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Lepra bei Tieren verbreiteter als gedacht

Lepra ist im Tierreich weiter verbreitet als bislang angenommen. Ein internationales Forschungsteam berichtet im Fachblatt „Nature“ über Erkrankungen in zwei entfernt voneinander lebenden Schimpansen-Populationen in Westafrika. Während die Fälle in Guinea-Bissau wahrscheinlich auf Kontakte zu Menschen zurückgehen, vermutet das Team um Fabian Leendertz vom Berliner Robert Koch-Institut bei den Erkrankungen in der Elfenbeinküste ein bislang unbekanntes Reservoir der Erreger in der Umwelt. Bereits im Januar hatte die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) auf die Fälle in den beiden Ländern hingewiesen.

Der Mensch gilt als Hauptwirt des Bakteriums Mycobacterium leprae, das die Haut befällt und Nerven zerstört. Pro Jahr werden weltweit etwa 210.000 Fälle der Krankheit diagnostiziert. Ging man früher davon aus, dass Lepra nur bei Menschen vorkommt, sind inzwischen Infektionen bei etlichen Tieren dokumentiert: Dazu zählen Neunbinden-Gürteltiere (Dasypus novemcinctus) in Amerika, Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) in Großbritannien sowie in Gefangenschaft lebende Affen wie Rußmangaben (Cercocebus atys), Javaneraffen (Macaca fascicularis) und Schimpansen (Pan troglodytes).

Nun berichtet das Team um Leendertz, der auch an einer Untersuchung zum Ursprung des Coronavirus Sars-CoV-2 beteiligt war, Fälle bei freilebenden Westafrikanischen Schimpansen (Pan troglodytes verus) zweier Regionen: im Nationalpark Cantanhez in Guinea-Bissau und im Nationalpark Taï in der Elfenbeinküste. In Guinea-Bissau identifizierten die Forscher per Kamerafallen vier erwachsene Tiere mit eindeutiger Symptomatik wie Haarausfall, Gesichtsflecken, über den Körper verteilte Hautknoten und Deformationen von Händen und Füßen.

In der gut erforschten Population der Elfenbeinküste identifizierte das Team ebenfalls vier betroffene Individuen. Angesichts des dortigen Gesamtbestands von fast 500 Schimpansen scheine der Erreger dort nicht sehr ansteckend zu sein, schreiben die Forscher. In beiden Regionen bestätigten PCR-Tests, dass es sich um das gleiche Bakterium handelt, das auch den Menschen befällt. Allerdings handele es sich um zwei verschiedene Varianten, die beide bei Menschen ungewöhnlich seien.

„Die Entdeckung von durch M. leprae verursachtem Lepra bei wilden Schimpansen-Populationen wirft die Frage zum Ursprung dieser Infektionen auf“, schreibt das Team und weist darauf hin, dass bei bisherigen Funden eine Übertragung durch Menschen möglich war. Zwar sind die Übertragungswege der Erreger noch nicht genau geklärt, aber bisher gilt eine Übertragung bei engem Kontakt etwa über Nasensekret und Schleim als wahrscheinlich.

Die untersuchten Schimpansen in Guinea-Bissau hätten zwar kaum direkten Kontakt zu Menschen, lebten aber in einem Gebiet, in dem auch Landwirtschaft betrieben werde. Möglicherweise seien sie früher einmal gejagt oder als Haustiere gehalten worden, mutmaßen die Forscher. Hier halten sie einen menschlichen Ursprung für die wahrscheinlichste Erklärung. Seitdem zirkuliere der Erreger in dieser Population.

Anders bewerten die Wissenschaftler die Lage in der Elfenbeinküste, wo die Tiere intensiv erforscht werden, aber generell weit entfernt von menschlichen Siedlungen leben. Zwar seien dort Übertragungen von Pneumoviren und dem Coronavirus OC43 von Menschen auf Schimpansen dokumentiert, diese Erreger seien jedoch im Gegensatz zu M. leprae sehr ansteckend. Im Fall von Lepra halten die Forscher eine Übertragung vom Menschen für unwahrscheinlich.

„Diese Resultate lassen sich möglicherweise besser mit dem Vorhandensein eines nichtmenschlichen Reservoirs erklären“, schreibt das Team. Eine Möglichkeit seien von Schimpansen gejagte Primaten und andere Säugetiere. Studien zeigten aber auch, dass Lepra-Erreger in Amöben, Gliederfüßern, Zecken und sogar in Böden überleben könnten.