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Hotels in den Ammergauer Alpen  „kämpfen ums Überleben“

Das Parkhotel in Bad Bayersoien hatte in 30 Jahren keinen einzigen Schließtag - bis Corona kam.

Über herbe Einbußen und ausbleibende Gäste klagen die Nobel-Hotels in den Ammergauer Alpen. Der Tourismuschef fordert eine Unterstützung durch die Politik.

„Es gibt kein Rezept für diese Situation“ – „Die größte Herausforderung, die ich als Hotelier je hatte“ – „Die Lage ist sehr ernst“ – „Man überlegt wirklich, ob man nicht ganz zusperren soll“.

Es sind erschreckende, alarmierende Aussagen, die von den Hotel-Eigentümern in den Ammergauer Alpen kommen. Der Geschäftsführer des lokalen Tourismusverbands, Florian Hoffrohne, nennt es „eine besondere Situation, die bayernweit einmalig ist“, und fordert eine Unterstützung durch die Landesregierung oder das Wirtschaftsministerium. Nicht nur Einbrüche durch die Corona-Pandemie musste das Gewerbe verkraften, in der Region sind auch durch die Absage bzw. Verschiebung der Passionsspiele auf 2022 Hunderttausende von Übernachtungen im Zeitraum von Mai bis Oktober weggebrochen. Zur Kenntnisnahme: In einem normalen Tourismusjahr erwirtschaftet das Tal eine Wertschöpfung von rund 175 Millionen Euro. Von dieser Marke wird man in diesem Jahr meilenweit entfernt sein.

Die Redaktion hat sich bei einigen Hotels umgehört und um eine aktuelle Einschätzung der Situation gebeten.

Hotel Schillingshof, Bad Kohlgrub

Geschäftsführer Randolf Thomas formuliert es drastisch: „Wir kämpfen quasi ums Überleben.“ 80 Prozent des Stammmarktes seien durch Corona verloren gegangen – internationale Gäste, Bus- und Motorradgruppen, Messegäste, Event-Agenturen und Tagungen. Außerdem standen plötzlich die fest gebuchten Zimmer mit 135 Passionsgästen in dem Vier-Sterne-Hotel leer. Schwere Kost. Und heute? Das Geschäft mit Urlaubern sei sehr flau angelaufen: „Man spürt einfach eine gewisse Verunsicherung bei den Gästen, in ein Hotel zu gehen. Dabei erfüllen wir alle Hygienevorschriften und Auflagen bis ins letzte Detail. Das macht jedoch einen erhöhten Personalaufwand bei wenig Gästen notwendig.“ 50 Mitarbeiter, davon fünf Azubis, beschäftigt der Schillingshof. Alle befänden sich laut Thomas prozentual noch in der Kurzarbeit: „Das ist schon wichtig für einen Betrieb, der sieben Tage lang rund um die Uhr geöffnet ist.“ Der Franke bleibt bei all den Hiobsbotschaften aber optimistisch: „Wir haben ein starkes Team und werden diese Zeit gemeinsam durchstehen!“

Romantik-Hotel Böld, Oberammergau

Das komplette Haus mit 52 Zimmern (105 Betten), dazu noch das Restaurant mit 240 Sitzplätzen, hatte „der Böld“ für Gäste der Passionsspiele reserviert. 100 Prozent Auslastung – über Nacht dann von Mai bis Oktober auf Null herunter gefahren! Eine Kunde wie ein Hammerschlag. Wie für viele andere Hoteliers mit Passions-Arrangements und Einzelgästen war dies auch für Claudia Hans ein schwer zu verdauende Katastrophe. Durch Corona blieben auch Kursteilnehmer der Nato-Schule, ein wichtiger Umsatzbringer in Oberammergau, fern: „Die haben wir schmerzlich vermisst. Die erste Buchung von der Schule haben wir nun wider für den 16. August bekommen.“ Aufgrund der prekären Lage sah sich Hans gezwungen, erst einmal das Restaurant gänzlich zu schließen. Es gibt momentan im Böld nur Frühstück. Aktuell liegt die Auslastung bei 50 Prozent: „Im Juni werden wir mit 45 Prozent rauskommen“, schätzt die Hotel-Chefin. Bemerkt hat die Unternehmerin, „dass jetzt verstärkt jüngere Gäste zwischen 30 und 40 Jahren und Aktiv-Urlauber kommen.“ In der allgemeinen Einschätzung sieht Claudia Hans „einen leichten Silberstreif am Horizont“.

Hotel Ludwig der Bayer, Ettal

Ein außergewöhnliches Jubiläum konnte vergangenes Jahr in Ettal gefeiert werden. Seit 400 Jahren gibt es das Vier-Sterne-Klosterhotel Ludwig der Bayer. Ernüchterung im Folgejahr: 140 Passionsgäste blieben aus. Inzwischen ist Hoteldirektorin Stefanie von Külmer mit der Belegung der 90-Zimmer-Herberge einigermaßen zufrieden: „Wir liegen derzeit bei 50 bis 60 Prozent Auslastung, unsere zehn Ferienwohnungen sind komplett belegt.“ Um einiges schwieriger gestaltet sich das Restaurant-Geschäft mit einer Gesamtkapazität für 500 Personen, denn die Busse, die sonst immer viele Touristen nach Ettal gebracht haben, fehlen komplett seit Ausbruch von Corona. Auch musste man sämtliche Hochzeiten – in normalen Jahren 12 bis 15 – canceln. Den Gedanken, vielleicht komplett zuzusperren, verwarfen die Verantwortlichen in Ettal – von Külmer: „Pater Johannes ist der Meinung, dass dies keine Option ist.“ Das Ludwig der Bayer lebe von vielen Stammgästen, die dem Haus die Treue halten. Personell gibt es in Ettal immer noch Kurzarbeit, die alle 67 Mitarbeiter betrifft. Eine große Sorge treibt Stefanie von Külmer um: „Hoffentlich verschärft sich die Lage nicht wieder, wenn viele aus dem Urlaub zurückkehren.“

Parkhotel, Bad Bayersoien

Im Mai existierte das Vier-Sterne-Parkhotel am Bayersoier See seit 30 Jahren. In dieser Zeit habe es nach Aussage von Direktor Wolfgang Friedel „keinen einzigen Schließtag gegeben“. Bis Corona kam. Momentan ist es „echt schlimm“, mit 30 bis 35 Gästen, bei einem Kontingent von 180 Betten. Durch die Passion waren 73 Zimmer betroffen – heftig! Während Kollegen an Nord- und Ostsee volle Häuser melden, sei von diesen Strömungen laut Friedel „hier wenig zu spüren“. Ohne Stammgäste wäre die Situation noch trostloser. Empfehlungen von Verbands-Funktionären gehen dahin, jetzt noch einmal verstärkt in die Werbung zu gehen und zu den Ursprüngen zurück zu kehren und eine ganz neue Gäste-Klientel aufzubauen. Die Kurzarbeiterregelung, so Wolfgang Friedel, helfe auf jeden Fall weiter. Alle 80 Mitarbeiter seien wechselweise davon betroffen. Und wie schaut die Zukunft aus? Ist der Sommer 2020 schon verloren? Sollte man nicht ganz zusperren? Alles Fragen, auf die der Hotelier momentan keine Antworten weiß.

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