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Ingo Metzmacher über „Die Vögel“ von Walter Braunfels an der Bayerischen Staatsoper

100 Jahre nach der Uraufführung spielt die Bayerische Staatsoper „Die Vögel“ von Walter Braunfels. Vor 50 Zuschauern und als letzte Premiere vor dem Lockdown. Ein Interview mit Dirigent Ingo Metzmacher.

Vor 1933 war Walter Braunfels einer der meistgespielten Komponisten Deutschlands und darüber hinaus. Gleichauf mit Richard Strauss. Aufgrund seiner jüdischen Wurzeln wurde er mit einem Aufführungsverbot belegt, seine Ämter – zum Beispiel als Direktor der Kölner Musikhochschule – musste er abgeben. Seitdem fristen seine Werke ein Schattendasein auf den Spielplänen. Braunfels’ bekannteste Oper „Die Vögel“ wurden im November 1920 im Münchner Nationaltheater uraufgeführt. Morgen bringt die Bayerische Staatsoper das Werk in einer Regie von Frank Castorf heraus. Dirigent ist Ingo Metzmacher. Wegen der Theaterschließungen bleibt es vorerst bei dieser einen Vorstellung.

Dirigent Ingo Metzmacher

Die Premiere darf nur vor 50 Leuten gespielt werden. Wie erleben Sie die Situation?

Ich habe bislang in der Zeit nach dem Lockdown nur in Salzburg dirigiert, und da war das meines Erachtens sehr gut gelöst. Natürlich müssen wir berücksichtigen, dass das in der Niedrigphase der Infektionen war. Aber in Österreich wurde von Anfang an bis heute alles dafür getan, dass auch auf der Bühne und im Graben die Dinge so stattfinden können wie üblich. Nur die Publikumszahl war halbiert. Und das ist der große Unterschied zu Deutschland. Man wird auch in dieser Inszenierung sehen, dass man doch sehr eingeschränkt ist. Dies ist auf Dauer tödlich! Um es pathetisch zu sagen: Der heilige Raum der Kunst wird nicht geschützt, sondern profanisiert. Er ist wie alle anderen Räume auch. Und das geht in der Kunst für einen längeren Zeitraum nicht.

Was wäre die Alternative? Noch mehr Testungen?

Wahrscheinlich. In Österreich funktioniert es ja auch, weil der politische Wille da ist.

Die Frage, die sich allen Kulturschaffenden und dem Publikum stellt: Was können wir noch machen? Es gab am vergangenen Samstag in München eine große Demonstration, immer wieder wird betont, dass die Theater sichere Räume sind…

Die Corona-Krise spült das nach oben, was sonst im Untergrund schwelt. Und eine der nüchternen Erkenntnisse ist sicher, dass die Kultur in der Politik schlichtweg nicht den Stellenwert hat, von dem wir immer ausgegangen sind.

Also hat Ihr Kollege Franz Welser-Möst Recht, wenn er in dieser Zeitung gesagt hat, die Klassikwelt habe sich zu lange in den Elfenbeinturm zurückgezogen und sich zu sehr hofieren lassen?

Dem würde ich nicht widersprechen.

Was fasziniert Sie an Braunfels’ Musik?

Allein schon der Titel. Vogelstimmen haben Komponisten ja schon immer interessiert. Diese Helligkeit und Leichtigkeit, das Schwebende der Vögel hat Braunfels spannend umgesetzt. Er wechselt ständig die Tonart, ohne dass man es merkt. So ist aber doch nie ein fester Boden für den Hörer da, was eben für das Fliegende, Abgehobene steht. Großartig finde ich den Auftritt des Prometheus, der von Zeus kommt und die Vögel vor ihrem Aufstand gegen die Götter warnt. Allein der Zeitpunkt im Stück ist perfekt, eine Art goldener Schnitt. Auch musikalisch bringt er einen ganz anderen Ton rein. Da wird die Musik erdig und dunkel, auch harmonisch mit übermäßigen Akkorden durchaus für die damalige Zeit modern. Außerdem gibt es noch einen ganz persönlichen Grund: Meine Mutter war Biologin und Ornithologin. Also ich bin von Kindheit auf mit dem Hören und Beobachten von Vögeln aufgewachsen. Besonders die Nachtigall liebe ich, die ja auch im Stück die zentrale Rolle spielt. Insofern rennt man bei mir da offene Türen ein.

Sie müssen mit reduzierter Orchesterbesetzung spielen, was bei dieser groß angelegten Partitur, in der viele Farben, aber auch ein großer Sturm gefordert sind, nicht ganz einfach ist. Wie gehen Sie damit um?

Als man mir vor ein paar Monaten sagte, ich hätte nur sieben erste Geigen und nur bis zu drei Kontrabässe, dachte ich: Das ist ein Witz! Aber im Prinzip bin ich überrascht, wie gut es funktioniert! Es gibt im ersten Akt kammermusikalische Momente, wo es sogar guttut. Ein großer Streicherapparat ist zwar oft nötig, aber er läuft generell auch Gefahr, die Bühne zuzudecken. Im zweiten Akt, wenn Prometheus kommt, gibt es sehr dramatische Stellen, da wird klanglich etwas fehlen. Aber das kann ich momentan einfach nicht ändern. Elementar für mich ist in jedem Fall: Das höchste Ziel muss sein, dass wir spielen, dass wir die Premiere nicht absagen.

Das Gespräch führte Maximilian Maier.

Premiere an diesem Samstag, 31.10., (ausverkauft); Livestream parallel ab 18 Uhr auf staatsoper.tv.

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