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Kemptener Tanzherbst »schreit« nach Befreiung aus Knebelung und Einengung

Kempten - Wer ist die schreiende Frau auf dem Plakat des 21. Kemptener Tanzherbstes? Der künstlerische Leiter Richard Klug löst das Rätsel.

Rasierter Schädel, verdrehte Augen, ein schreiender, weit geöffneter Mund: Das Foto zum diesjährigen Kemptener Tanzherbst wirkt verstörend. Richard Klug, Gründer und künstlerischer Leiter des internationalen Tanzfestivals bestätigt: „Ich bin schon häufig darauf angesprochen worden. Aber für mich passt es perfekt – es bildet ab, wie es den Kulturschaffenden in Corona-Zeiten geht. Und es drückt gleichzeitig Befreiung aus: Raus aus dem Geknebelt-, dem Eingeengtsein!“

Es ist die japanische Künstlerin Izumi Ose, die dem Betrachter so eindrücklich entgegenschreit. Sie wirkt in der Performance „The (love) Song Book“ mit, die am Montagabend beim Tanzfestival Premiere feiert. Ein Stück, das Klug sehr am Herzen liegt, auch, weil es – gefördert durch das Kulturamt der Stadt Kempten und der BSG-Allgäu – im Rahmen des vom Kari.Tanzhaus durchgeführten Artist.in.Residence.Projektes 2021 entstanden ist. Die Choreografie hat Ralf Jaroschinski erdacht, Tetsuya Hori zeichnet sich für die Musik verantwortlich.

Schwere und leichtere Kost beim 21. Kemptener Tanzherbst

„Keine leichte Kost“, räumt Klug ein, aber schließlich geht es ihm darum, mit dem Festival den zeitgenössischen Tanz in seiner ganzen Bandbreite zu zeigen.

So eröffnet die „Odido Dance Company“ aus Nigeria am heutigen Samstagabend den Tanzherbst mit zwei Stücken, die erstmals in Deutschland aufgeführt werden. Die Afrikaner symbolisieren für Klug die Wurzeln des Tanzes. Am Montag dann die herausfordernde Avantgarde mit der deutsch-japanischen Produktion „The (love) Song Book“.

Der Beitrag „Mawu“ mit dem spanischen Ensemble Cia. Aina Lanas verspricht am Donnerstag harmonisch-sinnliche Bilder zum Thema Weiblichkeit, die Italienerin Sara Angius am Freitag mit der Verknüpfung von Tanz und Figurenspiel ein theatrales Erlebnis. Neoklassisch wird es am Samstag, wenn die israelische „Kamea Dance Company“ zu Klängen von Bach auftritt. Neben den internationalen Profis zeigen auch der Nachwuchs sowie semiprofessionelle und professionelle Tänzer:innen aus der Region ihr Können.

Klug ist sich sicher: „Da ist für jeden etwas dabei.“ Das ist ihm wichtig, denn er wünscht sich, dass auch mehr junges Publikum den Weg ins Theater, zur Kunst findet.

3G- und Abstandsregeln beim Tanzherbst

Der Kartenvorverkauf ist recht gut angelaufen, und erfahrungsgemäß entscheiden sich viele noch spontan für den Besuch einer Aufführung. Aufgrund der neuesten Corona-Richtlinien können Veranstalter mittlerweile 2G oder 3G+ für ihre Events anbieten. Beim Tanzherbst wird es jedoch bei der 3G-Lösung bleiben, damit die Menschen, die bereits unter anderen Voraussetzungen Karten gekauft haben, nicht aufgrund geänderter Regeln von einem Besuch absehen müssen.

„Wir planen außerdem so, dass neben jeder Besuchergruppe ein Platz frei bleibt. Das ist gesetzlich zwar nicht vorgeschrieben, aber wir wollen gewährleisten, dass die Zuschauer:innen ausreichend Abstand halten können.“

Trotz Impfstoffknappheit: alle internationalen Künstler können einreisen

Bei allen immer noch notwendigen Maßnahmen ist Klug hocherfreut, dass das Festival tatsächlich wie geplant stattfinden kann. Keine Selbstverständlichkeit in Corona-Zeiten, zumal die internationalen Künstler nur einreisen können, wenn sie geimpft sind. Gerade beim nigerianischen Tanzensemble war dies aufgrund der Impfstoffknappheit in ihrer Heimat eine Zitterpartie. Aber mittlerweile ist klar: Alle Beteiligten reisen an und das Kemptener Publikum darf sich auf abwechslungsreiche Darbietungen freuen.

Der Tanzherbst ist jedoch nicht nur zum Zuschauen gedacht: Ein ebenfalls breitgefächertes Workshop-Angebot rundet das Programm ab. Die Workshops sind übrigens nicht nur für ambitionierte Tänzer oder künftige Profis konzipiert – jede(r) ist eingeladen, sich auszuprobieren!

Cordula Meffert