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Kommentar zu Juan Carlos’ Rückzug: Vom Sockel gefallen

Das Königshaus stellt Juan Carlos’ spektakulären Rückzug ins Ausland nun als „freiwillige Entscheidung“ des alten Königs. In Wirklichkeit war es ein von Felipe durchgesetzter Rauswurf aus dem Palast, kommentiert unser Autor.

Viele Jahre gehörten Spaniens Royals zu den angesehensten Königsfamilien der Welt. Juan Carlos I. galt lange Zeit als bürgernah und beispielhaft. Und er wurde als Vater und Garant der spanischen Demokratie gefeiert. Juan Carlos spielte als königliches Staatsoberhaupt nach dem Ende der Franco-Diktatur 1975 eine wichtige Rolle bei der Demokratisierung Spaniens. 1981 stellte er sich einem Militärputsch entgegen und befahl den aufständischen Einheiten per TV-Ansprache, in die Kasernen zurückzukehren.

In erster Linie hat es Juan Carlos diesem Einsatz zu verdanken, dass er als „Bürgerkönig“ und „Wegbereiter der Demokratie“ in die Geschichtsbücher einging. Doch diese Verdienste sind inzwischen verblasst.

In den letzten 20 Jahren machte Juan Carlos vor allem durch eine Serie von Skandalen auf sich aufmerksam: Seitensprünge, Berichte über uneheliche Kinder, Amigo-Geschäfte. Und jede Menge gefährlicher Freundschaften mit arabischen Diktatoren, die er gerne als seine „Brüder“ bezeichnete.

Wie konnte der heute 82 Jahre alte Juan Carlos derart die Bodenhaftung verlieren und so tief fallen? Jener Mann, der immer wieder bescheiden gesagt hatte, dass sich ein König seine Krone verdienen müsse. „Es genügt nicht, auf einem Sockel zu stehen, um respektiert zu werden“, lautete einer seiner Lieblingssprüche.

Verleitete ihn die absolute Straflosigkeit, welche Spaniens Verfassung dem König zuerkennt, zum Amtsmissbrauch? Wegen dieser gesetzlich verankerten „Unverletzlichkeit des Königs“ kann Juan Carlos heute für mutmaßliche Straftaten während seiner Amtszeit nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Deswegen ist eine Anklage wegen Korruption im Amt nicht möglich. Nur für mögliche Delikte nach seiner Abdankung im Jahr 2014 kann er vor Gericht gestellt werden.

Doch unabhängig von der rechtlichen Verfolgung, deren Ausgang offen ist, konnte der König im Ruhestand einer anderen Strafe nicht ausweichen: der öffentlichen Ächtung und Verbannung.

Denn auch wenn das Königshaus Juan Carlos’ spektakulären Rückzug ins Ausland nun als „freiwillige Entscheidung“ des alten Königs darstellt. In Wirklichkeit war es ein von Felipe durchgesetzter Rauswurf aus dem Palast. Ein zweifellos notwendiger Befreiungsschlag, um Spaniens parlamentarische Monarchie vor einem weiteren Ansehensverlust zu retten.

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