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In Kassel und Umgebung unterwegs mit einem Pannenhelfer

Wer eine Panne hat, hat ein Problem. Das möglichst schnell zu lösen ist der Job von Pannenhelfern. Thorsten Förtsch ist seit über 20 Jahren als Straßenwachtfahrer für den ADAC auf den Straßen Nordhessens unterwegs. Wir haben ihn begleitet.

Es stürmt und regnet. „Sabine“ zeigt, dass sie noch da ist. Ein älteres Ehepaar hat gerade seine Einkäufe gemacht und steht auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes an der Frankfurter Straße in Kassel. Ihr kleiner Kia springt nicht mehr an. Die Batterie ist kaputt. In Situationen wie diesen ist jeder froh, dass es Pannenhelfer gibt. Einer von ihnen ist Thorsten Förtsch.

Das Ehepaar steht nicht lange im Regen, denn Förtsch sitzt bereits in seinem gelben Ford S-MAX und ist gleich um die Ecke. Es ist 10.30 Uhr, als Förtsch dem Kia auf dem Parkplatz kurz Starthilfe gibt. „Sie sollten jetzt gleich zu Ihrer Werkstatt fahren und die Batterie tauschen, sonst springt er beim nächsten Mal wieder nicht an.“

"So ein bisschen auf MacGyver-Art"

Gelernt hat Förtsch Kfz-Elektriker und Servicetechniker bei BMW in Kassel. Seit 1999 ist er für Deutschlands größten Pannenhilfedienst auf den Straßen in ganz Nordhessen unterwegs. „Man muss improvisieren, so ein bisschen auf MacGyver-Art, und man muss die Leute beruhigen“, sagt er, denn: Wer eine Panne hat, hat Stress.

Förtsch hat Berufserfahrung und auf dem Weg zum Auftrag oft eine Idee, was das Problem sein könnte. Um auf dem Laufenden zu bleiben, erhalten die Pannenhelfer beim ADAC viermal im Jahr Technikinformationslehrgänge. Aber auch der enge Kontakt mit den Werkstätten sei hilfreich, sagt Förtsch. 

Trotzdem ist er auf die Ehrlichkeit der Leute angewiesen. Auf der Fehlersuche müssen bestimmte Dinge ausgeschlossen werden, weshalb eine ehrliche Auskunft der Kunden wichtig ist. Die meisten Kunden seien aber kooperativ und freundlich. So wie Michael Werner aus Fuldatal. Er ist zwar zu Hause, aber sein Auto springt nur schwer an und läuft unrund, hat Werner der Zentrale gemeldet.

Mit einem Anruf den Druck rausnehmen

Es ist 11.30 Uhr und Thorsten Förtsch zu ihm unterwegs. Kurz vor Eintreffen ruft Förtsch an: „Ich bin so in zwei, drei Minuten bei Ihnen.“ Der Kontakt per Telefon ist wichtig, erklärt Förtsch, „damit nimmt man den Druck raus.“ Die Leute wissen dann, dass gleich Hilfe da ist. 

Als der Pannenhelfer ankommt, freut sich Michael Werner. „Das ging aber schnell“, sagt er. „Gestern schnurrte er noch wie ein Kätzchen“, erklärt Werner und zeigt auf sein Auto. Heute leider nicht mehr. Es gibt ein Problem mit der Steuerkette. Fahren darf das Auto nicht mehr, sonst droht ein Motorschaden. Jetzt muss abgeschleppt werden. Das Auto soll in die Werkstatt. Am besten nach Vellmar, meint Werner, also entscheiden Förtsch und er sich für das Abschleppen per Seil. 

Wenn das Auto nicht mehr fahrtüchtig ist, wie bei diesem Einsatz in Fuldatal, wird abgeschleppt. 

Der Werkstatt sagt Förtsch noch, was er herausgefunden hat und dann geht es auch schon weiter. Es ist 12.45 Uhr und Förtsch wird wieder ein Batterieproblem gemeldet, wieder in Kassel. Das ist schnell gelöst. Der schwarze Opel braucht nur Starthilfe.

Mit einem Lächeln zum Kunden

Der Pannenhelfer versucht stets, mit einem Lächeln zum Kunden zu kommen. „Wenn ich mal einen schlechten Tag habe, sage ich mir irgendwas Lustiges, bevor ich aussteige. Gänseblümchen zum Beispiel, das ist doch ein witziges Wort“, sagt Förtsch.

In über 20 Jahren gab es aber auch immer wieder Kurioses. Beispielsweise als eine ältere Dame meldete, sie käme nicht an ihren Schlüssel. Förtsch fuhr hin und stellte fest: Sie meinte ihren Wohnungsschlüssel. Geholfen hat er ihr natürlich trotzdem. Mit Erlaubnis der Dame kletterte er durch ein offenes Fenster, um ihr die Tür von innen zu öffnen. 

„Es ist immer was Neues und mit den Leuten in Kontakt zu kommen, das ist schön“, sagt Förtsch. Das mache den Job aus. „Mir macht der Job wirklich Spaß und ich möchte auch nichts anderes mehr machen.“