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Kommentar: Gegen Corona hilft nur Durchhalten

Die Gesundheitsminister der Länder waren klug genug, das bisher ganz anständige Corona-Management nicht leichtfertig zu untergraben, indem man die Stoffmaske plötzlich als Problem behandelt, wo sie doch Teil der Lösung ist. Mit der Maske steht einiges auf dem Spiel. Der Ausnahmezustand ist jedenfalls mit dem Wohlfühlbedürfnis von Kunden und mit Küchenpsychologie nicht zu überwinden.

Was die Maske signalisiert und was nicht, eine latente reale Gefahr oder eben genau das Gegenteil, nämlich übertriebene Angst, mag politisch diskussionswürdig sein. Für den Umgang mit der Pandemie spielt das aber keine Rolle. Denn der Istzustand der Pandemie ist entscheidend: Das Virus wütet weiter weltweit, und solange es das tut, zahlt sich Risiko nicht aus.

Kein Land, wie gut die Zahlen aktuell auch aussehen mögen, ist eine Insel. Was jetzt fallweise in Israel, Kalifornien oder in Australien zu beobachten ist, nämlich der steile Wiederanstieg der Infektionszahlen und die Wiederkehr des „Lockdowns“ als Notbremse, ist das Ergebnis einer gefährlichen Illusion, der Vorstellung nämlich, das Virus sei endgültig unter Kontrolle.

Wir lernen von den Fehlern der anderen

Die Gefahr ist aber auch bei niedrigen Zahlen lediglich orts- und zeitabhängig gebannt – und auch das nicht endgültig, sondern aller Erfahrung nach nur vorübergehend. Die rückfälligen Länder hatten sich offenkundig dazu verleiten lassen, Corona-Regeln allzu schnell zu lockern. Konsequent und möglichst rasch dem Virus begegnen, das sind die wichtigsten Corona-Lehren bisher. Und wieder einmal, wie Anfang März mit den schrecklichen Bildern aus Italien, können wir von den Erfahrungen der anderen lernen.

Deshalb wäre es auch fahrlässig, zu früh die wenigen grundlegenden Instrumente aus der Hand zu geben, die uns in der Eindämmung der Seuche zur Verfügung stehen. Und zu diesen elementaren, verglichen mit dem spanischen Lockdown geradezu kommoden Eingriffen zählen nun einmal in dieser Dreifaltigkeit: Abstand halten, Masken und Hygiene.

Die eigentliche Frage müsste also nicht lauten: Wollen wir das? Sondern: Genügt das bei Covid-19? Die Unsicherheiten waren in dieser Hinsicht anfangs bis hinauf zum Robert-Koch-Institut und der Weltgesundheitsorganisation gewaltig. Dabei gab es Hinweise: In der Zeit der Spanischen Grippe vor hundert Jahren gab es auch Seuchenregeln und Maskenpflicht. Nicht überall zwar, aber dort, wo sie gegriffen haben, hatte es das Virus schwerer sich auszubreiten, die Kurven waren flacher.

Lehrbeispiele von Jena bis Taiwan

Es gibt auch jüngeres Anschauungsmaterial. Die Tschechische Republik hat schon im März Mund-Nasen-Schutz eingeführt, und in Jena hat sich Epidemiologen im Realexperiment gezeigt, was die Maske bewirken kann. In der thüringischen Großstadt wurde die Maskenpflicht in Geschäften, öffentlichen Verkehrsmitteln und am Arbeitsplatz am 6. April und damit ungefähr drei Wochen vor dem Rest der Republik eingeführt. Gegenüber vergleichbaren Städten wie Trier, Darmstadt oder Rostock war der seinerzeitige Anstieg der Infektionszahlen um ein Viertel und bei der Gruppe der Über-Sechzigjährigen sogar um die Hälfte verringert.

Taiwan mit seinen zwanzig Millionen Einwohnern, das keinen Lockdown, aber Maskenpflicht verhängte, durch frühere Pandemien gut vorbereitet war und genügend Masken von Anfang an bereitstellen konnte, hat immer noch unter fünfhundert positiv Getestete und sieben Tote. Die Insel ergriff auch weitere Maßnahmen, doch aus Taiwan kommen auch Forschungsarbeiten wie inzwischen aus der ganzen Welt, die fast durchweg zeigen: Mund-Nasen-Schutz wirkt definitiv, auch einfache Stoffmasken schützen – natürlich nicht das Pflegepersonal und Ärzte, aber jede Maske mindert als physikalische Barriere das Risiko für alle, insbesondere in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen, in denen die Viren in winzigsten Tröpfchen und Aerosol-Partikeln in der Luft über Stunden zirkulieren und sich konzentrieren können.

Wo bleibt das Viren-Monitoring im Abwasser?

Weil der infektiöse Zustand der Luft für niemanden sichtbar ist, nicht im Laden und nicht im Menschengedränge, und weil auch die Ansteckungsgefahr durch den bei Covid-19 großen Teil symptomfreier Virenüberträger in einer hochmobilen Welt unkalkulierbar bleibt, ist die Maske neben dem Abstandhalten (zum Schutz vor direkter Tröpfchenübertragung) die sinnvollste Prävention. In beengten Situationen sogar essentiell.

Sehr viel sinnvoller also als der politische Streit darüber, ob ein Lappen im Gesicht das richtige Signal für Volk und Wirtschaft sei, wäre es deshalb, den Willen zur vorbeugenden Pandemie-Politik auch vorwärts zu diskutieren. Zweifel an Corona-Regeln wird es immer geben, solange das alte Leben suspendiert ist. Konstruktiver wäre es jetzt deshalb, Strategien für Frühwarnsysteme wie Pooltesten und systematisches Viren-Monitoring in Abwasserkanälen auszuhandeln. Die Maske ist da nur ein aktueller Minimalkonsens. Wenn wir den nicht hinkriegen, wie wollen wir gemeinsam noch größere globale Krisen künftig konsequent angehen?

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