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Kritik an Clemens Tönnies nach Corona-Ausbruch in Fleischfabrik: Arbeits- und Wohnbedingungen im Fokus

Wegen eines Corona-Ausbruchs in einer Fabrik von Clemens Tönnies müssen Schulen und Kitas schließen. Angestellte berichten über miserable Arbeitsbedingungen.

Nordrhein-Westfalen - Der Kreis Gütersloh macht dicht: Alle Schulen und Kitas bleiben wegen eines Corona-Ausbruches in der größten Fleischfabrik von Unternehmer Clemens Tönnies bis zu den Sommerferien geschlossen. Mehrere Hundert Neuinfektionen hatte der Kreis zu vermelden. Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender von FC Schalke 04, war erst kürzlich wegen rassistischer Äußerungen* aufgefallen. 

Der Ärger von Eltern und Lehrern ist groß. „Wir können uns für die Situation nur entschuldigen“, sagte ein Tönnies-Unternehmenssprecher auf einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag. Man werde alles dafür tun, um das Virus aus dem Betrieb herauszubekommen. Doch wie konnte es überhaupt zu dem Ausbruch kommen?

Unternehmer Clemens Tönnies: Schlechte Arbeitsbedingungen für Angestellte aus Osteuropa

Die Erklärung dafür ist simpel. Deutschlands größter Fleischproduzent hat viele Angestellte aus Osteuropa, die laut Recherchen mehrere Medien zu miserablen Bedingungen arbeiten müssen. Bereits im März prangerte ein Mitarbeiter in einem „MDR“-Bericht an, was im Fleisch-Imperium falsch läuft. „Sergej“, dessen Name von der MDR-Redaktion geändert wurde, hatte mehrere Monate bei den „Anhalter Fleischwaren“ in Zerbst gearbeitet. 

Der Mann kam aus der Republik Moldau nach Deutschland, um bei dem Unternehmen, das ebenfalls zu Clemens Tönnies Unternehmensgruppe zählt, zu arbeiten. „Du bist kein Mensch für sie. Für sie ist das wichtigste, dass du arbeitest und ihnen Geld bringst“, sagte Sergej damals.

Kalte Arbeitsräume in Fleischbetrieben könnten Verbreitung von Corona begünstigen

Sehr schwer seien die Kisten mit Wurst gewesen, die Arbeitsräume sehr kalt. Ein Umstand, der auch bei der Verbreitung von Corona eine Rolle spielen könnte. So sprach der Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast darüber, weshalb die Kälte darauf einen Einfluss hat. „Ich stelle mir immer mehr die Frage, ob diese hohen Übertragungsaktivitäten in Schlachthöfen nicht etwas zeigen, das wir sonst im Winter weitläufig erleben - nämlich einen Temperatureffekt“. Worauf will Drosten damit hinaus? 

Fakt ist, dass zerlegte Rinder, Schweine und Geflügel nach der Schlachtung auf höchstens sieben beziehungsweise vier Grad heruntergekühlt werden müssen, damit sich keine Keime verbreiten. Im Unterschied zu Bakterien können Coronaviren allerdings bei niedrigen Temperaturen, ähnlich wie Grippeviren, außerhalb des Körpers länger überleben. „Unsere Betriebe sind nicht für die Pandemie gebaut“, sagte Gereon Schulze-Althoff, Leiter des Tönnies-Pandemie-Krisenstabs

Clemens Tönnies: Angestellte in Mehrbettzimmern untergebracht 

Jessica Reisner vom Verein „Aktion Arbeitsunrecht“ hat Clemens Tönnies bereits kritisiert. Weniger als 500 von 4000 Beschäftigten seien am Hauptstandort in Rheda-Wiedenbrück fest angestellt. „Tönnies übernimmt keine Verantwortung für seine Werkvertragsarbeiter“, sagte Reisner im Gespräch mit „Neues Deutschland“. Diese kämen unter anderem aus Südosteuropa und seien oft in maroden Häusern in Mehrbettzimmern untergebracht. Bei dem Ausbruch von Corona in einem solchen Zimmer ist die Isolierung von Erkrankten nahezu unmöglich. 

Clemens Tönnies: Corona-Maßnahmen laufen ins Leere

Quarantäne-Maßnahmen laufen dann ins Leere. Neben den Wohnbedingungen rügte Reisner außerdem, dass die Mitarbeiter zwar nach Mindestlohn bezahlt würden, wie das „Neue Deutschland“ berichtete, aber geleistete Überstunden nicht entlohnt würden. Mit ihrer Kritik ist sie nicht allein. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert unbezahlte Überstunden und fehlende Zuschläge für Sonntags- und Nachtarbeit in Clemens Tönnies Unternehmen. Langfristig habe sich nichts daran verbessert. „Dann hat sich immer mal wieder was kurzfristig geändert, für ein paar Wochen“, erzählt sie. „Und dann ging es wieder von vorne los.“

Von Moritz Serif

Der Fleisch-Unternehmer war in diesem Jahr bereits aufgefallen. Anfang des Jahres geriet Clemens Tönnies wegen Rassismus-Vorwürfen* in die Kritik. 

Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem Deutschland-Ticker. Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Mitarbeiter der Fleischfabrik Tönnies steigt weiter an.

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/David Inderlied

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