Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung wirkt die kommunistische Diktatur in den Opfern nach. Eine neue Studie zeigt: Die schlimmen Erfahrungen im SED-Staat haben Gesundheit und Lebensglück zahlreicher Menschen zerstört. Die meisten leben in Armut.

Sie haben für Freiheit im Stasi-System gekämpft, Missstände offen benannt oder versucht, die DDR zu verlassen. Hunderttausende haben dafür einen hohen Preis bezahlt: „Staatsfeinde“ verloren Arbeit und Eigentum, wurden in Heime eingewiesen, in den Knast gesperrt, ihr Leben „zersetzt“.

Das erlittene Unrecht belastet die Opfer und ihre Angehörigen heute noch. Eine Studie der Aufarbeitungs-Beauftragten Maria Nooke hat ihre Lebensumstände untersucht, dazu 533 DDR-Opfer befragt. Die Ergebnisse erschüttern:

Maria Nooke, die Beauftragte Brandenburgs zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (Archivfoto) (Foto: picture alliance/dpa)
Brandenburgs Aufarbeitungs-Beauftragte Maria Nooke hilft den Opfer der kommunistischen Diktatur (Foto: picture alliance/dpa)

► 57 Prozent klagen über Krankheiten, Angstzustände, Depressionen – meist als Folgen der Haft.

► 46 Prozent haben ein Haushaltseinkommen unter 1500 Euro, im Brandenburger Durchschnitt sind es nur 21 Prozent. Folge versperrter Bildungswege und zerstörter Karrieren.

► Die lange Dauer der Rehabilitierung und geringe Entschädigungen nach der Wende belasten die Opfer.

► Auch die Kinder der einst Verfolgten leider weiter unter psychischen Folgen.

Maria Nooke: „Die Ergebnisse der Studie sollen Ausgangspunkt für weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation ehemals politisch Verfolgter sein.“

Brandenburgs Landtags-Präsidentin Ulrike Liedtke (SPD) richtete klare Worte in Richtung AfD: „Wer die heutige Bundesrepublik mit der DDR vergleicht, verharmlost das geschehene Unrecht und das Leiden der Opfer!“