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Im Amt bestätigt: Henriette Reker, die unkölsche Kölnerin

Henriette Reker ist die erste Frau, die eine deutsche Millionenstadt führt. Am Sonntag wurde sie von den Wählern im Amt bestätigt. Dabei verkörpert sie eigentlich das Gegenteil dessen, was in Köln ankommt.

Henriette Reker ist eine gebürtige Kölnerin, aber sie ist nicht das, was man sich gemeinhin unter einer „Kölschen“ vorstellt. Weder spricht sie mit rheinischem Idiom, noch ist ihr jene Leutseligkeit eigen, die in der Frohsinnsmetropole lange als Voraussetzung für hohe Ämter nicht nur im Karneval galt. Reker kann steif und förmlich wirken, vor allem wenn Kameras dabei sind. Sie ist keine geborene Performerin. Und eine talentierte Rednerin ist sie auch nicht.

Vor diesem Hintergrund mag es manchen überraschen, dass sich die 63-Jährige am Sonntag bei der Oberbürgermeister-Stichwahl gegen den SPD-Herausforderer Andreas Kossiski durchgesetzt hat. Doch gerade das Unkölsche dürfte ihr zugutegekommen sein, denn die Kölner misstrauen seit langem ihrer eigenen Stadt.

Zwar sind sie für ihren Lokalpatriotismus bekannt, aber seit dem Einsturz des Stadtarchivs 2009 gibt es niemanden mehr, der noch die alte Weisheit „Et hätt noch immer jot jejange“ (Es ist noch immer gut gegangen) im Munde führt. Klüngel, Schlendrian und Misswirtschaft sind Dauerthemen im öffentlichen Diskurs.

Reker hat sich als Gegenpol zur Kumpanei des schon von Oberbürgermeister Konrad Adenauer beherzigten „Mer kenne uns, mer helfe uns“ (Wir kennen uns, wir helfen uns) profiliert. Sie ist keine Vollblut-Politikerin, eher eine Verwaltungsexpertin und Managerin. Bevor sie als erste Frau an die Spitze einer deutschen Millionenstadt gewählt wurde, war sie Sozialdezernentin in Gelsenkirchen und Köln. Steht sie rechts oder links? Schwer zu sagen, denn im Wahlkampf wurde sie von den Grünen und der CDU unterstützt.

Wie erfolgreich Reker in ihrer ersten Amtszeit gewesen ist, wird naturgemäß unterschiedlich beurteilt. Angetreten ist sie mit dem Anspruch, die viertgrößte Stadt Deutschlands mit 1,1 Millionen Einwohnern in die „Champions League“ der Metropolen zurückzuführen. Es dürfte kaum jemanden geben, der die Meinung vertritt, dass dieses Ziel schon erreicht worden ist. Zahlreiche Projekte im Wohnungsbau, bei der Verkehrsplanung oder im Kulturbereich kommen nur schleppend voran.

Doch die Wähler waren offenbar entschlossen, Rekers Wunsch zu entsprechen und sie ihre Arbeit zu Ende führen zu lassen. Wesentlich mitgespielt haben dürfte, dass sie weithin als integere Persönlichkeit respektiert wird. Obwohl das Messerattentat eines Rechtsextremisten sie 2015 fast das Leben gekostet hätte, bewahrte sie sich die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen. Ihr Eintreten gegen jede Form von Diskriminierung und Rassismus geschieht mit Konsequenz und Überzeugung.

Ihr Ziel für die nächsten fünf Jahre formulierte sie am Sonntagabend im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur wie folgt: „Ich bin ganz sicher, dass in fünf Jahren jedem, wenn er nach der viertgrößten Stadt Deutschlands gefragt wird, Köln einfällt und er nicht überlegen muss, ob das Frankfurt sein könnte.“

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