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Hopp und die Beleidigungen der Ultras: Keine Lösung in Sicht

Es ist ruhig geworden im Konflikt zwischen Ultras, Dietmar Hopp und dem Deutschen Fußball-Bund. Doch der coronabedingte Ausschluss der Fans aus den Stadien hat das Problem nur aufgeschoben und keinesfalls gelöst, wie eine am Samstagabend ausgestrahlte ZDF-Dokumentation verdeutlicht. Auch in der Dortmunder Fanszene schwelen die Abneigung und die Wut über die „Lex Hopp“ im Hintergrund weiter.

Brisante Einblicke in das Verhältnis von Fußball-Fans und Hopp

Warum der langjährige Mäzen von Bundesligist 1899 Hoffenheim seit Jahren so attackiert wird, warum ihn Fans auf Bannern zur Zielscheibe machen und beleidigen, warum dahinter viel mehr steckt - dazu offenbarte „Der Prozess: Wie Dietmar Hopp zur Hassfigur der Ultras wurde“ bemerkenswerte und brisante Einblicke. Die Frage des Umgangs mit den Ultras sorgte gar für ein Zerwürfnis auf höchster Ebene im Deutschen Fußball-Bund.

Der 80-jährige Hopp selbst wollte sich nach Angaben des ZDF nicht äußern, das tat dafür sein Anwalt Christoph Schickhardt. Hopp sei bereit, den Ultras die Hand zu reichen, aber er wolle Taten sehen - heißt, eine Entschuldigung. „Er fühlt sich in seiner persönlichen Ehre auf Gröbste verletzt. Da kommen dann so Jungs, die noch grün hinter den Ohren sind, und schreien dann solche Beleidigungen. Und er steht da mit seiner Schwester, mit seinen Enkeln, mit seinen Freunden“, erklärte Fußball-Anwalt Schickhardt. Der langjährige Bayern-Präsident Uli Hoeneß sieht das genauso. Die Fans könnten doch mal den ersten Schritt machen und sich bei Hopp entschuldigen.

Uli Hoeneß mahnt Opfer und Täter nicht zu verwechseln

Der Zwist eskalierte Ende Februar 2020 beim Bundesligaspiel des FC Bayern bei Hoffenheim, die Partie stand kurz vor dem Abbruch. Hoeneß räumt ein, er habe zwei Tage zuvor bei einem Treffen mit Fans „etwas läuten“ gehört, auch Hopp habe gewusst, dass etwas passieren könne. Die ganze Liga habe Bescheid gewusst, sagt hingegen einer von zwei Vertretern der Bayern-Fangruppierung „Schickeria“, die sich in dem Film äußern.

Die beiden erwachsenen Männer - keineswegs grün hinter den Ohren - verweisen ihrerseits auf Strafverfahren, mit denen Fans, auch viele Anhänger von Borussia Dortmund, überzogen wurden. Einer von ihnen wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er am Zaun im Sinsheimer Stadion herumgeklettert war. Dort durfte das ZDF nach eigenen Angaben für die Dokumentation nicht drehen. Schickhardt gab sich nach Ansicht der Bilder überzeugt, er hätte für den Fan vor Gericht eine Verurteilung verhindert. Hoeneß mahnt, Opfer und Täter nicht zu verwechseln, Hopp oder Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge den Schwarzen Peter zuschieben zu wollen, sei „pervers“.

„Schickeria“-Fan verlangt Rücknahme der Kollektivstrafe für BVB-Fans

Die obszöne Wortwahl sei nicht der normale Sprachgebrauch, doch mit normaler Sprache „hätten wir niemals im Leben Gehör gefunden“, sagt einer der Fans. Wofür? Vielleicht dafür, dass Geld doch Tore schießt? Hätten es Klubs wie Hoffenheim oder RB Leipzig denn aus eigener Kraft wirklich dahin geschafft, wo zum Beispiel auch Borussia Dortmund ist?

