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Gesucht: Ein Chef für die City

Der Geschäftsführer für das neue Innenstadtbüro soll zwar mit den Staatsräten zusammenarbeiten. Dabei soll er aber auch relativ autonom handeln können.

Der Geschäftsführer für das neue Innenstadtbüro soll zwar mit den Staatsräten zusammenarbeiten. Dabei soll er aber auch relativ autonom handeln können. (Frank Thomas Koch)

Die Suche beginnt. Und es geht um nicht weniger als das Bewerbungsverfahren für die künftige Chefin oder den Chef fürs Zentrum Bremens. Denn für die Innenstadt soll eine Projektgesellschaft entstehen mit einer hauptamtlichen Geschäftsführung – ein wenig theatralisch auch als Intendanz bezeichnet.

In der Wirtschaftsdeputation war das Innenstadtbüro unlängst Thema. Bedenken äußerte die FDP: Wie selbstständig kann denn die Intendanz agieren? Schließlich sollen der Geschäftsführung mit Sven Wiebe und Gabriele Nießen zwei Staatsräte an die Seite gestellt werden. „Wir haben ein bisschen Sorge um die Unabhängigkeit des Ganzen“, sagte Fraktionschefin Lencke Wischhusen. Wie könne verhindert werden, dass die Politik sich zu sehr einmische?

Darauf reagierte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Es solle für die Geschäftsführung eigenständige Handlungsmöglichkeiten geben: „Wir wollen da eine relative Autonomie.“ Die Innenstadtentwicklung zu beschleunigen sei nötig – gerade bedingt durch die Pandemie. „Wir haben tatsächlich einen hohen Zeitdruck.“ Es geht um das Zusammenspiel mit der Verwaltung: Die Staatsräte seien genau dafür gedacht, Verzögerungen bei Absprachen zu verhindern.

Für die Innenstadt gebe es unterschiedliche Zuständigkeiten und Perspektiven: den Städtebau, Verkehr, Einzelhandel und Tourismus sowie die Kultur und Aufenthaltsqualität. Die Projektgesellschaft soll Aufgaben operativ bündeln. Außerdem soll der Innenstadtintendant im Austausch mit weiteren Akteuren stehen, unter anderem in einem Expertenbeirat. „Wir wollen ja nicht am grünen Tisch planen“, sagte Wirtschaftssenatorin Vogt.

Aus Sicht von Sven Wiebe ist die Konstruktion so angelegt, dass dem hauptamtlichen Geschäftsführer eine starke Rolle zukommt. Die Anforderungen an das Profil seien hoch. „Wir hoffen, dass es da eine entsprechende Persönlichkeit gibt“, sagte der Staatsrat in der Deputation im April. Und vielleicht werde man auch ein paar formale Verabredungen treffen, um denjenigen oder diejenige vor zu starker Einflussnahme durch die Ressorts und Staatsräte zu schützen.

Die Unabhängigkeit von politischen Zwängen sowie genug Handlungsspielraum sieht auch Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest, als elementare Voraussetzung für die Aufgabe: „Die Position darf nicht ideologisch verbrannt sein.“ Der Handelsexperte hält es für richtig, dass die Stelle bei der Stadt verankert ist, womit es einen direkten Kontakt in die Verwaltung gebe.

Das sieht auch der Hamburger Innenstadtexperte Klaus Mensing als Pluspunkt des Bremer Modells. Wichtig sei, dass der Geschäftsführer auch Kompetenzen habe, um Dinge umzusetzen. Die fehlten einigen Citymanagern. Und noch eine Eigenschaft sei gefragt: Derjenige oder diejenige müsse in der Position zudem Paroli bieten können. Mensings Unternehmen Convent berät Städte. Was er beobachtet hat? Die Politik sei sich heute bewusster, Innenstadtentwicklung nicht sich selbst zu überlassen. Das sei etwas Gutes an der Krise. „Vor eineinhalb Jahren hätte man mir noch gesagt: Der Handel ist Privatsache.“

In Oldenburg gibt es seit knapp einem halben Jahr einen Innenstadtmanager. „Ich verstehe mich als Zahnrad, das vielleicht noch gefehlt hat, um Dinge in Bewegung zu setzen“, sagt Steffen Trawinski über seine Aufgabe. Sein Ziel sei es, für verschiedene Akteure Ansprechpartner zu sein. Deren Interessen trage er an die Stadt heran. „Der Vorteil ist, dass der Draht in die Verwaltung kurz ist und ich Dinge schnell weitergeben kann.“ Als Innenstadtmanager müsse er dabei neutral sein. "Das Ziel ist, einen Konsens für alle Seiten zu finden.“

Vorausgegangen ist der Schaffung dieser Position in Oldenburg ein langjähriger Prozess. Jan König vom Handelsverband berichtet, im Vorfeld liefen Workshops mit Akteuren aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft. Wo will die Stadt eigentlich hin? Was macht das Zentrum aus? Eine Strategie für Oldenburg entstand und schließlich gibt es heute, wie König beschreibt, den „Kümmerer für die Innenstadt“.

In Bremen gab es in den vergangenen Jahren ebenfalls immer wieder Runden zur Innenstadt – und viele Ideen. Und öfter war die Forderung zu hören, dass jemand hier den Hut aufhaben müsse. Stefan Brockmann, Vorsitzender des Einzelhandelsausschusses der Handelskammer und Vorstand der Bremer City-Initiative, hält das Innenstadtbüro für „unabdingbar“. Denn bisher habe es immer wieder Probleme bei der Abstimmung zwischen den zuständigen Ressorts gegeben. Die Prozesse müssten aber aus einem Guss sein. Teils gebe es konträre Ideen in den Häusern. Da müsse am Ende jemand sagen: „Das ist Norden.“

Deputationssprecher Christoph Weiss (CDU) sieht das Innenstadtbüro dagegen kritisch. „Wir lehnen das in dieser Form ab“, sagte er in der Diskussion und bemängelte den Aufwand für die Projektgesellschaft. Ließe sich nicht stattdessen ein Mitarbeiter in den bestehenden Strukturen für die Koordination einstellen? „Wir wollen nicht das Ziel infrage stellen, aber den Weg dahin.“

Zur Sache

Ausschreibung in Arbeit

Die Geschäftsführung wird extern ausgeschrieben. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) sprach von einem „sehr straffen“ und zugleich qualitätssichernden Auswahlverfahren: „Das soll sehr zügig passieren.“ Im Moment wird das Anforderungsprofil für die Leitung des Innenstadtbüros erarbeitet. „Für die Besetzung wird eine Personalagentur eingeschaltet. Die Ausschreibung der Stelle soll dann sehr zeitnah erfolgen“, so der Sprecher des Wirtschaftsressorts, Christoph Sonnenberg. Eine Besetzung sei dann, abhängig von den Kandidaten, im dritten Quartal denkbar. Neben der Geschäftsführung soll es zwei Mitarbeiter geben. Der Präsident des Senats soll der Aufsichtsratschef der Projektgesellschaft werden. In diesem Gremium sollen zudem die Wirtschaftssenatorin, die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau sowie der Finanzsenator vertreten sein.

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