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FC-Legende Bernd Cullmann: Selbst als sie Meister waren, kamen nur 30.000 ins Stadion

Köln -

Er tritt schon seit einiger Zeit nicht mehr gegen die Lederkugel. Aber der Fußball lässt ihn nicht los: Bernd Cullmann (69), Weltmeister 1974, Europameister, 40 Länderspiele, Deutscher Meister und Pokalsieger mit dem 1. FC Köln. Jetzt steht er im Partykeller seines Hauses in Porz und faltet Trikots. Denn „Culli“, wie ihn heute noch alle nennen, ist ehrenamtlicher Zeugwart der „Altinternationalen“. Als Mittelfeldspieler verteilte er gerne Bälle. Daran hat sich wenig geändert: Beim Köln-Gespräch schickt Cullmann im EXPRESS so manchen punktgenauen Wort-Pass.

EXPRESS: Herr Cullmann, Sie leben seit 42 Jahren hier in diesem Haus in Porz. Auffallend sind die wunderschönen Bilder an der Wand auf. Von wem sind die?

Bernd Cullmann: Die hat meine Frau Irmgard gemalt. Sie besucht schon seit vielen Jahren einmal in der Woche einen Malkurs der Volkshochschule in Porz. Aber das macht sie nur hobbymäßig.

Geboren sind Sie im Hunsrück-Dorf Rötsweiler bei Idar-Oberstein. Können Sie überhaupt Kölsch?

Aber klar, mit meiner Frau spreche ich Kölsch. Auch mit meinen Freunden. Mit den Kindern unterhalte ich mich meistens Hochdeutsch. Und mit meiner Mutter, meinem Bruder und meiner Schwester rede ich ausschließlich Hunsrücker Platt. Wenn wir bei Geburtstagen zusammensitzen wird also siebenmal in einer Viertelstunde der Dialekt gewechselt.

Sie werden in diesem Jahr 70 Jahre alt. Was bedeutet das für Sie?

(lacht) Dass ich 70 werde. Das ist vielleicht für die Menschen drumherum was Besonderes, aber für mich hat es keinen großen Stellenwert.

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Bernd Cullmann im Gespräch mit EXPRESS-Reporter Christof Ernst bei sich zu Hause in Porz.

Wo wir gerade über das Alter reden: Vor genau zehn Jahren wurden Sie mit einer Hirnblutung in die Klinik eingeliefert. Was hat sich dadurch für Sie geändert?

Ich habe Glück gehabt. Denn normalerweise habe ich keine Kopfschmerzen. Aber damals waren diese Schmerzen ganz stark. Deshalb haben wir gleich den Notarzt gerufen, und der brachte mich schnell in die Klinik. Ich habe den Eingriff ohne Einschränkungen überstanden. Aber natürlich setzt man sich damit auseinander. Ich lebe seitdem bewusster.

Die Frauen-Fußball-WM ging gerade zu Ende. Interessiert Sie das?

Aber ja, vor allem die Spiele der deutschen Mannschaft habe ich mir angeschaut. Der Frauenfußball wurde eine Zeit lang vom Männerfußball total unterdrückt. Aber diese Zeiten sind vorbei. Auch beim 1. FC Köln schenkt man dem jetzt mehr Aufmerksamkeit. Und eins regt mich wirklich auf.

Wir sind gespannt.

Es gibt keine Sportart außer dem Fußball, in dem die Frauen immer mit den Männern verglichen werden. Es wird zum Beispiel niemals die Leistung einer Frau bei einem Abfahrtsrennen mit der eines Mannes verglichen oder ob die Box-Weltmeisterin genauso gut ist wie ihr männliches Pendant.

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FC-Legende Bernd Cullmann absolvierte von 1969 bis 1984 insgesamt 458 für den 1. FC Köln.

Foto:

Sie haben bereits selbst den 1. FC Köln erwähnt. Wie ist Ihre Beziehung zu dem Verein?

Ich habe nach wie vor eine emotionale Bindung an den Club. Der FC hat mein Leben geprägt, mein Sohn Carsten trainiert die U 15-Mannschaft, einer meiner Enkel spielt aktuell in der U-19.

Der Verein wird demnächst eine neue Führung haben. Ist es heute schwerer, so einen Club wie den FC zu leiten?

Es ist anders. Vielleicht war es früher medial nicht so aufgeregt wie heute. Heute haben die Spiele auch Event-Charakter. Fast alle Heimspiele des FC sind ausverkauft. Das war früher anders. Selbst als wir Meister und Pokal-Sieger waren, kamen meistens nur 30.000 Zuschauer ins Stadion. Höchstens gegen Bayern München, Gladbach, Schalke oder den HSV war es ausverkauft.

Köln oder Porz – was ist wichtiger für Sie?

Mir geht es genauso wie Bulle Weber, der ja auch hier lebt: Ich bin Kölner, aber meine tiefe Verbundenheit gehört Porz. Meine Schwester wohnt nebenan, mein Sohn 400 Meter von hier, meine Tochter und mein Bruder leben ganz in der Nähe. Bis vor einem Jahr bin ich noch beim Porzer Karnevalszug mitgegangen. Das habe ich auf sanften Druck meiner Frau nun drangegeben.

Besuchen Sie kulturelle Veranstaltungen?

Ich bin jetzt nicht so der große Theatergänger. Aber wir sind 15 Jahre lange jedes Jahr zur Silvester-Gala der Bläck Fööss in die LanxessArena gegangen. Die Veranstaltung gibt es ja jetzt leider nicht mehr.

Beschäftigt Sie lokale Politik?

Aber ja. Zum Beispiel ist seit über 20 Jahren in Porz keine einzige Straße mehr gebaut worden. Das ist ein Unding. Oder die Rheinquerung bei Wesseling: Wahrscheinlich werden wir in 20 Jahren noch darüber reden.

Sie wohnen gerade mal zwei Kilometer entfernt vom Köln-Bonner Flughafen . . .

. . . . und das wusste ich auch damals schon, als ich das Haus gebaut habe. Deshalb kann ich mich heute nicht darüber be-schweren, dass hier nachts einige Frachtflieger landen.

Sie haben fünf Enkel, wie ist es, Opa zu sein?

Das ist das Schönste, das es gibt. Und der Opa ist dem lieben Gott dankbar, dass die Enkel ihm helfen, wenn er mal wieder was im Internet oder mit seinem Smartphone nicht verstanden hat.

Bernd Cullmann: Ein Siegertyp mit großen Titeln

Heute unvorstellbar: Bernd Cullmann spielte 15 Jahre lang für den 1.FC Köln und absolvierte dabei 458 Spiele! 1977 wollte Otto Rehhagel „Culli“ nach Dortmund locken, aber der FC forderte horrende eine Million Mark als Ablöse. Der Wechsel scheiterte – zum Glück: Ein Jahre später holten der FC und Cullmann das „Double“, also Meisterschaft und DFB-Pokal. Der größte Erfolg: Cullmann wurde 1974 Fußball-Weltmeister. Mit der Nationalmannschaft gewann Cullmann 1980 zudem Europameisterschaft.

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