Einer der beiden „Schickeria“-Fans verlangte die Rücknahme der Kollektivstrafe für die Dortmunder Fans: „Das ist das Einfachste, was passieren kann.“ Die beleidigende Wortwahl sei aus Solidarität mit den Dortmundern gewählt, erklären die Fan-Vertreter. Das DFB-Sportgericht hatte im Februar 2020 Fans des BVB für zwei Jahre für Gastspiele bei den Kraichgauern ausgeschlossen und damit eine Bewährung widerrufen. Diese Kollektivstrafe sei ein „Tabubruch“, der alle Fans angehe.

BVB-Fans und das Banner mit Hopp im Fadenkreuz

Der Hintergrund: BVB-Fans hatten unter anderem ein Banner mit Hopp als Ziel in einem Fadenkreuz aufgehängt und ihn diffamiert. Ein Zuschauer-Teilausschluss für drei Jahre wurde vom DFB-Kontrollausschuss zunächst noch zur Bewährung ausgesetzt. Als die TSG Hoffenheim im Dezember 2019 auf Geheiß von Hopp vor dem Dortmunder Gastspiel in Sinsheim Betretungsverbote für mehr als ein Dutzend BVB-Fans aussprach, eskalierte die Lage. Die Bewährung wurde aufgehoben. Auch beim nächsten schwarzgelben Gastspiel im Kraichgau in der Saison 2021/22 bleibt der Gästeblock leer.

Bei der Kollektivstrafe kommt der Deutsche Fußball-Bund ins Spiel und mit ihm sein Ex-Präsident Reinhard Grindel und seine Erklärung aus dem Jahr 2017, dass es diese Sanktion nicht mehr geben solle. Der nach wie vor amtierende Vizepräsident Rainer Koch sah das laut Grindel anders.

„Mein Verhältnis zu Rainer Koch ist durch diese Entscheidung ganz wesentlich nicht nur belastet, sondern fast zerstört worden“, sagte Grindel in dem Film. Koch habe sogar die „absurde Idee“ gehabt, verdeckte Ermittler aus Sicherheitsfirmen in die Fan-Blöcke einzuschleusen. Das wies Koch auf ZDF-Nachfrage zurück. Der Richter erinnerte an die Gesetze als oberste Richtschnur.

BVB-Berater Gruszecki sieht Büchse der Pandora geöffnet

Grindel räumte auch ein, er habe die deutsche EM-Bewerbung für 2024 im Blick gehabt und schöne Bilder aus den Stadien haben wollen. Sollten Fans irgendwann zurückkehren, dürfte es wohl auch die Banner und diffamierenden Sprechchöre gegen Hopp wieder geben.

Mit den Klagen gegen die Fans sei die Büchse der Pandora geöffnet, eine rebellische Jugendkultur sei nicht mehr dahin zu erziehen, keine Grenzen mehr zu überschreiten, sagte der langjährige Ultra und jetzige BVB-Berater Jan-Henrik Gruszecki. Aber gehören Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie zu dieser Art von Jugendkultur? „Sind beleidigende Gesänge im Fußball strafbar?“, fragt Gruszecki.

Mit Dokumentation will Jochen Breyer ein Versäumnis nachholen

Für traditionsbewusste Fans ist die TSG Hoffenheim wie RB Leipzig ein Produkt der fortschreitenden Kommerzialisierung im modernen Fußball, die sie strikt ablehnen. Hopp selbst hatte vor rund einem Jahr im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF gesagt, „mich zum Gesicht für den Kommerz zu machen, ist wirklich nicht nachvollziehbar“. Nachfragen auf den Video-Einspieler waren nicht möglich.

Die Kritik daran habe sehr an ihm genagt, räumte der damalige Moderator und Autor des Films, Jochen Breyer, in der „taz“ ein. Die Dokumentation sei der Versuch, das nachzuholen, was damals versäumt worden sei. Der Journalist hatte einige Monate vor dem Interview einen Neujahrsempfang der TSG moderiert und zuletzt dem NDR mitgeteilt, dies sei eine einmalige Sache gewesen, deren Wirkung er unterschätzt habe.

mit dpa-Material

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