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Germany

Forchheimer "Hausgeschichten" blicken bei Weber & Ott hinter die Fassade

Eindrucksvolles Monument - Im Inneren ein Skelett aus Beton und Stahl - vor 52 Minuten

Wer im Jahr 1907 mit der Dampfeisenbahn in Forchheim ankam, konnte vom Forchheimer Bahnhof aus das markante Gebäude von Weber & Ott gar nicht übersehen. Auch heute ist der rote Hochbau an der Bayreuther Straße dominant. Bei den „Hausgeschichten“ am Dienstag blickt Christian Jaklin hinter die Fassade. © Foto: Roland Huber


Wer nach 1907 in der kleinen Industriestadt Forchheim mit dem Dampfzug ankam und auf dem Bahnsteig stand, konnte das eindrucksvolle Monument auf der anderen Seite der Gleise gar nicht übersehen. Was an seiner schieren Größe mit drei Geschossen und seinen roten Backsteinen lag und durchaus so geplant war.

Christian Jaklin referiert bei den „Forchheimer Hausgeschichten“. © Udo Güldner


Es war ein repräsentativer Zweckbau, den Heinrich Hornschuch (1838-1912) hatte hochziehen lassen. Das Sichtmauerwerk war damals für Gewerbebauten angesagt, wie die Puffmühle in der Alleestraße (heute Hornschuchallee) zeigt. Es hob sich deutlich vom fränkischen Fachwerk ab, das im Stadtkern dominierte.

Es gab beim roten Hochbau im damaligen Bauantrag sogar bewusst gekennzeichnet eine "Ansicht gegen die Bahn". Im Geist des Fortschrittes erhielt das Innere ein Skelett aus Stahl und Beton. Wie modern gedacht wurde, zeigen die aus Brandschutzgründen ummantelten Stahlträger.

Die Baufirma Jaklin hatte nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder Berührungspunkte mit der Weberei. Als Christian Jaklins Großvater Johann das Unternehmen gründete, bekam er 1954 seinen ersten Auftrag als Pflasterermeister von Weber & Ott. Später arbeitete auch der Vater Walter für den damals größten Arbeitgeber der Stadt. Und heute berät Christian Jaklin als Brandschutzbeauftragter die Fa. Weber & Ott.

Das Werksgelände der „Buntweberei Weber & Ott“ wuchs zum Ende des 19. Jahrhunderts unaufhörlich. Es gab sogar separate Schienen bis zur Spinnerei. © Repro: Aus dem Archiv von Harald Schmidt


Bemerkenswert ist der gute Zustand der Bausubstanz. In den Archiven der Stadt und der Weber & Ott AG stieß Christian Jaklin auf die statischen Berechnungen, die gerade einmal zwei handschriftliche Seiten füllten. Heute wären es 200 bis 300 Seiten, so der Bausachverständige.

Nach der Wirtschaftskrise zu Beginn des Wilhelminischen Kaiserreiches 1871 ging es mit der Industrialisierung sprunghaft bergauf. Da hatte sich das einst in Fürth sitzende Unternehmen bereits in Forchheim angesiedelt. Hier gab es freie Flächen, eine gute Verkehrsanbindung an Eisenbahn, Straßennetz und Wasserwege und natürlich günstige Mitarbeiter. Davon profitierte auch die Textilbranche. Hornschuch hatte bis dahin bei selbständigen Webern im Fichtelgebirge zugekauft. Nun stieg er selbst in die Produktion ein. Der Belegschaft bot er günstige Werkswohnungen in der Nähe. Davon zeugen noch heute die Häuser des Geländes rund um die Weberstraße. 1893 kaufte Hornschuch die Spinnerei zu. Im Rahmen der Nachfolgeregelung wandelte er die Firma 1899 in eine Aktiengesellschaft um. So wurde bei elf Kindern vermieden, dass die Weber & Ott AG zerschlagen würde.

Unaufhörlich wuchs das Werksgelände, das einen eigenen kleinen Güterbahnhof mit Anschluss an die Bahnstrecke Bamberg-Nürnberg hatte. Zudem konnte man auf separaten Schienen Material von einem Gebäude zum nächsten und sogar zur Spinnerei transportieren.

Wie wichtig der Standort Forchheim war, zeigte die Verlagerung des Firmensitzes 1936 hierher. Dazu bekam der rote Hochbau einen Anbau, der jedoch in den 90er Jahren wieder abgerissen wurde. Die Nachkriegszeit war von enormen Investitionen in Maschinen, dem Aufbau einer Konfektionierung und eines Versandes geprägt. Unter der Ägide Heinrich Soldans erreichte der Personalstand mit rund 2200 Arbeitsplätzen in Forchheim den Höchststand.

Doch von Mitte der 70-er Jahre an hatte Weber & Ott mit Problemen zu kämpfen. Die Gewinne, die mit der Konfektionierung und der Herstellung der Hemden erzielt wurden, fraß sofort die mittlerweile unrentable Stoffproduktion wieder auf. Man lebte von der Substanz. Die Folge waren Personalabbau, eine Insolvenz der mittlerweile ausgelagerten Weberei und ein Werksgelände, das anderweitig genutzt werden musste.

Allerdings gab es die unschöne Überraschung belasteten Bodens. Auch dessen Entsorgung verschlang viel Geld. Doch der Umschwung gelang. Heute erwirtschaften 255 Mitarbeiter mehr als 70 Millionen Euro Jahresumsatz.

Jaklin liegt sehr am Erhalt und der Nutzung denkmalgeschützter Bauten. An ihnen hängen auch persönliche Erinnerungen. So sei er als Kind im evangelischen Kindergarten an der Bayreuther Straße gewesen, der einmal eine Villa eines leitenden Angestellten gewesen war. Er habe im Weberei-Saal, in dem sonst Betriebsversammlungen stattgefunden hätten, bei einem Theaterstück mitwirken dürfen. Und dann war da noch das Gästehaus gegenüber dem roten Hochbau, in dem weißbefrackte Kellner das Essen servierten. Das sei ein Nobelrestaurant gewesen, das er an seinem ersten Schultag staunend kennengelernt habe.

Der Vortrag Christian Jaklins "Zur Baugeschichte des Roten Hochbaus" findet im Rahmen der 37. Forchheimer Hausgeschichten der Altstadtfreunde im Heimatverein Forchheim am Donnerstag, 17. Oktober, ab 19 Uhr im Kellergewölbe des Pfalzmuseums statt. Dann wird auch der frühere Betriebstechniker Otto Haas in seinen Erinnerungen kramen. Der Eintritt ist frei.

UDO GÜLDNER


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