Germany

Film „Walchensee forever“ hofft auf Preis bei der Berlinale

Ein Film über das Strandcafé Bucherer sorgt derzeit für Aufsehen in der deutschen Dokumentarfilm-Szene.

Walchensee – Der Film „Walchensee forever“ erhielt bereits den Bayerischen Filmpreis (wir berichteten überregional) und läuft derzeit auf der Berlinale. Dort ist er ebenfalls für den Dokumentarfilmpreis nominiert. Die Preisverleihung findet an diesem Samstag statt.

Was ist Heimat? Wo sind meine Wurzeln? Wo möchte ich hin? Was zählt am Ende wirklich? Das ist der Kern der Erzähung in „Walchensee forever“. Mit einer Reise in die Vergangenheit erzählt Regisseurin Janna Ji Wonders ihre Familiengeschichte, die seit vier Generationen von eigensinnigen, selbstbestimmten Frauen geprägt wird, und in der Männer als „Abwesende“ nur episodische Statistenrollen einnehmen. Im Mittelpunkt steht das Café Bucherer, das Janna Ji Wonders Urgroßmutter Apa vor genau 100 Jahren mit ihrem Mann gegründete.

Janna Ji Wonders ist eine deutsch-amerikanische Filmregisseurin und Rapsängerin, die 1978 in Kalifornien geboren und als Vierjährige mit ihrer Mutter an deren Heimatort Walchensee zurückkehrte. Der Film ist eine sehr persönliche Erzählung, ein feinfühliger Blick mit dem Herzen auf familiäre Bindungen und auf das, was „Heimat“ ausmacht.

Die Großmutter der Regisseurin, Norma Werner, hatte das Ausflugscafé übernommen und bis ins hohe Alter geführt. Im Oktober 2016 ist sie im Alter von fast 105 Jahren gestorben (wir berichteten). Norma Werner war eine der ältesten Bürgerinnen im Landkreis. Ihr Leben bestand aus Arbeit und Pflichterfüllung. Norma Werner wurde für Janna zu einer ganz wichtigen Bezugsperson. Vielleicht auch deshalb, weil Jannas Mutter Anna und deren Schwester Frauke als Sinnsuchende ein ganz anderes, nämlich unstetes und rastloses Leben, führten. Die beiden Schwestern pendelten zwischen dem Café und dem Hippieleben in San Franzisco. Sie lebten im „Harem“ der legendären Kommune Eins von Rainer Langhans – er kommt im Film als einziger Mann zu Wort – und in indischen Ashrams. „Wir waren so jung und sehnsüchtig“, sagt Anna in einer Szene.

Zuerst aber tingelten die Schwestern Anna und Frauke Ende der 1960er-Jahre als musizierendes und jodelndes Duo durch Nordamerika, um ihre Musik in die Welt zu tragen und sich von ihrer Heimat zu befreien, die ihnen zu eng erschien. Frauke zerbrach an diesem Lebensexperiment und nahm sich in einer Silvesternacht das Leben. Der Selbstmord lastete fortan wie ein schwerer Schatten auf den Hinterbliebenen.

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Anna ging wieder nach Amerika, wurde von einem Hippie ungeplant schwanger, trennte sich wieder und kehrte mit ihrer vierjährigen Tochter Janna an den Walchensee zurück – an den Ort, wo sie auch die letzten Jahre und Tage der Großmutter begleiteten. Dort wird später auch die Tochter von Janna geboren – die fünfte Generation mit Mädchen.

Das 110 Minuten lange verfilmte Familienalbum basiert auf alten Fotos und Aufnahmen mit der Videokamera, die Anna von ihrer Tochter Janna gedreht hat. Später werden die Rollen getauscht. Mutter und Tochter wechseln sich vor und hinter der Kamera ab. Sie sprechen offen und entspannt über ihr Leben – und doch spürt man, dass es anscheinend in jeder Familie auch viel Unausgesprochenes, Unerklärtes, Unaufgelöstes gibt. Trotz allem Ringen um Selbstbestimmtheit bestehen starke Bindungen und so etwas wie eine gemeinsam zu tragende Last und ein verbindendes Generationenschicksal, denen man nicht entrinnen kann.

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Der Film „Walchensee forever“ läuft derzeit in mehreren Kinos in Berlin und hofft auf einen Preis am Samstag. Es gibt keine Informationen, wann er in der Region zu sehen sein wird. (rbe/müh)

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