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„Impfen in Apotheken? Lächerlich!“ Leiter von Auer Impfzentrum spricht Klartext - Kritik an Test-Situation

Von: Armin Forster

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Dr. Anton Freilinger vor dem Auer Impfzentrum
Rund 90 Patienten verabreicht das Team um Dr. Anton Freilinger jeden Vormittag ein Vakzin gegen Covid-19. Das Auer Impfzentrum ist eine Außenstelle von Freising. © Hellerbrand

Im Interview nennt der Leiter des Auer Impfzentrums aktuelle Zahlen, kritisiert Pläne der Politik - und thematisiert die Unterversorgung mit Corona-Tests.

Au/Hallertau – Neben Freising gibt es zusätzlich eine Auer Außenstelle des Impfzentrums. Das FT hat dessen Leiter, Dr. Anton Freilinger, angerufen und ihn um einen Wasserstandsbericht gebeten. Dabei kamen auch neue Hürden bei der Test-Versorgung zur Sprache.

Freisinger Tagblatt: Herr Freilinger, störe ich Sie gerade beim Impfen?

Dr. Anton Freilinger: Nein, ich wollte eh gerade telefonieren und das Gesundheitsamt anrufen.

Weshalb, wenn ich fragen darf?

Wir haben das Problem, dass es in Au keine tägliche Testmöglichkeit mehr gibt. Dass die Leute an manchen Tagen extra nach Freising in die Luitpoldhalle fahren müssen, ist doch eine Zumutung. Ich denke da an Eltern, die ihre Kinder testen lassen müssen, um zum Beispiel zur Musikschule gehen zu dürfen. Da ist die Extra-Fahrt nach Freising äußerst aufwändig.

Wer hat bislang getestet?

Von Freitag bis Sonntag testet nach wie vor das BRK (Details siehe Textende; d. Red.). Die Sonnen-Apotheke in Au hat auch an Werktagen Tests angeboten. Aber wie ich erfahren habe, wurde das zum 1. Dezember eingestellt. Jetzt redet die Politik darüber, dass Apotheken auch noch impfen sollen. Wenn Sie mich fragen: Das ist lächerlich! Die müssten dann ja auch die Notfallversorgung übernehmen – aber dafür wurden sie gar nicht ausgebildet. Wenn sie schon nicht mal die Tests stemmen können, wie sollen sie dann das Personal und die nötigen Räume dafür aufbringen?

Weshalb ich eigentlich angerufen hatte: Wie läuft’s in Ihrem Impfzentrum?

Wir tun, was wir können. Heute zum Beispiel sind 92 Personen angemeldet, und das nur von 8 bis 12 Uhr. Wir öffnen nur Vormittags.

Wie groß ist Ihr Team?

Es besteht aus zwei Ärzten und vier Medizinischen Fachangestellten. Wir sind leider selbst so ausgelastet, dass wir nicht nebenbei noch die wellenförmig ablaufenden Test-Anforderungen miterfüllen können. Da kommen mal ganz plötzlich viele Leute, dann wieder gar keiner. Dennoch ist der Wunsch an mich herangetragen worden, und ich versuche das jetzt eben zu organisieren.

Wie sieht die Versorgung mit Impfstoff aus?

Die Termine werden uns ja zentral über das Bayerische Impfportal zugeteilt und damit auch die nötigen Impfstoffe. Das Freisinger Impfzentrum weiß, welche Stoffe wir brauchen. Die meisten Leute, die zu uns kommen, hätten gerne BioNTech, aber die Auswahl treffen nicht wir, es gibt ganz klare Empfehlungen. Und es ist jeder Impfstoff gut. Wenn der Stoff knapp ist, ist jeder besser, als gar keiner.

Man merkt, dass einige dabei sind, die sich jetzt erst unter dem Druck der Öffentlichkeit und der Repressalien aufraffen.

Wie hoch ist der Anteil an Erstgeimpften?

Gestern zum Beispiel hatten wir 95 Prozent Dritt-, ein bis zwei Zweit- und fünf Erstimpfungen. Zur Ehrenrettung: Einer war ein Bub, der gerade erst zwölf Jahre alt geworden ist. Wenn ein 30-Jähriger zur Erstimpfung kommt, werde ich mich natürlich nicht mit dem anlegen und sagen: Jetzt wird’s aber Zeit! Im Gegenteil, ich freue mich auch über so jemanden. Man merkt, dass einige dabei sind, die sich jetzt erst unter dem Druck der Öffentlichkeit und der Repressalien aufraffen. Dann gibt es auch täglich eine Handvoll Menschen, die trotz Termin nicht auftauchen. Wir haben dafür eine Liste mit dringlichen Fällen, damit wir nichts wegwerfen müssen.

Wann bekäme ich einen Impftermin, wenn ich mich jetzt anmelden würde?

Ich habe gehört, dass Termine angeblich bis Mitte Januar vergeben sind.

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Die Politik erhöht den Druck, sich impfen zu lassen – gleichzeitig kann nun die Nachfrage nicht gestillt werden. Wie lautet dazu Ihre Meinung?

Die Verfügbarkeit wird sicher wieder besser werden, momentan herrscht halt gerade ein Run. Ich hab’ keine Angst, dass jemand zu kurz kommt. Und bei den Auffrischungsimpfungen darf man nicht so kleinlich sein: Wenn meine Impfung am 1. Juni war, muss ich nicht auf den Tag genau sechs Monate später meinen Booster bekommen. Der Impfschutz kennt hier kein Datum, er läuft nicht pünktlich ab. Das muss man von der praktischen Seite her betrachten und abwickeln: Ich bin schon dafür, dass die Gefährdeten – beispielsweise über 90-Jährige, schwer Zucker- oder Lungenkranke – eher geimpft werden und ein Gesunder nach sechs Monaten noch ein paar Wochen warten muss, bis er aufgefrischt wird.

Also kein Vorwurf an die Verantwortlichen?

Ob die Politik das mit der Bestellung vermasselt hat, obliegt nicht meiner Einschätzung. Ganz ehrlich: Ich möchte auch kein Politiker sein in der heutigen Zeit. Was du machst, machst du falsch. Irgendwer findet immer ein Haar in der Suppe.

Aufgrund der hohen Nachfrage nach Corona-Schnelltests bietet das BRK-Testzentrum an der Auer Hochfeldstraße 51 zwei Zusatztermine an den Dienstagen 7. und 14. Dezember, jeweils von 18 bis 19 Uhr, an. Weiterhin hat das Testzentrum wie gewohnt am Wochenende geöffnet: freitags von 17 bis 19 Uhr, samstags und sonntags jeweils von 9 bis 11 Uhr. Die Terminvereinbarung ist unter schnelltest.brkau.de möglich.

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