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Hungerstreik in chinesischem Gefängnis: Journalisten und Amnesty zeigen Solidarität für Bloggerin Zhang Zhan

Hungerstreik in chinesischem Gefängnis : Journalisten und Amnesty zeigen Solidarität für Bloggerin Zhang Zhan

Die Bloggerin Zhang Zhan sitzt in Haft, weil sie kritisch über die Zustände in Wuhan zu Beginn der Pandemie berichtet hatte. Seit mehreren Monaten befindet sie sich im Hungerstreik. Ihr körperlicher Zustand sei extrem schlecht, warnt ihr Bruder. Was hinter dem Fall steckt.

Bei Twitter haben mehrere Journalistenverbände und Amnesty International am Montag (29. November) auf das Schicksal der chinesischen Bloggerin Zhang Zhan aufmerksam gemacht. Unter dem Hashtag #ZhangZhan solidarisierten sich unter anderem Journalisten, Politiker und Institutionen mit der Bloggerin und forderten ihre Freilassung.

Frank Überall, der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, schrieb, was mit Zhang Zhan passiert sei, sei ein „furchtbarer Angriff auf die Pressefreiheit“. Deniz Yücel, der selbst ein Jahr lang in der Türkei wegen seiner Berichterstattung im Gefängnis gewesen war, twitterte: „Journalismus ist kein Verbrechen" und forderte die Bundesregierung dazu auf, der inhaftierten Bloggerin zu helfen. Auch zahlreiche weitere prominente Medienschaffende bekundeten ihre Solidarität. Darunter die ZDF-Journalistin Dunja Hayali, die Publizistin Carolin Emcke oder der Kolumnist Jan Fleischhauer.

Zhang Zhan war eine der ersten chinesischen Reporterinnen und Reporter, die Anfang 2020 aus Wuhan von der dort grassierenden Corona-Pandemie berichteten, ohne sich dabei nach nach den Vorgaben des Staates zu richten. Ihre letzten Stunden in Freiheit sind nach wie vor auf Youtube dokumentiert. In den Abendstunden des 14. Mai 2020 filmt die 38-Jährige ein kurzes Selfie-Video mit ihrem Smartphone, im Hintergrund erkennt man den Bahnhof Hankou in Wuhan. Wenige Stunden später wird die Bürgerjournalistin festgenommen.

Vor rund einem Monat hatte bereits ihr Bruder Alarm geschlagen. Zhang Zhan, die eine vierjährige Haftstrafe absitzt, sei durch ihren mehrmonatigen Hungerstreik körperlich am Ende. Sie wiege bei einer Körpergröße von 1,77 Metern nicht einmal mehr 40 Kilogramm. „Sie wird den kommenden Winter möglicherweise nicht überleben“, schrieb Zhang Ju auf seinem Twitter-Account. Von Amnesty bis Human Rights Watch haben internationale Menschenrechtsorganisationen die chinesische Regierung dazu aufgerufen, Zhang Zhan endlich zu begnadigen. Auch die EU hat in der vergangenen Woche (23. November) von China die Freilassung der Bloggerin gefordert.

Dass sie überhaupt im Gefängnis sitzt, beweist die rigide Null-Toleranz-Politik, mit der der chinesische Staat gegenüber kritischen Stimmen vorgeht. Zhangs „Verbrechen“ sind 122 Videoclips, die sie im vergangenen Frühjahr während ihrer Recherche-Streifzüge durch Wuhan aufgenommen hat. Darin zeigte sie in verwackelten Aufnahmen die chaotischen Zustände in völlig überfüllten Spitälern, interviewte Bürger und kritisierte immer wieder die Regierung.

Zhang wurde 1983 in der nordwestlichen Provinz Shaanxi geboren. Über ihre Jugend ist wenig bekannt, außer dass sie in Chengdu Finanzwissenschaften studiert hat. Später zog die praktizierende Christin nach Shanghai, wo sie als Anwältin arbeitete. Doch sie verlor schon bald ihre Anwaltslizenz – wie so viele andere Kolleginnen und Kollegen, die politisch heiklen Fällen nachgingen.

Zhang setzt ihr Engagement auf anderem Feld fort. Sie wird Bürgerjournalistin und kritisiert auf sozialen Medien die „Ein-Partei-Diktatur“ Chinas und die Korruption der politischen Eliten. 2018 wurde sie erstmals von der Polizei vorgewarnt, im April 2019 gar für zehn Tage in Untersuchungshaft genommen. Der Vorwurf lautete – wie immer, wenn es im chinesischen Recht um Dissidenten geht – „Streit anzetteln und Ärger provozieren“.

Im September desselben Jahres folgte die erste, größere Eskalation. Während die pro-demokratischen Proteste in Hongkong jeden Samstag hunderttausende Demonstranten auf den Straßen mobilisierten, zog die 38-Jährige auf die belebte Fußgängerzone „Nanjing Road“ in Shanghai, um ihre Solidarität auszudrücken. „Ende des Sozialismus, nieder mit der Kommunistischen Partei“, prangte auf ihrem mitgeführten Regenschirm. Rund zwei Monate wurde sie daraufhin in Untersuchungshaft gesperrt, und schon damals protestierte Zhang mit Hungerstreik.

Diese Form des Wiederstands hat sie nun erneut eingeschlagen. Als Zhangs Prozess Ende 2020 anfing, erschien sie körperlich bereits deutlich geschwächt im Gerichtssaal. Mental jedoch zeigte sie sich kampfbereit: „Glauben Sie nicht, dass Ihr Gewissen Ihnen sagen wird, dass es falsch ist, mich auf die Anklagebank zu setzen?“, sagte sie zu dem vorsitzenden Richter.

Dieser wollte schließlich von Zhang Zhan wissen, ob die Anschuldigungen wahr sind. Statt direkt zu antworten, entgegnete die Angeklagte mit einer historischen Anspielung: „In der Han-Dynastie war Verleumdung gegen die Regierung noch kein Verbrechen“. Daraufhin, so berichtet es Zhangs Verteidiger, hätten sich Staatsanwaltschaft und Richter nur ungläubig angeschaut.