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Huglfinger Pfarrkirche St. Magnus: Bald kein Glockenläuten mehr?

Setzen sich für eine neues Geläut ein: Pfarrer Thomas John Mukalayil (l.) und Kirchenpfleger Ernst Birke

Es muss relativ schnell gehen. Wenn nicht, „dann kommt der Tag, wo wir alles abschalten müssen“, sagt Huglfings katholischer Pfarrer Thomas John Mukalayil. Die Pfarrkirche St. Magnus braucht dringend vier neue Glocken und einen neuen Glockenstuhl.

Huglfing – Bereits seit Juni 2017 wissen die Verantwortlichen der Pfarrkirchenstiftung, dass dem Geläut im Tuffstein-Kirchturm das letzte Stündlein geschlagen hat. Damals kam Pater Stefan U. Kling, amtlicher Glockensachverständiger des Bistums Augsburg, nach einer Inspektion zu dem schriftlich festgehaltenen Ergebnis: „Für eine umfassende und dauerhafte Instandsetzung der Glockenanlage sollte aufgrund des Zustands des jetzigen Glockenstuhls und der Eisenglocken spätestens mittelfristig (das heißt, nicht später als in circa fünf Jahren) der Einbau eines neuen Glockenstuhls aus Holz samt Instandsetzung der Auflagerbalken und der Guss neuer Bronzeglocken angestrebt werden.“

Der Augsburger Sachverständige hatte am eisernen Glockenstuhl deutlichen Rostauftrieb festgestellt, der Teile sogar auseinandertrieb: „Hier dürften sich vermutlich bereits Schrauben und Nieten gelockert haben“, heißt es in dem zweieinhalbseitigen Gutachten. Zudem ergab die Prüfung, dass der mittlere Auflagerbalken aus Holz „völlig verrottet“ war. Über die Glocken, die 1946 aus minderwertigem Eisenhartguss hergestellt wurden, schrieb Pater Kling: „Die Glocken sind sehr stark korrodiert und porös. An mehreren Stellen, besonders im oberen Bereich an der sog. Schulter, weisen sie große Lunker und Löcher auf.“ Der Experte kam zu dem Ergebnis: „Größere Investitionen an der jetzigen Anlage sind wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll.“

Wartungsfirma wollte Haftung nicht mehr übernehmen

Pater Kling riet dazu, die Glocken nur noch eingeschränkt und kurzzeitig zu läuten. Außerdem müsse die Korrosion des Glockenstuhls regelmäßig beobachtet werden: „Wenn der Rostauftrieb noch weiter voranschreitet, ist das Geläut stillzulegen.“ 2020 drohte die Wartungsfirma dann, das Geläut tatsächlich stillzulegen, weil sie die Haftung nicht mehr übernehmen wollte. Mit einer von örtlichen Fachleuten entwickelten kostengünstigen Zwischenlösung konnte die Kirchenstiftung noch mal Zeit gewinnen, auch um die Finanzierung der neuen Anlage auf den Weg zu bringen. Experte Kling hat Mitte Oktober erneut die Anlage inspiziert und festgestellt: Der Zustand der Glockenanlage hat sich weiter verschlechtert. Jetzt muss umgehend gehandelt werden.

„Die Maßnahme stellt für uns einen großen finanziellen Kraftakt dar, da keine Geldmittel der Diözese oder anderer Stellen zu erwarten sind. Aber eine Kirche ohne Geläut, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Das gehört einfach zu einem Dorf wie unserem“, sagt Kirchenpfleger Ernst Birke. Der gebürtige Huglfinger möchte die etwa 250 bis 270 000 Euro, die ihm in einer ersten Kostenschätzung genannt wurden, möglichst in zwei Jahren zusammenbringen – vor allem durch eine Spendenaktion: „Das ist eine kurze Zeit. Aber wenn ein Ort etwas will, dann schafft er das.“

Spendenaktion geplant

Die Kirchverwaltung hatte entschieden, zuerst die Renovierung der Sebastiani-Kapelle durchzuführen und das Kirchenschiff zu reinigen. Pater John und Birke gehen davon aus, dass diese Arbeiten in den nächsten Monaten abgeschlossen werden. Danach soll das Glockengeläut-Projekt in Angriff genommen werden: „Wir verhindern so, dass die finanzielle Situation aus dem Ruder läuft“, so der Kirchenpfleger. Die Spendenaktion soll im kommenden Frühjahr starten. Birke setzt dabei auf die Bürger, die politische Gemeinde und die heimische Wirtschaft. Schon die alten Glocken, die nach Kriegsende angeschafft wurden, sind von Huglfingern finanziert worden.

VON RALF SCHARNITZKY