Schweden ist über eine Gewaltserie entsetzt, der in diesem Jahr bereits fünf Menschen zum Opfer gefallen sind. Bandenkriminalität und organisiertes Verbrechen werden dahinter vermutet.

(AP) - Schweden ist über eine Gewaltserie in seiner drittgrößten Stadt Malmö entsetzt, bei der in diesem Jahr bereits fünf Menschen getötet wurden. Jüngstes Opfer war am Samstag ein 15-jähriger Junge, der am Samstagabend bei einem Pizza-Lokal von Schüssen getroffen wurde, teilte die Polizei am Sonntag mit. Eine weitere Person wurde verletzt, die Täter flohen nach Angaben von Augenzeugen auf Fahrrädern.

Der Überfall spielte sich gegen 21.00 Uhr auf einem belebten Platz ab. In einem anderen Bezirk Malmös wurde Minuten zuvor ein unter einem Auto versteckter Sprengsatz gezündet, der das Fahrzeug zerstörte und mehrere in der Nähe geparkte Wagen beschädigte. Die Polizei sagte, sie könne nicht sagen, ob es eine Verbindung zwischen den beiden Vorfällen gebe. Auch zu möglichen Tätern äußerte sie sich nicht.

Die Vorsitzende des örtlichen Gemeinderats, Katrin Stjernfeld Jammeh, sagte dem schwedischen Sender SVT, es sei „der Alpraum aller Eltern, ein Kind zu verlieren. Es war eine schwere und schwarze Nacht für Malmö.“ Sie habe die Sorge, das in der 320 000-Einwohner-Stadt eine Spirale der Gewalt in Gang gekommen sei. Die Polizei sollte prüfen, ob andere Gewalttaten zuvor mit den jüngsten Vorfällen und mit Bandenkriminalität zu tun haben. Die Polizei habe bereits vor einer „Eskalation grausamer und rücksichtsloser Verbrechen in Malmö“ gewarnt gehabt.

Hinter Explosionen und Schießereien in Malmö werden meist das organisierte Verbrechen und rivalisierende Verbrecherbanden vermutet. Der Vorsitzende der oppositionellen Moderaten Sammlungspartei, Ulf Kristersson, forderte Ministerpräsident Stefan Löfven auf, schnell die Gewalt einzudämmen. Nach einer Meldung der schwedischen Nachrichtenagentur TT hat es in Malmö in diesem Jahr fünf Tote durch Schusswaffen und 29 Explosionen gegeben, einschließlich der Zwischenfälle vom Samstag. Nach Polizeistatistik ist das deutlich weniger als im gesamten Jahr 2018.

Ein Einwohner Malmös, Jacob Björkander, sagte der Zeitung „Sydsvenskan“, er sei mit seinen beiden kleinen Kindern am Samstagabend mit dem Fahrrad in de Nähe des Platzes unterwegs gewesen. „Das ist zu weit gegangen“, zitierte ihn die Zeitung. „Die Leute sollten draußen auf den Straßen sein und zeigen, was sie denken, dass wir das in unserer Stadt nicht haben wollen.“