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Karneval: Sessionseröffnung auf dem Heumarkt fällt aus

„Wer Karneval liebt, sollte am 11.11. zu Hause bleiben“, sagt Ralph Schlegelmilch, Präsident der Willi-Ostermann-Gesellschaft, für den eigentlich dieser 11.11. der alljährliche Höhepunkt der Session ist. Denn seine KG veranstaltet die Sessionseröffnung auf dem Heumarkt.

Aber dieser vermeintliche Widerspruch macht sehr deutlich: die Repräsentanten des Karnevals haben verstanden. Gesundheit geht vor und die Corona-Krise zwingt sie zu klaren Aussagen in erstaunlicher Einmütigkeit. „Formate, wie wir sie kennen, sind unmöglich“, sagt Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval (FK) und Sprecher einer Delegation von Karnevalisten aus dem ganzen Land, die am Freitagabend mit der Staatskanzlei in Düsseldorf den Rahmen absteckte für das, was geht im Corona-Karneval.

Sitzungen, Bälle, Partys, Züge – all das geht nicht. „Jetzt haben wir Rechtssicherheit“, sagt Kuckelkorn, „das macht den Weg frei, kreativ zu werden, das Herz des Fastelovend wieder auszupacken, völlig anders, völlig neu.“ Bei dieser Chance, Neues zu gestalten, müsse man auch die Künstler mit einbeziehen, ergänzte sein Düsseldorfer Kollege Stefan Kleinehr.

Und die Bonner Amtskollegin Marlies Stockhorst freut sich besonders darüber, dass das Heimatministerium die Unterstützung des „Sommerbrauchtums“ auf den Karneval ausgedehnt hat: auch Karnevalsvereine können jetzt Geld beantragen – 50 Millionen Euro stehen zur Verfügung. „Viele Tanzgruppen etwa sind keine gemeinnützigen Vereine und können jetzt trotzdem Anträge stellen“, sagt Stockhorst.

Ralph Schlegelmilch jedenfalls hat schon eine Lösung: „In Absprache mit dem WDR werden wir die Sessionseröffnung aus der Innenstadt in die Wagenbauhalle des FK verlegen. Das ist eine tolle Kulisse für fünfeinhalb Stunden Live-Musik. Es gibt kein Publikum, aber die Jecken können den 11.11. wunderbar zu Hause feiern.“ 

Und auch andere Karnevalisten äußern sich zu den Entscheidungen.

Dino Massi, Präsident Prinzen-Garde:

Endlich haben wir eine Klarheit. In den vergangene Wochen und Monaten haben wir doch alle möglichen Szenarien durchgespielt, wie was funktionieren könnte. Das kann man jetzt sein lassen, Als Prinzen-Garde hingen wir ja auch in vielen Verträgen drin – und wir waren in unserer gesamten Historie nie vertragsbrüchig.

Nun gilt es die Gesundheit der Menschen zu achten und neuartige kleiner Feiern zu entwickeln und den Künstler auch weiterhin Auftrittsmöglichkeiten zu bieten. Da fangen wir nun an zu planen, denn gar nicht machen, das geht doch auch nicht. Schließlich sind wir Karnevalisten.

Henning Krautmacher, Frontmann der Höhner:

Wir müssen jetzt nicht alle verwundert tun. Dass es eine erste Entscheidung gibt, ist gut und richtig. Die Zahlen der Infizierten schnellen gerade wieder in die Höhe. Auch das war zu erwarten. Was den Karneval angeht wird es sicher die eine oder andere kleinere Veranstaltung geben.

Da hoffen wir, auch gefragt zu werden. Mit mehr als zehn bis 15 Prozent der bislang knapp 300 Auftritte in der Session können wir doch wohl kaum rechnen. Für alle im Hintergrund ist es eine viel größere Katastrophe – für Techniker, Caterer, Saalvermieter usw. Und auch kleine Vereine werden ihre Probleme bekommen. Wir wollen nun die Idee weiterverfolgen, in der Session irgendwo in der Stadt ein Zirkuszelt aufzustellen.

Da habe ich mich nach 20 Jahren Erfahrung durch die Kooperation mit Roncalli inzwischen auch schon mit Hans-Günther Hunold, dem Chef der Roten Funken ausgetauscht. Das Konzept ist ähnlich dem des Kölner Weihnachtscircus – knapp 1000 jecke Gäste in Stuhlreihen. Und bei solch einem Fastelovendszirkus – das Zelt könnte doch jeden Tag von einer anderen Gesellschaft bespielt werden - erwartet auch kein Besucher, dass er eine „kalte Ente“ am Tisch serviert bekommt. 

