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Ganz schön abgefahren, diese Luxuszüge!

Der Hofzug von König Ludwig II.

Der Volksmund verpasste dem Hofzug schnell einen passenden Namen: „Versailles auf Rädern“. In der Tat war der Zug von Bayernkönig Ludwig II. das Pompöseste, was europaweit auf Schienen unterwegs war.

Der „Kini“ ließ den von seinem Vater geerbten Hofzug ab 1868 erweitern und aufwendig umbauen. Sein Salonwagen erhielt Deckengemälde, Seidentapeten, Möbel im Louis-XIV-Stil, goldene Putten und Zierleisten, dazu ein Schlaf- und ein Toilettenkabinett sowie eine für damalige Verhältnisse hochmoderne Dampfheizung und Petroleumbeleuchtung.

Außen prangte das königliche Wappen auf der königsblauen Außenwand und auf dem Dach die bayerische Krone, eins zu eins nachgebildet. Der Waggon ist erhalten, er steht heute im DB Museum Nürnberg, ebenso wie der Terrassenwagen, den Ludwig eigens anfertigen ließ: in der Mitte ein gläserner Pavillon, vorne und hinten eine überdachte Plattform mit Sitzgelegenheit.

Ein Salonwagen als Abbild des Größenwahns von Bayernkönig Ludwig II. ist im DB Museum Nürnberg zu besichtigen

Ein Salonwagen als Abbild des Größenwahns von Bayernkönig Ludwig II. ist im DB Museum Nürnberg zu besichtigen

Quelle: DB Museum/Uwe Niklas

Wie oft der König, der die Öffentlichkeit scheute, sich hier versonnenen Landschaftsträumereien hingab, ist nicht überliefert. Nach Ludwigs Tod 1886 war der Hofzug noch bis 1918 betriebsfähig. Von den übrigen Waggons für Reisekommissar und Gefolge, dem Dienerschafts-, dem Gepäck- und den zwei Küchenwagen existieren nur noch Zeichnungen und Fotos.

dbmuseum.de

Der Kanzlerwagen von Konrad Adenauer

Er heißt zwar Salonwagen, ist jedoch vergleichsweise unprätentiös ausgestattet: Waggon 10205, mit dem deutsche Bundeskanzler von den 50er-Jahren bis 1974 unterwegs waren.

Erstnutzer des 1937 für die Deutsche Reichsbahn gebauten Wagens war Hermann Göring, einer der einflussreichsten und skrupellosesten NS-Politiker. Der Waggon wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern requiriert und gelangte später an die Deutsche Bundesbahn.

Salonwagen 10205: Das ist der alte Kanzlerzug von Konrad Adenauer bis Willy Brandt, heute steht er im Haus der Geschichte in Bonn

Konrad Adenauer nutzte den Salonwagen mit Konferenztisch, Schreibmaschine, Radio und Plattenspieler viel

Quelle: Axel Thünker/Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn

Herzstück ist ein Salon, bestückt mit Konferenztisch, Schreibmaschine, Schrankwand, Radio und Plattenspieler. Die zwei „Apartment“ genannten Wohn-Schlaf-Abteile verfügen über eine eigene Nasszelle, die dazwischen eingebaute Sitzbadewanne musste sich der jeweilige Kanzler mit seinem Abteilnachbarn teilen. Eine kleine Bordküche gibt es auch noch.

Bundeskanzler Konrad Adenauer nutzte den Waggon ausgiebig für Staatsbesuche, Wahlkampf- und Privatreisen. 1955 wurden für den Salonwagen eigens Drehgestelle in russischer Breitspur beschafft, weil er Teil des deutschen Regierungszugs während Adenauers Visite in Moskau war. Der Waggon ist das größte und schwerste Ausstellungsstück im Haus der Geschichte in Bonn.

hdg.de

Der Schlafwagen von Erich Honecker wurde zum Hotel

Für die Führungsriege der DDR stand ein kompletter Staatszug bereit für Reisen im Inland und ins Ausland, mit Salon-, Schlaf-, Speise-, Autotransport- und Proviantkühlwagen.

2012 wurde einer der ausrangierten Salonschlafwagen (Baujahr 1969) von Gastronom Holger Hempel gekauft, annähernd originalgetreu renoviert und zum Hotel umfunktioniert, als Teil des „Station Burgsee Restaurants“ in Gadebusch in Mecklenburg. Seit 2014 kann man in den sechs Doppelkabinen übernachten, die überraschend schlicht mit Klappbetten, Waschbecken und Klapptisch ausgerüstet sind; die zwei verfügbaren Toiletten im Waggon mussten sich die Staatsgäste damals sogar teilen.

Der Schlafwagen der DDR-Führung ist heute ein Hotel in Mecklenburg

Der Schlafwagen der DDR-Führung ist heute ein Hotel in Mecklenburg

Quelle: picture alliance / dpa

SED-Chef Walter Ulbricht gehörte zu den ersten Nutzern, Erich Honecker reiste mit dem Schlafwagen 1975 zur KSZE-Konferenz nach Helsinki, sagt Hempel. Eine Übernachtung kostet pro Schlafabteil 65 Euro.

station-burgsee.de/salonschlafwagen/

Royal Trains in Großbritannien

Die Briten waren nicht nur die Ersten weltweit, die Eisenbahnen fahren ließen (1825), sie waren auch Pioniere in Sachen königliche Hofzüge – bereits 1842 dampfte der erste Royal Train zwischen London und Windsor, an Bord die damalige Queen Adelaide. Dieser erste königliche Waggon war wenig pompös, er glich eher einer Kutsche auf Gleisen.

