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Für Bolsonaro ist es ein Kampf gegen die Demütigung

Auch an dem Tag an dem Jair Bolsonaro die demütigende Nachricht überbringen musste, spielte Brasiliens rechtspopulistischer Präsident die Gefahr herunter. „Im Vergleich zu gestern geht es mir optimal“, sagte Bolsonaro am Dienstag in einem gemeinsamen Interview mit den TV-Sendern CNN Brasil, Record und TV Brasil.

Dabei kommt es zu skurrilen Szenen, weder Reporter noch Präsident halten Abstand. Keiner der Journalisten hat eine Mikrofonstange dabei, die eine Interview auf Entfernung möglich machen würde. Und am Ende geht Bolsonaro sogar mehrere Schritte zurück, nimmt die Maske ab und verkündet: „Schaut mir ins Gesicht, mit geht es gut.“

Der Fakt, dass er sich infiziert habe, zeige, dass er eben auch ein Mensch wie jeder andere auch sei, sagte Bolsonaro. Zeitgleich legte die Regierung in einem offiziellen Statement nach: Bolsonaros Gesundheitszustand sei gut. Den Test habe er gemacht, nachdem sich Symptome wie leichtes Fieber und Husten zeigten, erklärte Bolsonaro. Die wichtigste Botschaft aus Brasilia, die das Bolsonaro-Lager an diesem Tag verbreiten wollte, lautete: Bolsonaro kann weiter regieren, alles geht seinen gewohnten Gang, alles nicht so schlimm.

Wer glaubt, dass Brasiliens Präsident sich oder seine Politik nach seiner am Dienstag bekanntgewordenen Covid-19-Infektion ändern wird, schätzt Jair Bolsonaro und seinen Familienclan falsch ein. Kaum war die Nachricht von der Covid-19-Infektion überbracht, stürzte sich der 65jährige in die nächste Schlacht mit der Schulmedizin, Virologie und Wissenschaft.

Er werde sich mit Hydroxychloroquin behandeln lassen. Jenem Malariamittel, dessen klinische Tests zur Behandlung der Coronavirus-Infektion wegen Sicherheitsbedenken ausgesetzt wurden und das Bolsonaro sowie zeitweise sein großes Vorbild Donald Trump in den USA für die Lösung im Kampf gegen das Coronavirus hält. Die Tatsache, dass es ihm bereits besser gehe als am Vortag beweise, dass das Medikament wirke, sagte Bolsonaro.

Bolsonaro war bereits gesundheitlich angeschlagen

Wenn dies kein bloßes Lippenbekenntnis ist, ist das ein gefährlicher Tanz auf dem Drahtseil. Denn Bolsonaro ist seit einem Messeratentat eines offenbar geistig Verwirrten mit Kontakten ins linke Lager im Wahlkampf 2018 gesundheitlich angeschlagen. Und er hat eine schwierige Vorerkrankung: eine Lungenentzündung nach einer Operation.

Offenbar will Bolsonaro beweisen, dass sein Weg der richtige ist. Egal was es kostet. So ist es bereits seit Beginn der Pandemie, die er anfangs als „Grippchen“ verharmloste, die aber nun im ganzen Land tobt und bereits über 65.000 Menschen das Leben kostete. Über 1,6 Millionen Menschen gelten als infiziert. Nicht wenige Experten glauben, die wahre Zahl der Infektionen liege weitaus höher, weil weniger getestet werde.

Trotzdem wehrte sich Bolsonaro gegen eine Maskenpflicht, forderte früh mit Blick auf die wirtschaftlichen Schäden eine Wiederöffnung des Geschäftslebens und stellte sich damit gegen viele Gouverneure und Bürgermeister. Zudem mischte sich Bolsonaro immer wieder unters Volk und sorgte damit für große Menschenaufläufe.

Für Bolsonaro ist es eine Demütigung

Für den Präsidenten und das Bolsonaro-Lager ist die Infektion deshalb auch eine kleine Demütigung. Selbst für seine fanatischen Anhänger wird es nun immer schwieriger die umstrittene Corona-Politik ihres Präsidenten zu verteidigen, wenn dessen Ratschläge offenbar nicht einmal ihm selbst nutzen.

Auch deshalb setzt Bolsonaro offenbar auf Hydroxychloroquin. Sollte er in ein paar Tagen oder Wochen geheilt sein, wird er stolz auf die von ihm prognostizierte Wirkung des Medikamentes verweisen. Geht diese Strategie schief, steht das Leben des Präsidenten auf dem Spiel. Immer vorausgesetzt die veröffentlichten Diagnosen und Testergebnisse sowie Behandlungstherapien entsprechen der Wahrheit und sind keine Fiktion.

Vor einigen Monaten nach einem Besuch bei Donald Trump unterstellten einige brasilianische Medien, dass sich auch Bolsonaro wie viele andere Mitglieder seiner Delegation mit dem Coronavirus infiziert hätte. Es gab wüste Spekulationen bis hin zu dem Vorwurf, Bolsonaro habe damals im März das Testergebnis gefälscht, um eine Infektion zu verheimlichen.

Träfen diese nie wirklich bewiesenen Spekulationen zu, dann wäre Bolsonaro offenbar schon bereits ein zweites Mal infiziert oder aber die Medien-Spekulationen waren falsch. Beim Corona-Patienten Bolsonaro geht es längst um mehr als nur noch um die Gesundheit eines älteren Mannes. Es geht darum, welche Deutung der Pandemie sich in der brasilianischen Gesellschaft durchsetzt. Und es geht ums Überleben: physisch und politisch.

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