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Israels neuer Premier Naftali Bennett - So stürzte er seinen Ziehvater Netanjahu

Israel hat einen neuen Premierminister! Sein Name: Naftali Bennett (49).

Eine buntgemischte Koalition aus Rechten, Linken und einer arabisch-konservativen Partei schloss sich zusammen mit einem einzigen Ziel: den bisherigen Premier Benjamin Netanjahu (71) zu stürzen, der Israel in den letzten zwölf Jahren ununterbrochen regiert hat.

Der Machtwechsel ist der vorläufige Höhepunkt eines seit Jahren andauernden politischen Chaos in Israel – mit vier Parlamentswahlen in nur zwei Jahren. Auch bei der jüngsten Wahl im März hatte Netanjahus Likud-Partei die Mehrheit. Er konnte jedoch keine Koalitionsmehrheit bilden, auch weil sein Ziehsohn Bennett nicht mitmachte.

Bennett zog es vor, sich den Linken anzuschließen, Netanjahu zu stürzen und vorläufig selbst Premier zu werden. Vorläufig, weil die komplizierte Regierungsbildung zu der exotischen Einigung führte, dass er in zwei Jahren seinen Stuhl für seinen Koalitionspartner, dem Liberalen Yair Lapid (57), räumen muss.

Bennett (r.) soll jetzt für zwei Jahre Premier werden. Dann – so sieht es die Koalitionsvereinbarung vor – soll der Linksliberale Yair Lapid zum Zug kommen
Naftali Bennett (r.) soll für zwei Jahre Premier sein. Dann – so sieht es die Koalitionsvereinbarung vor – soll der Linksliberale Yair Lapid zum Zug kommenFoto: JINI/dpa

Die Abstimmung in der Knesset, dem israelischen Parlament, endete denkbar knapp mit 61 von 120 Stimmen dafür. 59 waren dagegen, ein Abgeordneter enthielt sich.

Zuvor kam es zu chaotischen Szenen, die Debatte verlief sehr hitzig. Bennetts Rede wurde von Zwischenrufen gestört, fünf Abgeordnete mussten den Saal verlassen.

Denn viele Rechte sehen in Bennett – der eigentlich zu ihrem Lager gehört, einen „Verräter“ – und eine Art Vatermörder: Denn tatsächlich verdankte er seine politische Karriere anfangs Netanjahu. Denn bei ihm hatte Bennett als Büroleiter angeheuert, als er in die Politik einstieg. Damals war Netanjahu gerade Oppositionsführer, hatte aber bereits eine Amtszeit als Premier hinter sich.

Netanjahu und Bennett sind sich nicht nur politisch ähnlich. Ihre Biografien haben noch andere Gemeinsamkeiten: Bennett hat einen Großteil seiner Kindheit in den USA verbracht – ebenso wie Netanjahu, der auch dort studiert hat. Die beiden sollen tatsächlich mehr Englisch miteinander sprechen als Hebräisch – auch jetzt noch während des Koalitionspokers soll es laut Presseberichten so gewesen sein.

Bennett hatte schon vor der Politik eine Karriere. Mit einem Hightech-Start-up war er Millionär geworden. Noch davor diente er in der Elite-Einheit „Sajeret Matkal“ der israelischen Armee – genau wie Benjamin Netanjahu und vor allem sein älterer Bruder Yoni.

Plötzlich Teil der israelischen Regierung: Die konservativ-islamische arabische Partei Raam mit seinem Chef, Mansour Abbas (47)
Plötzlich Teil der israelischen Regierung: Die konservativ-islamische arabische Partei Raam mit ihrem Chef, Mansour Abbas (47)Foto: Ariel Schalit/AP

Hintergrund: Yoni Netanjahu fiel 1976 bei der heroischen Befreiung von hunderten israelischen Geiseln aus der Hand von palästinensischen und deutschen Terroristen im ugandischen Entebbe. Bennett benannte aus Verehrung einen seiner Söhne nach ihm. Er hat vier Kinder.

Doch so ähnlich Naftali Bennett und Benjamin Netanjahu sich sind: Bennett steht weiter rechts und ist religiöser, wie er durch das Tragen der Kippa deutlich macht.

Netanjahu merkte schnell, dass Bennett ihm gefährlich werden könnte. Das Verhältnis zerrüttete schnell. Bennett gründete erst seine eigene Bewegung, dann seine eigene Partei, und war stark genug, um Netanjahu den Verteidigungsministerposten abzuringen. Doch grün sind sie sich schon lange nicht mehr.

Noch ein konservativer Weggefährte Netanjahus, der sich nun der Koalition zu seinem Sturz anschließt: Finanzminister Avigdor Liebermann
Noch ein konservativer Weggefährte Netanjahus, der sich nun der Koalition zu seinem Sturz anschließt: Finanzminister Avigdor LiebermannFoto: EMMANUEL DUNAND/AFP

Während Netanjahu über die Jahre staatsmännisch versuchte, die Siedlerbewegung zu beschwichtigen, hatte sich Bennett im Gegenteil an die Spitze der Siedler-Lobby gesetzt – um seinen Ziehvater rechts zu überholen, wie er selber rühmte. Das machte schon der Name seiner Partei deutlich: „Jamina“ bedeutet „nach rechts“.

Trotzdem hätte Bennetts jetziger Anschluss an die links-bunte Koalition noch nicht gereicht, um Netanjahu zu stürzen.

Aber es gab noch einen rechten Weggefährten – der wie Bennett auch schon als Verteidigungsminister unter Netanjahu gedient hatte – der sich anschloss: Avigdor Liebermann (62). Auch der zeigt sich in außenpolitischen Fragen und im Verhältnis zu den Palästinensern härter als Netanjahu, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Er kämpft mit den Linken gegen den politischen Einfluss der Religion in Israel.

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