Das schnelle Bier fürs kleine Geld auf dem Weg ins Nachtleben, der gesellige Treffpunkt für Bewohner aus dem Kiez: Dem Beisammensitzen vor den Spätkaufs in Mitte droht das Aus.

Von Johannes Malinowski und Simon Schulz

Das Berliner Verwaltungsgericht hat in einem Eilbeschluss die Entscheidung des Bezirksamts Mitte bestätigt, dass Tische und Bänke („Schankvorgärten“) vor Spätis nicht mehr zulässig sind. Heißt im Klartext: Im Stehen ist das Trinken erlaubt, im Sitzen nicht. Im Angebot ist am besten nur noch „stilles“ Wasser…

keine Bänke vor Späti , Berlin , Rosenthaler Platz , Gabriel , John alles Touris (Foto: Olaf Selchow)
keine Bänke vor Späti , Berlin , Rosenthaler Platz , Gabriel , John alles Touris (Foto: Olaf Selchow)

Grund für den Streit vor Gericht: Ein Späti-Betreiber hatte gegen den Bezirk geklagt, weil seine Ausschank-Genehmigung nicht verlängert wurde. Das Verwaltungsgericht begründet seine Entscheidung damit, dass Schankvorgärten vor Spätis vor allem nachts zu größeren Personenansammlungen führten. Die Folgen: Lärmbelästigung und Behinderung des Fußgängerverkehrs.

„Das Urteil folgt der Logik, dass Schankvorgärten für Schankwirtschaften konzipiert wurden“, sagt Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (53, Grüne).

Anwohner Max (20): „Alle Nachbarn im Haus beschweren sich, dass der Kiosk zu laut ist, wegen der vielen Gäste. Aber hier sind überall Bars. Ich habe mir hier beim Späti immer mein Bier im Schlafanzug geholt (Foto: Olaf Selchow)
Anwohner Max (20): „Alle Nachbarn im Haus beschweren sich, dass der Kiosk zu laut ist, wegen der vielen Gäste. Aber hier sind überall Bars. Ich habe mir hier beim Späti immer mein Bier im Schlafanzug geholt (Foto: Olaf Selchow)

Das Problem: Viele Spätis haben keine Toiletten für ihre Kunden. Andere Unternehmen hätten sich beschwert, dass die Späti-Besucher ihre Sanitäranlagen nutzten. „Das wilde Urinieren nahm Ausmaße an, die man nicht tolerieren kann“, so von Dassel.

Laut Bezirksbürgermeister gibt es alleine rund um den Rosenthaler Platz 15 Spätis. Von Dassel: „Klar ist, dass man immer Unternehmen findet, bei denen die bisherige Regelung keine Probleme gemacht hat und bei denen man diese Neuregelung nicht gebraucht hätte. Aber der Späti im Wohnkiez ist auf diese eine Bank auch nicht angewiesen.“

Yann (32) aus Wedding meint: „Die Späti-Kultur geht dadurch verloren. Es ist so schön als Treffpunkt. Bars dürfen bis zu sechs Personen an einem Tisch haben und Spätis nicht. Das ist schade. Ich wünsche mir die Bänke zurück“ (Foto: Olaf Selchow)
Yann (32) aus Wedding meint: „Die Späti-Kultur geht dadurch verloren. Es ist so schön als Treffpunkt. Bars dürfen bis zu sechs Personen an einem Tisch haben und Spätis nicht. Das ist schade. Ich wünsche mir die Bänke zurück“ (Foto: Olaf Selchow)

Kritik kommt vom Handelsverband Berlin-Brandenburg. „Das Verbot ist nichts, was wir begrüßen“, sagt Geschäftsführer Nils Busch-Petersen (56).

Und weiter: „Spätis mit Sitzbänken beleben das Straßenbild. Man kann das nicht auf einzelne Exzesse oder zu viel Krach reduzieren. Dagegen gäbe es juristische Mittel und Wege.“ Busch-Petersen hält es auch für problematisch, dass das Stadtleben gerade in einer Zeit, in der es wiederbelebt werden muss, so verödet: „Ich werde als Gastronomie-Betrieb nicht besser, indem ich anderen das Geschäft verbiete.“

Ladenbesitzer Murat Yildiz (46): „Ich verliere 500 bis 1000 Euro Umsatz am Tag ohne Bänke vor meinem Laden. Die Polizei kommt fast jedes Wochenende vorbei. Mir geht es dadurch schlecht. Das ist mein Brot. Seit 15 Jahren bin ich hier. In Corona- Zeiten sollen die Leute drinnen sitzen? Was soll das denn?“ (Foto: Olaf Selchow)
Ladenbesitzer Murat Yildiz (46): „Ich verliere 500 bis 1000 Euro Umsatz am Tag ohne Bänke vor meinem Laden. Die Polizei kommt fast jedes Wochenende vorbei. Mir geht es dadurch schlecht. Das ist mein Brot. Seit 15 Jahren bin ich hier. In Corona- Zeiten sollen die Leute drinnen sitzen? Was soll das denn?“ (Foto: Olaf Selchow)