durch einen sogenannten Tor-Browser erreicht werden. Der Bereich wird häufig für illegale Aktivitäten genutzt, weil der Datenverkehr verschlüsselt über zahlreiche Server geleitet wird und dadurch nahezu nicht zu verfolgen ist.

Auf den Videos und Fotos im Forum sei mitunter härteste Pornografie zu sehen gewesen, „darunter von Kleinstkindern“, sagt Söfker. „Die Aufnahmen haben selbst erfahrene Ermittler an ihre Grenzen gebracht.“

An den monatelangen und aufwendigen Untersuchungen waren neben der Polizeidirektion und Staatsanwaltschaft Hannover auch die Landeskriminalämter Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen beteiligt. „Wir mussten uns zunächst einen Zugang und Überblick verschaffen“, sagt Staatsanwältin Söfker.

Der 50-jährige Administrator aus Baden-Württemberg soll die Seite nicht nur verwaltet, sondern auch selbst kinderpornografisches Material verbreitet haben. Der 45-jährige Hesse agierte offenbar zudem als technischer Betreiber der Seite. Das Forum, das seit 2016 von Deutschland aus unterhalten wurde, ist inzwischen deaktiviert.

Die Administratoren müssen sich unter anderem wegen der bandenmäßigen Verbreitung von kinderpornografischen Schriften verantworten. Das Gesetz sieht dafür eine Strafe von bis zu zehn Jahren Haft vor. „Die Beschuldigten haben ihre Tatbeteiligung eingeräumt“, sagt Söfker.

Gegen den 50-Jährigen aus Albstadt bei Tübingen beginnt der Prozess am 30. April im baden-württembergischen Hechingen. Er soll in jeweils fünf Fällen Kinderpornos verbreitet und verschafft haben. Zudem wird ihm der Besitz von Kinder- und Jugendpornos vorgeworfen. „Die gefundene Palette bewegt sich im kompletten Bereich“, sagt Markus Engel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hechingen.

Bislang sind die beiden Festgenommenen die einzigen Beschuldigten. „Wir gehen aber noch von weiteren Administratoren aus“, sagt Staatsanwältin Söfker. Möglicherweise könnten diese vom Ausland aus operiert haben, die Darknet-Seite war in deutscher und englischer Sprache abrufbar.

Die Chats und Einträge des gesperrten Forums werden weiterhin nach Hinweisen durchsucht. Die Darknet-Anonymität bereitet den Fahndern jedoch Probleme. „Die wahren Identitäten sind verschleiert“, sagt Söfker. „Der aktuelle Ermittlungserfolg zeigt aber, dass den Ermittlern nicht ganz die Hände gebunden sind.“

Von Peer Hellerling/HAZ/RND