Bis heute steht der britischen Königin und den Mitgliedern der Royal Family ein Hofzug für Reisen zur Verfügung. Der ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich, Fotos beweisen aber, dass die heutigen Waggons funktional und ohne Prunk eingerichtet sind, mehr Viersternehotel als Orient Express.

Der Salonwagen von Queen Victoria aus dem Jahr 1869 ist der Publikumsliebling im National Railway Museum im englischen York

Der Salonwagen von Queen Victoria aus dem Jahr 1869 ist der Publikumsliebling im National Railway Museum im englischen York

Quelle: National Railway Museum, York

Das war früher anders: Der Salonwagen von Queen Victoria von 1869 beispielsweise war eine üppig verzierte Hotelsuite auf Rädern, bestückt mit Sofa und Sesseln, verziert mit Blattgold und Bordüren. Der Waggon ist der Publikumsliebling im National Railway Museum im englischen York.

In einer historischen Bahnhofshalle, der Station Hall, die Teil des Museums ist, können insgesamt sechs königliche Waggons besichtigt werden, darunter auch die Royal Carriages von King Edward VII. (inklusive Rauchsalon mit Mahagoni-Interieur) und von Queen Alexandra (mit Plüschbett längs zur Fahrtrichtung, sodass die Monarchin bei jedem Bremsmanöver unsanft nach vorne oder hinten geschoben wurde). Vom Frühjahr 2021 bis ins kommende Jahr hinein wird die Station Hall aufwendig renoviert.

railwaymuseum.org.uk

Ein Papamobil auf Schienen für den Papst

Nicht nur Könige und Staatschefs leisteten sich eigene Züge, auch der Stellvertreter Gottes auf Erden war mit einem Nobelzug unterwegs, genauer gesagt Papst Pius IX. im 19. Jahrhundert. Er hatte bereits 1846 ein Eisenbahnnetz in Auftrag gegeben, das Rom mit dem damaligen Kirchenstaat verbinden sollte.

1859 erhielt Pius als Geschenk der Bahngesellschaft einen dreiteiligen Galazug, bestehend aus Aussichtswagen (mit Polsterbänken), Salonwagen (mit Wohnabteil, Betstuhl, Waschraum) und Kapellenwagen (mit Altar, Thronsessel und Deckengemälden mit biblischen Motiven).

1859 bekam Papst Pius IX. einen dreiteiligen Galazug geschenkt. Er ist im Museum Centrale Montemartini in Rom ausgestellt

1859 bekam Papst Pius IX. einen dreiteiligen Galazug geschenkt. Er ist im Museum Centrale Montemartini in Rom ausgestellt

Quelle: picture alliance/dpa/MAXPPP/Edon/Vincenzo Tersigni

Als der Papst den Kapellenwaggon erblickte, soll er seufzend ausgerufen haben: „Mein Gott, sie haben mir ein Grabmal erbaut!“ Was ihn nicht davon abhielt, am 6. Oktober 1859 unter dem Jubel des Volkes die erste Bahnfahrt eines Papstes zu unternehmen, sie führte ihn zu seiner Landresidenz Castel Gandolfo.

Mit dem Ende des alten Kirchenstaates 1870 übernahm der italienische Staat den Papstzug, der zunächst in Depots abgestellt wurde – die Rechnung für die Verwahrgebühr wies der Vatikan empört zurück und bezahlte sie nicht. 1930 ging der Papstzug in den Besitz der Stadt Rom über, die restaurierten Waggons sind heute im städtischen Museum Centrale Montemartini ausgestellt, einem früheren Elektrizitätswerk.

centralemontemartini.org

Der Salonwagen von Kaiserin Sisi

Österreich-Ungarns Monarchen gehörten zu den reisefreudigsten Staatsoberhäuptern ihrer Zeit. Franz Joseph I. und Karl I. waren häufig auf Inspektionstour in ihrem Reich unterwegs, das sich von der Adria bis in die Karpaten erstreckte, Kaiserin Elisabeth (Sisi) war eine Vielreisende und bekennende Bahnliebhaberin.

Gereist wurde im kaiserlich-königlichen Hofsalonzug, der bis zu acht Waggons umfasste. War der Kaiser an Bord, wurde morgens um halb sechs das Tempo auf Schrittgeschwindigkeit gedrosselt, weil der Monarch sich um diese Zeit zu rasieren pflegte.

Kaiserin Sisis Salonwagen steht im Technischen Museum Wien

Ein Traum aus Plüsch und Plissee: Kaiserin Sisis Salonwagen steht im Technischen Museum Wien

Quelle: Technisches Museum Wien

Die Kaiserin nutzte ab 1873 zwei Waggons, die über 20 Jahre im Einsatz waren. Originalgetreu erhalten ist ihr plüschiger, beheizbarer Salonwagen mit Bett, Polstermöbeln, Schreib-, Spiel- und Toilettentisch, großem Spiegel sowie einem Abteil für die Kammerfrau; der Waggon ist ausgestellt im Technischen Museum in Wien.

In den Beständen des Prager Technischen Nationalmuseums befindet sich der k. u. k. Speisewagen, der aber nur zu besonderen Anlässen gezeigt wird. Alle anderen Waggons des Hofsalonzugs gelten als zerstört oder sind verschollen.

technischesmuseum.at

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG. Wir liefern sie Ihnen gerne regelmäßig nach Hause.

WELT AM SONNTAG vom 17. Januar 2021

Quelle: WELT AM SONNTAG

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