Hans-Georg Haumann, Präsident Ehrengarde:

Die Absage war ja grundsätzlich zu erwarten und daher haben wir damit jetzt auch kein großes Problem. Es dient dem Schutz unserer Gäste aber auch dem unserer Mitglieder. Wir hatten innerhalb unseres Korps schon einige Arbeitskreise, die sich mit den Möglichkeiten einer alternativen Session beschäftigt haben.

Das werden wir nun noch intensivieren. Wahrscheinlich läuft es vorrangig auf vereinsinterne Veranstaltungen hinaus. Einen Regimentsappell ohne Gäste kann ich mir durchaus vorstellen. Ich halte es für vernünftig, mal eine Session lang die Füße still zu halten. Da fallen dann auch die Fahrten und Auftritte mit dem Korps oder der Kindergruppe weg. Aber wie soll das denn gehen? 40, 50 Leute in einem Bus? Für kleinere und interne Formate werden wir schon Wege und Lösungen finden – auch mit Künstlern. Es sind kreative Ideen gefordert, die man dann aber auch umsetzen muss.

Guido Cantz, Büttenredner:

Es ist schon ein komisches Gefühl, aber die Entscheidung ist richtig. Man darf so eine Pandemie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Dabei erinnere ich mich an meine ersten Auftritte im Karneval. Das war 1991, als wegen des Golfkrieges der Rosenmontagszug angesagt wurde.

Sitzungen und Saalveranstaltungen hatten aber ganz normal stattgefunden. Daher ist das jetzt schon ein Einschnitt. Ich glaube schon, dass es kleinere Veranstaltungen geben wird, und auf denen trete ich dann auch gern auf. Es wird definitiv eine „leise Session“, die den Rednern in die Karten spielen wird. Denn Sitzungen mit Party-Charakter sind ja nicht gewollt. Und auch an die Zahlen einer normalen Session wird keiner rankommen. Da muss man sich schon Alternativen überlegen. Vielleicht schreibe ich ja ein neues Buch.

Michael Gerhold, Präsident Nippeser Bürgerwehr und Inhaber einer Künstleragentur:

Es ist eine Vernunftentscheidung. Dass man auf die Corona-Pandemie Rücksicht nehmen muss, ist klar. Aber dass unser Herz für den Karneval schlägt, ist doch auch klar. Die Entscheidung aus Düsseldorf gibt Sicherheit. Jetzt warten wir darauf, dass gesagt wird, was geht.

Karnevalistische Kulturveranstaltungen in unterschiedlichsten Formen kann ich mir gut vorstellen. Jetzt ist jeder gezwungen, mal aus der Komfortzone herauszukommen. Für viele Künstler ist das allerdings einfach nur bitter.

Da geht zwölf Monate Arbeit mal locker in den Schredder. Das tut weh. Auch dass der Dienstagzug in Nippes nicht in der gewohnten Form zu machen ist, war uns schon länger bewusst. Aber da arbeiten wir noch an einem Plan B, einer Möglichkeit der Brauchtumspflege. Und für solch eine sichere Lösung gibt es ja große Gelände nördlich von Nippes, beispielsweise die Pferderennbahn. 

Bernd Stelter, Büttenredner und Kabarettist:

Die Entscheidung ist völlig richtig. Die Karnevalsvereine und vor allem die kleineren, brauchen so eine Planungssicherheit. Und mit so einem Verbot geht der Karneval nicht pleite. Auch einem Alkoholverbot an den entsprechenden tagen kann ich gut zustimmen.

Es gibt doch nicht schlimmeres, als wenn Leute mit Bierflaschen durch die Stadt ziehen und das Karneval nennen. Natürlich gehen Veranstaltung mit 1500 Besuchern im Gürzenich oder mit 10.000 Jecken in der Arena gar nicht. Solche Veranstaltungen kann man verbieten, den Fastelovend jedoch nicht. Da wird man andere und kleiner Wege finde. Was Kreativität angeht, waren die Kölschen doch immer gut.

Horst Müller, Chef der Künstleragentur „alaaaf.de“:

„Diese Entscheidung bietet unheimlich viel Chancen. Neue Formate werden entstehen und vielleicht auch beibehalten, wenn die Corona-Pandemie eines Tages überwunden sein sollte. Es wird nun sehr viel Arbeit auf uns zukommen. Alle bestehenden Verträge müssen auf null gesetzt werden. Wir werden jetzt eine komplett neue Session buchen, in der vor allem die Rede viel Gewicht haben wird.“

Die Altstädter verwiesen auf ein Treffen in der kommenden Woche, bei dem man sich mit den anderen Traditionskorps abstimmen wolle. „Wir wollen da eine gemeinsame Linie fahren“, erklärte Altstädter-Sprecher Heinz Schulte.

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