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Gewinner von Greencard-Lotterie fühlen sich von Trump betrogen

Noha sollte eigentlich glücklich sein. Die ägyptische Ingenieurin zählte 2019 zu den Gewinnern einer dauerhaften US-Aufenthaltserlaubnis, einer sogenannten Greencard. Für diesen Sommer hatte sie mit ihrer Familie den Umzug nach New York geplant. Doch von einem Tag auf den anderen wurden die Pläne vereitelt: Zum ersten Mal seit 1990 werden im Rahmen des Lotterie-Verfahrens keine Greencards mehr vergeben.

Per Los werden unter mehr als 14 Millionen Bewerbern jedes Jahr etwa 55 000 Visa für die USA vergeben. Mit der Greencard dürfen Einwanderer dauerhaft in den USA leben und arbeiten. Vorab sind jedoch einige Formalien zu klären.

Und bei vielen der Gewinner aus dem Vorjahr war dieser Prozess noch nicht abgeschlossen, als im März die Pandemie ausbrach. Die amerikanischen Konsulate sind seitdem nur noch eingeschränkt tätig. Nun sieht es so aus, als würde die Bearbeitung der Anträge komplett ausgesetzt. Für viele Betroffene wäre das eine Katastrophe.

Bis Jahresende sollen laut Anweisung von Präsident Donald Trump keine neuen Arbeitsvisa für die USA vergeben werden. Begründet wird der Schritt unter anderem mit der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt – Millionen Amerikaner haben wegen der Coronavirus-Krise ihre Jobs verloren.

Im Falle der Lotterie-Gewinner gilt, dass Ansprüche verfallen, wenn die Greencard nicht bis zum 30. September vorliegt. Das US-Außenministerium will keine Ausnahmen für „Gewinner“ machen, die das begehrte Dokument noch nicht in der Hand haben.

Noha und ihre Kinder erhielten ihre Visa im Februar. Ihr Ehemann Ahmed wartet aber noch auf seines. Und die Familie muss nun fürchten, dass es niemals kommen wird. Die Ägypterin steht also vor der Wahl, entweder ohne ihren Mann auszuwandern, um vor allem der siebenjährigen Tochter und dem neunjährigen Sohn eine bessere Perspektive zu bieten – oder den Traum von einem Leben in den USA aufzugeben.

Alle Pläne hinfällig

Sie sei wütend und habe mehrere Tage geweint, als sie von dem Visa-Stopp erfahren habe, sagt Noha. Ihren vollen Namen will sie nicht nennen, weil sie befürchtet, dass sich öffentliche Äußerungen negativ auf den Fall der Familie auswirken könnten. „Alle meine Pläne sind mit einem Mal in sich zusammengebrochen.“

Nur etwa 13.000 der im Losverfahren vergebenen Visa seien in diesem Jahr bereits ausgestellt worden, sagt Simon Paul, der einst selbst über diesen Weg eine Greencard erhielt und seit einigen Jahren in einem Blog aktuelle Informationen zum Thema bereitstellt. Auch für die, die rechtzeitig eines erhalten hätten, sei es wegen der Reisebeschränkungen zum Teil schwierig, tatsächlich ins Land zu kommen.

Nohas Familie hat allein für die mit den Anträgen verbundenen Überprüfungsvorgänge fast 10.000 Dollar (8900 Euro) ausgegeben. Im Februar hatte ein Mitarbeiter der US-Behörden ihnen versichert, dass die gesamte Familie eine Bewilligung erhalten werde.

Daraufhin kündigten Noha und ihr Mann, der ebenfalls Ingenieur ist, ihre Jobs, verkauften ihr Auto und gaben dem Vermieter und der Schule der Kinder Bescheid. Als die Botschaft im Mai erklärt habe, das Visum ihres Mannes müsse nur noch gedruckt werden, „haben wir sogar die Taschen gepackt“, sagt Noha.

Schon vor Beginn der Coronavirus-Krise hatte Trump die „Visa-Lotterie“ kritisiert – allerdings auch mit falschen Behauptungen. So bezeichnete er das Verfahren als „eine Horror-Show“, bei der manche Länder „einige sehr schlechte Leute“ schicken würden.

Tatsächlich aber entscheiden nicht ausländische Regierungen darüber, wer sich bewirbt. Und sie haben keinen Einfluss darauf, wer am Ende ein Visum erhält.

Viele Voraussetzungen nötig

Bewerber müssen entweder eine höhere Schule besucht haben oder zwei Jahre Berufserfahrung in bestimmten Branchen nachweisen können. Gewinner müssen dann unter anderem ein einwandfreies Führungszeugnis vorlegen.

Zudem benötigen sie in den USA einen Bürgen, der sie unterstützt, bis sie sich beruflich etabliert haben. Und nicht alle qualifizierten Personen kommen tatsächlich zum Zuge. Zuletzt wurden mehr als 80.000 „Gewinner“ benannt, die untereinander um das Kontingent an Greencards konkurrieren mussten.

In den vergangenen Jahren waren viele derer, die über das Losverfahren in die USA kamen, gut ausgebildete Leute. Ein Beispiel dafür ist Alma Mandija, die 1997 den Zuschlag erhielt, als ihre Heimat Albanien gerade in einer tiefen Krise steckte. Dank des Visums konnte sie in den USA eine Hochschule besuchen. Heute ist sie Anwältin in New York.

Dieses Jahr war Mandijas Cousin Eldis Bushati unter den Gewinnern. Mandija und ihre Eltern hatten zugesichert, Bushati, dessen Frau und die dreijährige Tochter zu unterstützen. Sie hatte auch schon mehrere Unternehmen in New York gefunden, die Interesse an einer Anstellung des Klempners signalisiert hatten. Der 31-Jährige wartete noch auf eine E-Mail mit einem Interview-Termin in der Botschaft, als der Visa-Stopp kam.

Bushati gibt sich trotzdem zuversichtlich. Das Virus werde irgendwann wieder weg sein, sagt er. „Wir werden diesen Prozess abschließen und bald in Amerika sein.“

Die Ägypterin Noha ist weniger optimistisch. „All das war für die Zukunft unserer Kinder“, sagt sie vor ihrem Haus in Kairo und kämpft mit den Tränen. „Jetzt wissen wir nicht, was wir tun sollen.“

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