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Germany

„Grüner Saft – was ist das für ein Name?“

Julian Reininger, mit 13 Jahren haben Sie zum ersten Mal das Green-Juice-Festival veranstaltet. Vom 16. bis zum 17. August findet es nun schon zum zwölften Mal in Bonn statt. Wie kam es dazu?

Mein Bruder, unser Kumpel und ich haben auch damals alle schon selber in Bands gespielt. Im August 2008 hat das Bonner Jugendzentrum HiP ein Sommerfestival veranstaltet. Da haben wir gesagt: Kommt, lasst uns einfach mal einen LKW als Bühne dahin stellen. Für das zweite Jahr waren vor allem die Eltern und Freunde entscheidend, die gesagt haben: Macht das doch noch mal! Kurz darauf haben wir unseren ersten Sponsoring-Deal in Höhe von 50 Euro von einem Gitarrenladen zugesagt bekommen. Am Ende hatten wir 500 Euro Sponsoring-Gelder zusammen, womit wir dann die erste bekanntere Band, Eternal Tango, bezahlen konnten.

Und dann?

Mit der Zeit kamen dann immer mehr Menschen, und die forderten einfach auch größere Bands. Größere Bands wiederum fordern eine größere Bühne und mehr Technik. So hat sich das im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt. Zuerst wurde 2012 aus dem einfachen LKW ein LKW, den man zu einer richtigen kleinen Bühne ausbauen konnte. Als die Donots dann vier Jahre später das erste Mal zu uns kamen, reichte das auch nicht mehr. Seitdem haben wir unsere richtige große Festivalbühne. Ich glaube, seitdem werden wir endlich auch als richtiges Festival wahrgenommen, denn am Ende machen die Bühne und das Programm das Festival aus. Man könnte sagen: Die Bühne macht das Festival erst sichtbar.

Und was steckt hinter dem Namen – Green Juice?

Eines Abends haben die anderen beiden in ihrem Kinderzimmer einen komplett grünen Cocktail gemischt. Als sie das Glas auf eine Lampe gestellt haben, hat er angefangen, grün zu leuchten. Also haben sie gesagt: Komm, wir nennen das Ding Green Juice. Die ersten Jahre hieß es ständig: Grüner Saft? Was ist das denn für ein Name? Aber mittlerweile hat er sich zu einer richtigen Marke entwickelt. Überall in Deutschland laufen die Leute mit unseren T-Shirts und Festivalbändchen herum. Aber erst in diesem Jahr bieten wir auf dem Festival auch tatsächlich einen Grünen Saft an. Den kann man an einem Stand namens Saftladen finden.

Mittlerweile gibt es eine enorme Vielzahl an Musikfestivals in allen möglichen Größen an jeder Ecke Deutschlands. Wie erleben Sie als Veranstalter diese starke Konkurrenz?

Einerseits geht der Trend auf Seiten der Besucher immer mehr in die Richtung, dass viele sich sehr spontan dafür entscheiden, ein Festival zu besuchen. Für uns als Veranstalter ist das allerdings eine wirklich schwierige Situation, da wir kaum planen können, wie viele Besucher tatsächlich vor Ort sein werden. Sprich: wie viele Getränke- und Essenswagen wir benötigen und all so etwas. Meistens verkaufen wir ab dem jetzigen Zeitpunkt noch mal genauso viele Tickets wie bis jetzt. Andererseits wirkt sich das bei den meisten Festivals vor allem auf immer weiter steigende Eintrittspreise aus. Wir haben aber immer noch genauso günstige Preise wie vor drei Jahren, was uns auch sehr wichtig ist.

Wie sieht der Druck, der von den ganz großen Festivals ausgeht, aus? Einige bezahlen ihren Acts enorme Gagen, damit sie auf keinem anderen Festival in der Umgebung spielen werden.

Unser Booking-Prozess wird schon um einiges schwieriger durch die sehr strengen Vertragsklauseln, die große Festivals von ihren Künstlern verlangen können. Etwa dass diese in dem selben Jahr bei keinen anderen Festivals in der Umgebung spielen dürfen. Das betrifft nicht nur die großen Acts, auch die kleinen, die dort die Bühnen mittags eröffnen und bei uns wiederum am späten Abend spielen würden. Diese Politik ist definitiv ein Riesenproblem für uns. Deshalb möchten wir in Zukunft mit größeren Festivals kooperieren, um durch unser Budget und derartige Verträge nicht so stark eingeschränkt zu sein. Wir wollen ja auch nicht jedes Jahr die selben Bands buchen.

Wodurch zeichnet sich das Green Juice Festival besonders aus?

Wir haben das Festival vor zwölf Jahren selber quasi hinterm Haus meiner Eltern gegründet, einfach weil wir selber Bock darauf hatten. Obwohl das Festival mittlerweile größer geworden ist, findet es noch immer mitten in Bonn-Vilich im Wohngebiet statt. Hier ist jeder willkommen, die Nachbarskinder besuchen unser Festival, ebenso wie die älteren Leute aus dem Altersheim oder auch die junge Familie mit ihrer Picknickdecke im Gepäck. Mittlerweile haben wir sogar einen Campingplatz, sodass auch Leute, die von weiter her kommen, nicht teuer Geld für eine Unterkunft ausgeben müssen.

Was sagen denn eigentlich die Nachbarn dazu, dass jeden August ein paar Tausend Musikfans hier in den Park strömen?

Wir verteilen immer noch persönlich jedes Jahr 1500 Briefe an die Anwohner, damit jeder genau über das Festival und den Ablauf informiert ist. Wir bieten auch exklusive Nachbarschaftstickets für das Festival für zehn Euro an, was wirklich viele nutzen. Offizielle Beschwerden hatten wir letztes Jahr nur eine einzige: Jemandem wurde die Einfahrt zugeparkt. Darüber musste ich wirklich vor Freude lachen und dachte mir nur: Wie cool sind unsere Nachbarn bitte?

Was ist Ihre größte Befürchtung, was in diesem Jahr schief laufen könnte? Und worauf freuen Sie sich am meisten?

Meine größte Befürchtung ist das Wetter – schon seit ein paar Jahren. In einem Jahr sind wir abgesoffen, im andern Jahr war es zu heiß. Am meisten freue ich mich tatsächlich auf das Pressefoto vom gesamten Team, wenn wir nach der letzten Band unseren Dank auf der Bühne aussprechen. Und auf das Feuerwerk zum Headliner, dessen Ablauf ich selber plane.

ZUR PERSON

Julian Reininger ist Mitbegründer des Bonner Musikfestivals Green Juice. Am 16. und 17. August spielen dort Bands wie Giant Rooks, Royal Republic, Sondaschule und Alli Neumann. (ksta)

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