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Großer Sport bei Werder

Kein Mann für Mütze oder Schal: Der gebürtige Bremer Christian Groß beim Werder-Training.

Kein Mann für Mütze oder Schal: Der gebürtige Bremer Christian Groß beim Werder-Training. (nordphoto)

Nein, das wollte er sich nun wirklich nicht gefallen lassen. Als sich Werders Spiel gegen die Bayern in der hektischen Nachspielzeit befand, versuchte Benjamin Pavard nach einem Freistoßpfiff, sich schnell den Ball aus der Hand von Christian Groß zu schnappen. Dabei rempelte er den Bremer Defensivspieler leicht an, und Groß sagte dem französischen Weltmeister ein paar Takte. Diesen Beweis hätte es aber schon gar nicht mehr benötigt, um festzustellen: Groß hatte vor den Münchener Weltstars mal überhaupt keine Angst und bot beim 1:1 eine ganz starke Leistung.

Dabei hätte wohl jeder verstehen können, wenn der 31-Jährige ein wenig Muffensausen gehabt hätte. Der Spätberufene, der eigentlich in der Regionalliga spielen sollte und durch die große Verletzungsmisere plötzlich für die Bremer Profis auflief, hat immer noch erst 21 Bundesliga-Spiele absolviert, davon 14 in der Startelf. Seine erste Begegnung mit den Bayern endete in einem Fiasko: 1:6 in der Hinrunde der vergangenen Saison. Und trotzdem stand Groß nun wieder in der Münchener Arena auf dem Platz und spielte, als sei nie etwas gewesen. So unaufgeregt wie üblich arbeitete er die Aufgaben ab – fast wie am Fließband. Ob da nun Robert Lewandowski, Thomas Müller oder Leroy Sané auf ihn zukam – Groß verzog keine Miene und klaute den hochdekorierten Stars in den meisten Fällen ohne großes Aufheben den Ball. Zweikampf gewonnen, Ball zum Mitspieler gepasst – der Nächste, bitte.

„Grosso war top, keine Fehler.“ Mehr sagte Trainer Florian Kohfeldt zur Leistung des Defensivallrounders nicht. Als wäre es das Normalste der Welt, dass Groß gegen die Bayern 70 Prozent seiner Zweikämpfe gewann. Da der gebürtige Bremer seinen Job mit einer faszinierenden Selbstverständlichkeit erledigte, konnte dieser Eindruck auch tatsächlich entstehen. Im Verbund mit den ebenfalls überragenden Ömer Toprak und Marco Friedl schaltete Groß sogar Superstürmer Robert Lewandowski nahezu komplett aus. Und als wäre das nicht genug, hatte er auch noch beachtliche Szenen im Spiel nach vorne. In der 83. Minute klaute er Sané ganz selbstverständlich den Ball, marschierte vorbei an Leon Goretzka und spielte einen mustergültigen Steilpass auf Josh Sargent, der beinahe das 2:1 erzielt hätte. Auch Sargents Großchance in der 87. Minute, die Manuel Neuer vereitelte, leitete Groß mit einem gewonnenen Zweikampf ein.

Marktwert aus einer anderen Welt

Um die Leistung des ehemaligen Bremer U23-Kapitäns einzuordnen, kommt man am Blick auf die Marktwerte nicht vorbei. Laut Portal „transfermarkt.de“ ist Christian Groß 300.000 Euro wert. Selbst Bayerns dritter Torwart Ron-Thorben Hoffmann kommt auf 400.000 Euro. Groß‘ Gegenspieler Lewandowski (60 Millionen), Müller (35 Millionen), Sané (70 Millionen) oder Serge Gnabry (90 Millionen) bewegen sich finanziell in ganz anderen Sphären, das half ihnen in diesem Spiel aber auch nicht weiter.

Groß studiert nebenbei Betriebswirtschaftslehre und Management. Hätte er Einblick in die Zahlen, könnte er sicher problemlos ausrechnen, wie lange er arbeiten muss, um auf Lewandowskis Wochenverdienst zu kommen. Nur: Es würde ihn wahrscheinlich überhaupt nicht interessieren. Den ganzen Bundesliga-Zirkus, in dem er völlig unvermittelt eine Rolle angeboten bekam, betrachtet Groß total unaufgeregt. Seit er zu Beginn der vergangenen Saison in den Profi-Kader aufstieg, sagt er immer wieder, dass er jeden Moment genießen wolle, ohne zu weit zurück und zu weit nach vorne zu blicken. „Ich freue mich einfach, dass ich in der Bundesliga spielen darf.“ Diese Hoffnung hatte er eigentlich schon aufgegeben, doch die Geschichte von Groß‘ Aufstieg ist so wunderbar, weil sie zeigt, dass sich Träume auch ganz plötzlich und völlig unerwartet erfüllen können.

Als Werder-Profi nicht wegzudenken

Eine gewisse Planungssicherheit hat Christian Groß inzwischen. Sein Vertrag bei Werder wurde kürzlich bis 2022 verlängert und in einen Profikontrakt umgewandelt, Gehaltsanpassung inklusive. Wegzudenken aus dem Bundesliga-Team ist er derzeit ohnehin nicht. Es braucht längst keine Verletzungsmisere mehr, damit Groß zu Einsätzen kommt. Gegen Hoffenheim rutschte er in die Startelf und überzeugte als defensiver Mittelfeldspieler an der Seite von Maximilian Eggestein. Dort spielte er dann auch gegen Frankfurt und Köln, ehe er gegen Bayern als rechter Innenverteidiger in die Dreierkette rückte. Kevin Möhwald übernahm die Position im Mittelfeld, Kapitän Niklas Moisander musste auf die Bank, während Groß spielte. Nach Möhwalds Auswechslung wurde er wieder ins Mittelfeld beordert.

Der Allrounder ist auf keiner Position wirklich gesetzt, wird in der Defensive aber immer irgendwo benötigt. Bei Groß weiß man eben, was man bekommt. Er verbeißt sich in die Zweikämpfe, spielt solide Pässe und macht wenige Fehler. Man weiß auch, was man nicht bekommt. Spielt er in der Abwehr, sind von Groß im Spielaufbau kaum aufwendige Diagonalpässe zu erwarten. Spielt er auf der Sechser-Position, taucht er selten vorne auf und beschränkt sich vor allem auf die Defensive, um seinem Nebenmann den Rücken freizuhalten. Christian Groß weiß, was er kann, und spielt dementsprechend. Dass das, was er kann, auch für die Bundesliga mehr als ausreicht, ist nicht erst seit dem Bayern-Spiel offensichtlich.

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