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„Gewalt ist niemals eine Privatsache“

Petra Borrmann befürchtet aufgrund der Corona-Bedingungen einen Anstieg von häuslicher Gewalt gegen Frauen.

Petra Borrmann befürchtet aufgrund der Corona-Bedingungen einen Anstieg von häuslicher Gewalt gegen Frauen. (INGO MÖLLERS)

Am 25. November ist Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen. Der Aktionstag macht alljährlich auf häusliche Gewalt aufmerksam und ruft zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form und zur Stärkung von Frauenrechten auf.

Frau Borrmann, was genau ist häusliche Gewalt und wer ist davon betroffen?

Petra Borrmann: Als häusliche Gewalt bezeichnet man die Gewalt in der Partnerschaft – also jegliche Gewalt, die im familiären und privaten Raum entsteht. Dabei bezieht sich der Begriff nicht nur auf das Klischeebild des „schlagenden Ehemannes“, sondern hat vielfältige Erscheinungsformen und Facetten. Sie geht von körperlicher über seelische bis hin zur sexuellen Gewalt und kann sich auch in Formen wie Stalking und Zwangsheirat zeigen. Die Opfer der häuslichen Gewalt sind überwiegend Frauen. Bundesweit, aber auch in Delmenhorst, sind es rund 90 Prozent der Betroffenen. Das heißt, Partner sowie Expartner, die mit den Frauen verheiratet sind oder zusammenleben, üben Gewalt gegenüber den Frauen aus. Statistisch wird alle 45 Minuten eine Frau in Deutschland Opfer von Körperverletzung durch den Partner. An jedem dritten Tag wird eine Frau in Deutschland von dem Partner sogar getötet.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation bezüglich häuslicher Gewalt in Delmenhorst ein?

Auch bei uns in Delmenhorst ist häusliche Gewalt ein Problem. Jedes Jahr werden in unserer Stadt über 300 Fälle von häuslicher Gewalt bekannt. Wichtig ist dabei, dass man die Betroffenen unterstützt und nicht alleine lässt. Dazu gibt es vielzählige Projekte und Einrichtungen in unserer Stadt, die Unterstützung und Hilfe bieten können. In den Sommermonaten der Pandemie überprüften wir – die Gleichstellungsstelle der Stadt, die Polizei, das Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt (Awo) –, ob die Fälle von häuslicher Gewalt in den unsicheren Zeiten von Corona und Lockdown gestiegen sind. Bisher konnte das durch Zahlen in Delmenhorst noch nicht belegt werden. Trotzdem ist die Vermutung der Fachkräfte, dass es bei häuslicher Gewalt – gerade auch in diesen besonders unsicheren Zeiten – eine hohe Dunkelziffer von Gewalt in der Familie gibt.

Welche zusätzlichen Auslöser und Konfliktpotenziale birgt der coronabedingte Lockdown-Light?

Die gesamte Situation in der Pandemie ist für uns alle neu. Die Ungewissheit macht auch vielen Menschen Angst. Uns wird geraten, zu Hause zu bleiben und unsere Kontakte einzuschränken. Häusliche Gewalt ist Beziehungsgewalt. Es kann von einem erhöhten Gewaltpotenzial bei Tätern durch die angespannte Situation ausgegangen werden. Zudem bedeuten die Einschränkungen für die Betroffenen, dass sie weniger die Möglichkeit haben, sich aus dem Weg zu gehen. Auch die Angst der Betroffenen vor Veränderungen durch Trennungen vom Partner in unsicheren Zeiten wird durch die Pandemie verstärkt.

Was kann jeder Einzelne tun, um nicht erst in eine Gewaltspirale zu kommen?

Gewalt ist niemals eine Privatsache. Wir reden hier von Straftaten. Damit ist auch verbunden, dass es uns alle etwas angeht und dass ein Schweigen den Täter schützt. Wir sollten diese Verpflichtung ernst nehmen und Stellung beziehen. Es ist besser, lieber einmal zu viel bei der Polizei auf häusliche Gewalt aufmerksam zu machen, als wegzuschauen.

Wohin können sich Betroffene in Delmehorst wenden, wenn die Situation zu Hause eskaliert?

Wir haben in Delmenhorst verschiedene Einrichtungen, die Opfer unterstützen, beraten und helfen. Natürlich ist die Polizei immer ein guter Ansprechpartner. Sie haben ein Fachkommissariat mit Kolleginnen zum Thema häuslicher Gewalt. Zudem gibt es in Delmenhorst das Frauenhaus der Awo. Dort können Betroffene Zuflucht finden, um erst einmal aus dem kritischen Umfeld mit ihren Kindern herauszukommen. Angegliedert an das Frauenhaus ist ein Beratungshaus zu häuslicher Gewalt. Es gibt weiter auch Einrichtungen, die Opfer unterstützen, wie beispielsweise den Weißen Ring. Für kostenlose Beratung steht das bundesweite Hilfetelefon unter 08 00 / 11 60 16 zur Seite. Sie beraten Betroffene rund um die Uhr in 17 Sprachen.

Was ist für den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November in Delmenhorst geplant?

„Frei leben ohne Gewalt“ ist das Motto des internationalen Aktionstages. Delmenhorst wird sich erneut bei einer bundesweiten Fahnenaktion beteiligen, wie auch über 1000 Städte und Gemeinden in ganz Deutschland. Dazu werden blaue Fahnen vor dem Rathaus wehen. Auch in der städtischen Beratungsstelle gegen Mädchen und Jungen und für das Frauenhaus der Awo wird Flagge gezeigt. Dieses Jahr steht das Thema häusliche Gewalt und wachsame Nachbarschaft im Vordergrund. Deswegen beteiligen sich auch die Nachbarschaftsbüros in Deichhorst, Düsternort, Wollepark und Hasport.

Das Interview führte Lina Wentzlaff.

Zur Person

Petra Borrmann (63)

ist seit 1990 Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Delmenhorst und engagiert sich gegen häusliche Gewalt.

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