In Zeiten von Corona ist Schule nicht einfach: In manchen Einrichtungen gilt Maskenpflicht im Klassenzimmer, in anderen nicht. Manche verkürzen die Pausen, andere die Unterrichtslänge ...

von Peter Wilke und Boris Dombrowski

Die Ferien sind zu Ende, der Ernst des Lebens hat wieder begonnen. Das erste Mal seit Beginn der Corona-Einschränkungen gilt seit Montag wieder volle Präsenzpflicht für Berlins Schüler.

Geschützt werden sollen die Schüler durch das Hygienekonzept von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Doch das steht auf wackligen Beinen. So gilt etwa das Mindestabstand-Gebot in Schulen nicht. Zwei Schülerinnen und ihre Eltern klagten dagegen. Vergeblich! Das Verwaltungsgericht schmetterte die Klage im Eilverfahren ab.

GutsMuths-Grundschule in Mitte: Hier müssen Schüler keine Maske im Unterricht tragen (Foto: Getty Images)
GutsMuths-Grundschule in Mitte: Hier müssen Schüler keine Maske im Unterricht tragen (Foto: Getty Images)

B.Z. schaute sich den ersten Schultag an. Und der war teilweise ganz schön kompliziert …

► Die Wilma-Rudolph Oberschule in Zehlendorf nimmt den Schülern wohl das Liebste – die Pause. Lehrer Christoffer Saschowa (37) erklärt: „Die Frühstückspause wurde an dieser Schule gestrichen. Es gibt nur noch Fünf-Minuten-Pausen, sodass die Kids in der Regel in den Klassenräumen bleiben.“ So soll eine Vermischung der Klassen verhindert werden.

Christoffer Saschowa (37) ist Lehrer an der Wilma-Rudolph Oberschule: „Die Freude über die Rückkehr überwiegt total. Man bereitet sich aber mental darauf vor, dass es jederzeit zu einer weiteren Schulschließung kommen kann.“ (Foto: Ralf Lutter)
Christoffer Saschowa (37) ist Lehrer an der Wilma-Rudolph Oberschule: „Die Freude über die Rückkehr überwiegt total. Man bereitet sich aber mental darauf vor, dass es jederzeit zu einer weiteren Schulschließung kommen kann.“ (Foto: Ralf Lutter)

► Für die Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Köpenick gibt es hingegen mehr Freizeit. Grund: das heiße Wetter. Die Schüler haben nur eine halbe Stunde statt 45 Minuten Unterricht.

► Hitzefrei? Kommt nicht in Frage, sagt hingegen eine Schule in Mitte. Viel zu viel Unterrichtszeit sei schon vor den Ferien durch die Corona-Maßnahmen ausgefallen.

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Hier werden die Klassen penibel voneinander getrennt. Die Jahrgangsstufen bekommen unterschiedliche An- und Abfahrtszeiten zugewiesen. Die Jahrgangsstufen eins und zwei warten nach dem Unterricht klassenweise hinter Glasscheiben der Kantine auf ihre Eltern. Schaufenster-Atmosphäre zum Corona-Schutz.

„Das Konzept, das es bisher gibt, wird auf gar kein Fall ausreichen“, meint Kay Goedecke (51), Vater von Schülerin Eni (12). „Die Maskenpflicht sollte ausgebaut werden und auch in der Unterrichtszeit gelten.“ (Foto: Ralf Lutter)
„Das Konzept, das es bisher gibt, wird auf gar kein Fall ausreichen“, meint Kay Goedecke (51), Vater von Schülerin Eni (12). „Die Maskenpflicht sollte ausgebaut werden und auch in der Unterrichtszeit gelten.“ (Foto: Ralf Lutter)

► An einer Zehlendorfer Grundschule müssen die Kinder eigene Springseile mitbringen. Virenfänger durch mehrfache Benutzung würden sonst drohen.

Laut Hygiene-Konzept des Senats gilt in allen Schulgebäuden Maskenpflicht. Allerdings nur bis zur Klassentür. Dem Landeselternausschuss ist das zu wenig. Deswegen setzen einige Schulen die Maskenpflicht anders um.

Pia Reckel (12) geht in die siebte Klasse der Zehlendorfer Oberschule: „Ich freue mich, dass ich wieder in die Schule gehen kann. Ein bisschen Sorge ist noch da, aber wenn alle Mundschutz tragen, sollte das klappen.“ (Foto: Ralf Lutter)
Pia Reckel (12) geht in die siebte Klasse der Zehlendorfer Oberschule: „Ich freue mich, dass ich wieder in die Schule gehen kann. Ein bisschen Sorge ist noch da, aber wenn alle Mundschutz tragen, sollte das klappen.“ (Foto: Ralf Lutter)

► An der Wilma-Rudolph-Oberschule in Dahlem dürfen Schüler die Masken nur absetzten, wenn sie auf ihrem Platz sitzen. Gang zum Mülleimer? Maske auf!

► Andere Schulen wie das Gymnasium zum Grauen Kloster in Schmargendorf führen gleich die Maskenpflicht für die gesamte Unterrichtszeit ein.

Annika Braasch (18), Abiturientin an der Wilma-Rudolph-Oberschule: „Es ist gut gewollt, aber nicht gekonnt. Unser kompletter Jahrgang hat sich in der Mensa getroffen und musste danach durch einen Gang gehen, der zwei Meter breit ist. Dazu fehlt es den Schülern an Disziplin, weil nur die Lehrer das alles wirklich ernst nehmen.“ (Foto: Ralf Lutter)
Annika Braasch (18), Abiturientin an der Wilma-Rudolph-Oberschule: „Es ist gut gewollt, aber nicht gekonnt. Unser kompletter Jahrgang hat sich in der Mensa getroffen und musste danach durch einen Gang gehen, der zwei Meter breit ist. Dazu fehlt es den Schülern an Disziplin, weil nur die Lehrer das alles wirklich ernst nehmen.“ (Foto: Ralf Lutter)

Das führt zu Unverständnis bei einer Verkäuferin aus Großbeeren. Eines ihrer Kinder muss an der Gottlieb-Daimler-Schule in Ludwigsfelde durchgängig Maske tragen. Für ihr anders Kind gilt die Pflicht an einer anderen Schule nicht.

Übrigens: Vor der Wilma-Rudolph-Oberschule gab es vor Unterrichtsbeginn Gruppen-Umarmungen und Wangen-Küsschen, bevor es dann mit Maske, desinfizierten Händen und Abstand in die Schule ging …