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Kommunikationskrise: Wie Nagelsmann den FC Bayern steuert

Auf seinen wichtigsten Angestellten kann sich der FC Bayern München in der Kommunikationskrise verlassen. Er kommentiert Kritik am Sponsorenvertrag mit Qatar Airways – einem Staatsunternehmen aus dem Emirat, in dem regelmäßig Menschenrechtsverletzungen dokumentiert werden – stets so, wie der Klub sich das vorstellt. Drei Beispiele:

„Der Klub ist im Dialog, versucht, die Dinge im Dialog zu besprechen, im Dialog zu beeinflussen, nicht durch Ausgrenzen oder Wegschauen. Ich glaube, dass wir da schon ein bisschen was bewegt haben“, sagte er am 6. November, als Fans der Bayern in der Südkurve des Stadions ein Banner präsentiert hatten – mit der Aufschrift: „Für Geld waschen wir alles rein“.

„Ich bin ein Freund davon, mit Diskussionen und Gesprächen Dinge zu beeinflussen. (…) Ich bin einer, der versucht, viele Meinungen anzuhören, um Dinge verstehen zu können, Dinge zu bewegen und zu verändern und nicht dazustehen und die Hände hochzuheben“, sagte er am 18. November, als ein Mitglied der Bayern vor der Jahreshauptversammlung öffentlichkeitswirksam einen Antrag eingereicht hatte, mit dem er den Verein verpflichten wollte, den Vertrag mit Qatar Airways nicht fortzuführen.

„Ich finde es wertvoll, wenn man Argumente vorträgt und versucht, auf einer sachlichen Ebene – die war zum Ende der Veranstaltung nicht immer gegeben – einen Konsens zu finden im Sinne des gesamten Vereins. Das ist für mich die wichtige Botschaft“, sagte er am 26. November, als die Jahreshauptversammlung der Bayern vor allem wegen amateurhafter Auseinandersetzung mit den Mitgliedern in der Qatar-Kontroverse außer Kontrolle geraten war.

Nagelsmann als Krisenmanager

An den Aussagen des wichtigsten Angestellten lässt sich aber auch erklären, warum der FC Bayern München überhaupt in einer Kommunikationskrise steckt: Sie kommen vom Trainer Julian Nagelsmann. Und nicht vom Vorstandsvorsitzenden Oliver Kahn.

Man kann diese Aussagen im Kontext der Qatar-Kritik für wenig bis gar nicht überzeugend halten – und dennoch anerkennen: Es ist eindrucksvoll, wie souverän Julian Nagelsmann, 34 Jahre alt, in seinen ersten Monaten als Trainer des größten deutschen Sportvereins in kleinen und großen Krisenmomenten kommuniziert.

In der Corona-Debatte. In der Impf-Debatte. In der Qatar-Debatte. Es war Nagelsmann, der Krisenmanager, der in seinen regelmäßigen Pressekonferenzen und Interviews auf die drängendsten Fragen in diesen Debatten antwortete. So oft, dass man sich nochmal daran erinnern musste, warum ihn der FC Bayern angestellt hat: nämlich um eine Fußballmannschaft anzuführen, die national und international Titel gewinnen soll.

Wie verhält sich Nagelsmann?

An diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) muss Nagelsmann sich in Dortmund ums Sportliche kümmern. Er könnte mit seiner Mannschaft durch eine Niederlage gegen den BVB die Tabellenführung in der Bundesliga verlieren. Eine Sensation wäre das nicht. Er muss ohne die Mittelfeldspieler Joshua Kimmich (Covid-19), Marcel Sabitzer (Wadenverletzung) und vielleicht sogar Leon Goretzka (Patellasehnenschmerzen) planen. Und gegen Erling Haaland, den fantastischen Stürmer aus Dortmund, der pünktlich zum Spitzenspiel erstmals seit seiner Hüftverletzung wieder in der Startelf stehen könnte.